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Zug erhält eine Allee des ewigen Frühlings
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So soll die Zuger Alpenstrasse in zwei, drei Jahren aussehen. (Bild: mam)

Rosa prägt neue Begegnungszone an der Alpenstrasse Zug erhält eine Allee des ewigen Frühlings

3 min Lesezeit 2 Kommentare 14.11.2018, 21:46 Uhr

Die japanische Kirschblüte ist ein Zeichen für Aufbruch und den Beginn des Frühlings. Sie wird künftig auch die Zuger Innenstadt vor dem Bahnhof prägen. Und zwar schon bald. Weil es an der Gotthard- und Alpenstrasse kaum einem Parkplatz an den Kragen geht, könnte das Projekt für einmal rasch umgesetzt werden. 

Der Verkehr ist eine der Schattenseiten der immensen Wirtschaftskraft von Zug. In der 30’000-Einwohner-Stadt gibt es über 40’000 Arbeitsplätze und dementsprechend viele Berufspendler, die zu Stosszeiten die Strassen bevölkern. Dies mag mit erklären, warum im städtischen Parlament hingebungsvoll um jeden Rappen Parkgebühr und jeden einzelnen Abstellplatz gekämpft wird – wie jüngst am Postplatz (zentralpus berichtete).

Aber auch der Zuger Bundesplatz unweit des Bahnhofs ist Kampfzone. Und zwar schon seit Jahrzehnten. Hier gab es Parkhausprojekte und den oberirdischen Parkplatz auf dem sogenannten Dreispitzplatz, welche die Gemüter erhitzten. Eigentlich wäre der Dreispitzplatz als Stadtpark vorgesehen. Doch ist es politisch nicht durchsetzbar, die Parkplätze aufzuheben.

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Zierkirschen säumen die Alpenstrasse

«Deswegen haben wir im Baudepartement 2017 beschlossen, die Planung für den Bundesplatz und für die Sanierung der Alpenstrasse und der Gotthardstrasse zu trennen», erklärte der Stadtarchitekt Christian Schnieper am Mittwochabend auf dem Bundesplatz. Hier sind die acht Wettbewerbsprojekte zur Neugestaltung des Strassenkreuzes vor dem Zuger Bahnhof bis zum 2. Dezember ausgestellt.

Heute: Zuger Alpenstrasse in Blickrichtung des Bahnhofs – mit Stau und Tempo 50.

Heute: Zuger Alpenstrasse in Blickrichtung des Bahnhofs – mit Stau und Tempo 50.

(Bild: mam)

Weiterverfolgen soll die Stadt Zug nun das von einer Fachjury ausgezeichnete Siegerprojekt namens «Chriesi». Wobei sich die Kirschen nicht auf den lokalen Brennstoff für Schnaps bezieht, sondern auf die Japanische Blütenkirsche – ein Zierbaum, der im Frühling rosarot erblüht und der entlang der Alpenstrasse für Farbe sorgen soll.

Denkbar wäre auch eine Hecke

So will das Landschaftsarchitekturbüro BBZ Bern die Achse zwischen Bahnhof und See betonen, welche über die Alpenstrasse führt. «Das Projekt tut mit wenigen Interventionen das Richtige», lobte Patrick Altermatt vom Fachpreisgericht.

Das zweitplatzierte Projekt der Extra Landschaftsarchitekten aus Bern hätte auf grössere Bäume verzichtet, wollte aber an der Alpenstrasse eine Hecke einziehen, um die Achsenfunktion zu betonen.

Visualisierung des zweitplatzierten Projekts «Zug um Zug«, mit Hecke.

Visualisierung des zweitplatzierten Projekts «Zug um Zug», mit Hecke.

(Bild: mam)

Blaues Band führt zum See

Die Drittplatzierten schliesslich, die Knoepflipartner Landschaftsarchitekten aus Luzern, wären ohne zusätzliches Grünzeug ausgekommen. Bei ihnen wäre die Achse durch einen blauen Belag auf der Strasse betont worden, der sich als Band in Richtung See gezogen hätte.

Die Alpenstrasse und die sie kreuzende Gotthardstrasse sind sanierungsbedürftig. Deswegen packen die Stadtplaner die günstige Gelegenheit am Schopf, um sie auch gleich umzugestalten – wobei Pilatus- und Erlenstrasse mitbetrachtet werden. Die Gegend, die laut Schnieper «heute vom Such- und Schleichverkehr geprägt ist», soll – mindestens teilweise – Tempo-30- oder Begegnungszone werden.

Drittplatziertes Projekt «Walk the Line» der Luzerner Knoepflipartner Landschaftsarchitekten.

Drittplatziertes Projekt «Walk the Line» der Luzerner Knoepflipartner Landschaftsarchitekten.

(Bild: mam)

Verträgt sich der Verkehr mit Tempo 20?

Begegnungszone bedeutet Tempo 20 und Vortritt für Fussgänger. Ob und wieweit dies mit dem regen Busverkehr vom Bahnhof her machbar ist «und was dies sonst mit dem Verkehr macht», gelte es nun genau zu untersuchen, sagt Stadtingenieur Jascha Hager.

Er muss sich ausserdem um die Entwässerung der Gotthardstrasse und ihre Unterführung unter der Bahnlinie kümmern. Diese soll in Zukunft von allen ZVB-Bussen benützt werden können.

Parken vor der Bäckerei

Bereits 2020 oder 2021 sollen die Baumaschinen auf den Strassen auffahren. Anders als bei Projekten in der Vergangenheit besteht diesmal Hoffnung, dass dieser ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden kann. Denn erstens sei das Projekt recht preisgünstig, findet Hager. Zweitens lässt es die bestehenden Parkplätze an der Erlenstrasse unangetastet.

Drei Parkplätze beim Kino Gotthard könnten zwar wegfallen, dafür könnten andere Haltemöglichkeiten vor der Bäckerei Bossard und an der Gotthardstrasse entstehen. Fundamentalopposition von parkplatzaffinen Kommunalpolitikern scheint somit unwahrscheinlich.

So könnte die umgestaltete Alpenstrasse aussehen. Dieses Projekt kam indes nicht in die Kränze.

So könnte die umgestaltete Alpenstrasse aussehen. Dieses Projekt kam indes nicht in die Kränze.

(Bild: mam)

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2 Kommentare
  1. Ruth Röllin, 15.11.2018, 18:04 Uhr

    Als die Frage aufgekomen ist ob man in der Zeughausgasse nicht einen Amberball-Baum pflanzen könne anstelle eines normalen Ahornbaumes wurde man mit der Antwort “vor 200 Jahren waren Amberbäume bei uns unbekannt, somit steht diese Sorte Baum nicht zur Diskussion” abgewimmelt. Von daher kann man natürlich voll verstehen dass der Japanische Kirschblütenbaum das der idealste Baum für die Stadt Zug ist. Umsomehr dass dieser Baum unseren Bienen nichts nützt. Manchmal fragt man sich schon was die Leute von der Stadt denken…

  2. Adrian Hürlimann, 15.11.2018, 14:07 Uhr

    Dass die Bepflanzung des „Chriesi“-Projekts vor allem auf Zierkirsche setzt, erstaunt. Als „Hommage an die Zuger Chriesi“ taugt sie wohl ebensowenig wie die Chriesibaum-Promotion das Image Zugs als Rohstoffhandelsplatz in Richtung Kirschenhort zu verwandeln vermag. Denn anders als die Kirsche ist die Zierkirsche ein reines Ziergewächs, ein japanischer Exote, der unserer einheimischen Tierwelt keinerlei Lebensgrundlage bietet und deshalb völlig wertlos ist – rosaroter Beton.
    Ihre Blüten duften zwar gut, sie sind aber meist gefüllt, sehr zum Leidwesen der Bienen. Denn gefüllte Blüten haben keine Staubblätter, die Pollen enthalten. Früchte werden deshalb entweder gar nicht oder (bei ungefüllten Sorten) relativ wenige gebildet. Diese gelten auch nicht als schmackhaft und sind sehr klein.
    Zur Zeit beobachten wir ein dramatisches Insektensterben, das auch eine Dezimierung der Vögel bewirkt. Einheimische Gehölze wären ratsamer: die Weide z. B. ernährt 213 Insektenarten, die Wildrose noch 103 und die Königskerze immer noch 90 Arten. Vogelbeer, Haselnuss, die Kornelkirsche – eine besonders wichtige Bienennährpflanze, durch ihre Früchte ein Vogelschutz- und -nährgehölz – oder die Rote Heckenkirsche wären eher angebracht.

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