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Zug: Glencore und Amnesty im gleichen Boot?
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Das Plakat des Projekts mit Glencore als Partner (Bild: slam)

Das Projekt «Ship of Tolerance» löst Protest aus Zug: Glencore und Amnesty im gleichen Boot?

4 min Lesezeit 02.09.2016, 19:50 Uhr

Ein Rohstoffgigant aus Zug finanziert ein Kunstprojekt, bei dem es um Toleranz und Menschenrechte geht. Protest macht sich breit: Politiker und Sponsoren zeigen sich wenig erfreut.

Ein Teilhabeprojekt mit der Beteiligung von 120 Kindern und Helfern und organisiert vom Kunsthaus Zug sorgt in Zug für heisse Köpfe. Denn eigentlich sollte es beim Projekt um Toleranz und um Menschenrechte gehen. Doch auf dem Programm und auf Plakaten des Kunstprojekts «Ship of Tolerance», das von zwei New Yorker Künstlern begleitet wird, figuriert als Projektpartner ein Rohstoffgigant aus Baar. Nicht nur für die Grünen, sondern auch für Amnesty International ist eine solche finanzielle Beteiligung ein No-Go. Deshalb erteilten sie dem Kunsthaus Zug auch als Podiumsteilnehmer eine Abfuhr.

«Wir haben grundsätzlich die Haltung, niemanden auszuschliessen, wenn es um Toleranz geht.»

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Matthias Haldemann, Kunsthaus Zug

Ein No-Go für Amnesty International

Der Aufruhr kommt nicht von ungefähr, so nimmt Amnesty International dazu Stellung: «Einen Aufritt an der Seite von Glencore beim Podium haben wir abgelehnt. Auch eine Projektpartnerschaft kam aus diesem Grund nicht in Frage. Wir haben dem Kunsthaus unsere Bedenken mitgeteilt. Wir planen aber keine Protestaktion oder Ähnliches. Die Finanzierung können wir dem Kunsthaus als Organisator nicht vorschreiben», so Amnesty-Mediensprecher Beat Gerber. Glencore ist hingegen als Projektpartner auf Plakaten des Kunstprojekts in Zug nach wie vor präsent.

Helfer-T-Shirt für das Projekt mit dem Kunsthaus Zug (Vorderseite)

Helfer-T-Shirt für das Projekt mit dem Kunsthaus Zug (Vorderseite)

(Bild: slam)

Ein Ersatz für die Menschenrechtsorganisation konnte vonseiten des Kunsthauses Zug noch nicht gefunden werden, bestätigt auch das Kunsthaus: «Wir haben Amnesty International zum Projekt-Podium für ‹Ship of Tolerance› eingeladen und mehrmals intensiv mit ihnen diskutiert. Wir respektieren und verstehen aber ihren Entscheid, beim Podium und auf dem Programmheft nicht figurieren zu wollen», sagt der Direktor des Kunsthauses Zug, Matthias Haldemann.

Die Sponsoren wurden jedoch nicht erst kürzlich ins Boot geholt: «Wir haben mit Glencore schon länger eine Zusammenarbeit, und sie hatten sich für das ‹Ship of Tolerance›-Projekt interessiert. Wir haben grundsätzlich die Haltung, niemanden auszuschliessen, wenn es um Toleranz geht. Zug hat schon mal ein widersprüchliches Gemeinwesen, das ist uns bewusst – Flüchtlinge, Expats und multinationale Konzerne sind hier zuhause und das ist auch hier nicht immer problemfrei.» Doch Haldemann zeigt sich positiv im Sinne des Projektes für mehr Toleranz und Dialog: «Wenn die Leute zum Nachdenken darüber angeregt werden, finden wir das gut. Auch wenn man sich dabei direkt begegnet, und da gehört auch ein kritischer Dialog dazu», so Direktor Haldemann.

«Die Alternativen bitten deshalb die Leitung des Kunsthauses, den Programmpunkt zu korrigieren und von Glencore als Podiumsteilnehmer abzusehen.»

Andreas Lustenberger, Grüne Zug

Zahlreiche Helfer und harsche Kritik

Die über 120 Helfer beteiligten sich auch am Bau des aus Holz und unzähligen bemalten Segelteilen bestehenden Schiffs, des «Ship of Tolerance», das am 10. September im Zugersee feierlich gewassert werden sollte. Nachdem Amnesty International vom Podium abgesprungen ist, macht sich Unbehagen bei der «Alternative – die Grünen» in Zug breit. Sie äussern sich in einer Medienmitteilung und sehen offenbar eine Unvereinbarkeit von Werten bei einem Projekt, das sich auf das Zusammenleben und die Flüchtlingsdiskussion bezieht und mittlerweile in aller Munde ist: «Von Toleranz und Respekt kann beim Sponsor Glencore, der mitschuldig an globalen Umwelt- und Hungerkrisen ist, keine Rede sein. Das Projekt an sich finden wir aber toll», sagt ihr Präsident Andreas Lustenberger.

«Die Alternativen bitten deshalb die Leitung des Kunsthauses, den Programmpunkt zu korrigieren und von Glencore als Podiumsteilnehmer abzusehen. Menschenrechtsorganisationen werden sicher gerne für den Rohstoffhändler dort einspringen. Ich kann mir aber vorstellen, dass dies aus finanziellen Gründen nicht möglich sein wird. Dagegen wehren wir uns», so der Zuger Präsident der Grünen.

Gelebte Toleranz auf Zugs Strassen?

Beim Kunsthaus zeigt man sich offen, auch gegenüber der Kritik von den Grünen in Zug, welche die Unvereinbarkeit von Glencore als Sponsor und einem Toleranz-Projekt sehen: «Man sollte sich im Dialog auseinandersetzen. An so einem kleinen Ort wie Zug sollte das möglich sein. Wir, aber auch Glencore, sind bereit für Gespräche mit politischen Parteien», und weiter: «Wenn es aber über die Medien ausgetragen werden soll, dann ist das eben so», sagt der Direktor des Kunsthauses. Auch der Rohstoffhändler selbst ist also zu Gesprächen bereit. Dies bestätigt Mediensprecher Charles Watenphul von Glencore: «Wir sind stolz darauf, ein solch einzigartiges Projekt hier in Zug sponsern zu können. Unsere Wurzeln liegen hier im Kanton Zug und wir sind offen für Fragen und Anmerkungen, die im Zusammenhang mit diesem Projekt auftreten sollten.»

Bei Amnesty International ist man sich der Problematik zwar bewusst, die in Zug herrscht, möchte aber dem Projekt zuliebe nicht zurückkrebsen: «Wir haben T-Shirts für die Helfer zur Verfügung gestellt und werden bei der Eröffnungsfeier in Zug mit einem Stand vor Ort sein. Das Kunstprojekt an sich finden wir nach wie vor eine gute Sache und die Idee auch international wichtig.» Bei der Einweihung des Projekts am Zugersee sollen voraussichtlich 500 Leute mit T-Shirts von Amnesty International und mit dessen Logo auf dem Landsgemeindeplatz herumlaufen, so der Direktor des Kunsthauses: «Wir tragen diese schon seit Projektstart, auch im Kunsthaus, weil wir ein Statement setzen wollen mit dem Projekt.»

Amnesty International figuriert aus Ablehnung nur noch auf den Helfer-T-Shirts.

Amnesty International figuriert aus Ablehnung nur noch auf den Helfer-T-Shirts.

(Bild: slam)

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