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«Zu wissen, woher das Radiesli oder die Gurke kommt, verbindet uns»
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Die «Neugärtner» in ihrem Element. (Bild: zvg)

Gemeinschaftsgärten in Luzern «Zu wissen, woher das Radiesli oder die Gurke kommt, verbindet uns»

4 min Lesezeit 29.03.2014, 05:00 Uhr

Interessierte Gärtner, die in der Stadt Luzern das urbane Gärtnern vorantreiben wollen, gibt es viele. Bemühungen von Politikern, die Stadt zu mehr Mitarbeit bei der neuen Gartenform zu bewegen, fruchten nur langsam. Dies, obwohl der Stadtrat und die Stadtgärtnerei dem «Urban Gardening» gegenüber eigentlich positiv eingestellt wären.

Auf politischer Ebene gab es in den letzten Jahren einige Bemühungen, in der Stadt Luzern das «Community Gardening», auch «Urban Gardening» genannt, voranzutreiben. Die GLP der Stadt Luzern hatte den Stadtrat in einem Postulat im Herbst 2012 gebeten, «Community Gardening»-Möglichkeiten und die Zwischennutzung des Zentralbahn-Trassee zu prüfen. Der Stadtrat antwortete im April 2013, dass er das Potenzial von Grünflächen für solche Projekte prüfen werde und städtische Akteure sensibilisieren wolle. Eine Zwischennutzung des ehemaligen Zentralbahn-Trassees lehnte er jedoch ab.

Auch die SP/Juso-Fraktion fragte in einer Interpellation im Januar 2013 bei der Stadt an, was sie zur Förderung von «Urban Gardening» unternehmen will. Die Stadt antwortete, dass sie verschiedene Massnahmen zur Förderung von Gemeinschaftsgärten realisieren möchte. Eine konkrete Unterstützung von Einzelprojekten erfordere jedoch eine jeweilige Einzelfallprüfung und sei von den zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen abhängig.

Die Situation des «Urban Gardenings» heute

«Der Trend ist ungebrochen», sagt der Luzerner Stadtgärtner Thomas Schmid zur heutigen «Urban Gardening»-Bewegung. Es gäbe vor allem viele junge Leute, die das gemeinschaftliche Gärtnern in der Stadt ausprobieren wollen. «Es gibt in Luzern ein bis zwei gut etablierte ‹Urban Gardening›-Projekte auf öffentlichem Grund», so Schmid weiter. Damit spricht er unter anderem das Projekt des Vereins «Der Gemeine Garten» beim Betagtenzentrum Eichhof an. «Und dann gibt es noch den Garten des Neubads. Dieser ist für uns aber eher privat, obwohl das Grundstück der Stadt gehört», so Schmid.

Der Verein «Neugarten» kümmert sich seit mehr als einem Jahr um das im Neubad heimische «Urban Gardening»-Projekt. «Durch das Anbauen von Gemüse und Früchten in einem Gemeinschaftsgarten können wir während der Erntezeit ein Teil unseres Bedarfs decken. Das Gefühl genau zu wissen, woher das Radiesli oder die Gurke kommt, verbindet uns», erklärt Tobias Stücheli, Initiant des Vereins. Um diese Idee weiter zu verbreiten, wollen die Neugarten-Gärtner zudem die Stadt Luzern im Sinne des «Urban Gardenings» begrünen.

Ihr Projekt wird von der Stadt nicht unterstützt, was sich Stücheli folgendermassen erklärt: «Urban Gardening ist für die Stadt zu neu und sie hätten lieber Familiengärten ausserhalb der Stadt.» Zudem habe die Stadt ja kein Geld. Trotzdem wäre Stücheli froh, wenn der Stadtrat offener auf solche Projekte reagieren würde, wie er dies auch in seiner Antwort auf einen Vorstoss der GLP vor einem Jahr versprochen habe. Stücheli: «Allein die Bereitschaft, offener auf die Bedürfnisse von Urban Gardening Projekten einzugehen, wäre ein Signal für weitere kleine, lokale Projekte und würde die Arbeit erleichtern.»

Stiefmütterliche Behandlung

Die Initiantin des GLP-Vorstosses, Laura Kopp, teilt den Wunsch des Vereins «Neugarten»: «Meiner Ansicht nach wird das Thema in Teilen der städtischen Verwaltung nach wie vor sehr stiefmütterlich behandelt.» Offen und zuvorkommend sei nur die Stadtgärtnerei: «Sobald aber andere Dienststellen involviert sind, scheint die vom Stadtrat versprochene Sensibilisierung nicht sehr weit zu sein.»

Der Stadtgärtner Thomas Schmid erklärt die Schwierigkeiten des «Urban Gardenings»: «Bezogen auf die öffentlichen Flächen, gibt es nur beschränkte Möglichkeiten», so Schmid. Denn diese müssten sonnig und zentral liegen. Die Stadtgärtnerei versuche Anliegen in Sachen «Urban Gardening» aufzunehmen. Die Initiative müsse jedoch von Interessierten kommen: «Wir brauchen Ansprechpartner», so Schmid.

Er erklärt, was die Stadt zurzeit in diesem Bereich macht: «Einerseits wird im Rahmen des Projektes «Stadtraum Luzern» das Potenzial von Urban Gardening überprüft. Das Projekt unterliegt dem Ressort Städtebau der Baudirektion, die Planungsgrundlagen für die funktionale, räumliche und gestalterische Entwicklung des öffentlichen Raumes erarbeitet. Eine weitere Massnahme sei beispielsweise die Förderung von Gemeinschaftsgärten im Rahmen der Umsetzung der Familiengartenstrategie. «Diese werden konkretisiert und im Rahmen der Sanierung der Familiengärten im Friedental umgesetzt», so Schmid.

Stadt soll Flächen für Gemeinschaftsgärten ausschreiben

Motiviert und interessiert an der urbanen Gärtnerei ist neben dem «Neugarten» auch der Verein «Der Gemeine Garten», der seit einem Jahr den Gemeinschaftsgarten beim Betagtenzentrum Eichhof unterhält. Der Verein wünscht sich von der Stadt Hilfe bei der Suche nach geeigneten Standorten. Zum Beispiel in dem man frei werdende Grünflächen als Gemeinschaftsgärten ausschreiben würde. Bei Schmid stellt sich bei diesem Vorschlag die Frage nach dem Aufwand und der Verhältnismässigkeit, solche Flächen aktiv zu suchen und zur Nutzung auszuschreiben. «In Privateigentum befindliche Brachflächen wären klassische Orte für die Aktivitäten des ‹Community Gardening›. Diese sind in der Stadt Luzern aus verschiedenen Gründen jedoch nur in Ausnahmefällen anzutreffen, etwa wenn sich Planungen oder die Realisierung von Projekten verzögern. Diese Flächen liegen dann aber in der Regel nicht unbedingt im innerstädtischen Bereich», sagt Schmid.

Eine weitere Idee des Vereins «Der Gemeine Garten» ist die Erhöhung der Stellenprozente bei der Stadtgärtnerei, damit diese mehr Spielraum hätte, solche Projekte praktisch zu unterstützen. Schmid erwidert dazu: «Es ist natürlich schon so, dass ‹Urban Gardening› im Leistungsauftrag der Stadtgärtnerei nicht vorgesehen ist und dafür weder Stellenprozente noch finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.» Das sei denn auch das Handicap, wenn gutgemeinte Anfragen oder Ideen an die Stadtgärtnerei herangetragen werden. «Im Moment versuchen wir den Spagat zwischen Mithilfe und Einhaltung des Budgets», erklärt Schmid.

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