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Zu wenig Personal: Kleine Läden können längere Öffnungszeiten nicht stemmen
  • Wirtschaft
Yvonne Schibli vom Bioshop Viktoria ist der Ansicht, dass eine halbe Stunde durchaus einen Unterschied macht für die Mitarbeiter. (Bild: wia)

Geschäfte in Luzerner Neustadt sind skeptisch Zu wenig Personal: Kleine Läden können längere Öffnungszeiten nicht stemmen

3 min Lesezeit 2 Kommentare 17.02.2020, 15:43 Uhr

Bald kann in Luzern länger eingekauft werden. Den kleineren Läden jedoch nützt die Ausdehnung der Öffnungszeiten wenig, wie eine Umfrage in der Neustadt zeigt. Problematisch seien die längeren Öffnungszeiten insbesondere aus personeller Sicht, finden dortige Unternehmen.

Ab Mai dürfen Luzerner Detailhändler ihre Läden länger offen haben. Neu ist es zulässig, unter der Woche bis 19 Uhr offen zu haben. Heute gilt 18.30 Uhr. Ausserdem dürfen Geschäfte am Samstag neuerdings bis 17 Uhr offen haben. Nur: Wollen Detaillisten das überhaupt?

Der Quartierverein Hirschmatt-Neustadt hat eine entsprechende Umfrage gemacht. Rückmeldungen von 31 Geschäften gingen daraufhin ein. «Der Grundtenor bei den Firmen besagt, dass ihnen die Änderung wenig bringe, also auch nicht mehr Kunden», erklärt Markus Schulthess, der Co-Präsident des Vereins auf Anfrage.

«Die Kunden gehen davon aus, dass nun alle Läden bis 19 Uhr geöffnet haben, auch wenn das nicht stimmt.»

Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins Hirschmatt-Neustadt

«So behalten die meisten Geschäfte die bisherigen Öffnungszeiten bis um 18.30 Uhr bei. Bezüglich der Veränderung am Samstag haben etwa 50 Prozent angegeben, 9 bis 17 Uhr öffnen zu wollen.» Primär sei es bei der Umfrage darum gegangen, dass Läden eine Idee davon bekommen, was ihre Nachbarn machen, damit sie sich gegenseitig angleichen können.

«Ein Problem sehen die Geschäfte darin, dass die Veränderungen nur marginal sind. Die Kunden gehen davon aus, dass nun alle Läden bis 19 Uhr geöffnet haben, auch wenn das nicht stimmt. Das sorgt womöglich für Verwirrung», so Schulthess.

Unter der Woche gleich, am Samstag bis 17 Uhr

zentralplus hat bei verschiedenen Läden in der Neustadt nachgefragt, wie sie mit den neuen Öffnungszeiten umgehen wollen. Die Rückmeldungen? Tendenziell kritisch. Während man sich etwa in der Hirschmatt-Buchhandlung noch nicht sicher ist, was man tun soll, ist es für andere bereits sonnenklar:

«Die kleinen Geschäfte werden kaputtgemacht.»

Dr. Christoph Bachmann, Besitzer der Hirschmatt-Apotheke

«Werktags behalten wir die bisherigen Öffnungszeiten bei», erklärt etwa Gabi Brun, Ladenchefin der Papeterie Linsi. «Das ergibt 9,5 Stunden pro Tag, was unsere Kunden schätzen.» Samstags werden wir die Öffnungszeit eine Stunde nach vorne verschieben und neu von 10 bis 17 Uhr öffnen.» Brun ergänzt: «Uns ist es wichtig, dass unsere Mitarbeitenden auch ein Privatleben haben dürfen.»

Ja sind wir denn in Amerika?

Dr. Christoph Bachmann, der Besitzer der Hirschmatt-Apotheke, betrachtet die Entwicklung mit Sorge. Der Mann, der sein Geschäft bereits über dreissig Jahre führt, erklärt: «Je länger, je mehr geht der Trend in die Richtung, dass Läden – nach amerikanischem Vorbild – 24 Stunden offen haben.» Ein Trend, der primär den Ketten diene. «Die kleinen Geschäfte werden dadurch jedoch kaputtgemacht.»

Für die Hirschmatt-Apotheke lohne es sich nicht einmal, Samstag offen zu haben.

Bei der Hirschmatt-Apotheke gehe die Entwicklung in eine andere Richtung, so Bachmann. «Wir haben am Freitag nur bis 18 Uhr geöffnet und am Samstag ganz geschlossen», sagt er. Und ergänzt: «Es lohnt sich für kleine Apotheken nicht, extra einen Apotheker oder eine Apothekerin als Stellvertretung für einen Tag einzustellen.»

Nur der Dampfwarenladen sieht die Sache entspannt

Gegen die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten spricht sich auch Yvonne Schibli aus. Die Geschäftsführerin des Bioshops Viktoria sagt: «Man denkt, eine halbe Stunde, das mache fürs Personal keinen Unterschied. Das stimmt jedoch nicht. Gerade wenn man abends noch Sport treiben will oder Chorprobe hat.» Sie glaubt überdies nicht, dass die neuen Öffnungszeiten einem Kundenbedürfnis entsprechen.

Ganz anders der Tenor beim Dampfwarenladen Smokee. Dort scheint die Frage überhaupt nicht umstritten zu sein. «Wir verlängern unsere Öffnungszeiten», erklärt Mitarbeiter Andreas Koch. «Wir sind genügend Mitarbeiter, daher können wir das gut stemmen.»

So kritisch wie in der Neustadt dürfte man nicht in allen Luzerner Quartieren sein. Denn hinter der leichten Ausweitung der Öffnungszeiten stehen nicht nur die Gewerkschaften, auch der Detaillistenverband des Kantons Luzern spricht sich dafür aus.

Abends bis 18.30 Uhr, samstags bis 16 Uhr: Diese Zeiten dürften sich bei vielen Geschäften bald ändern.

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2 Kommentare
  1. mebinger, 18.02.2020, 08:50 Uhr

    Wann begreifen wir endlich, dass unsere Gesellschaft keinen 24-Stundenbetrieb braucht, sondern wieder mal Ruhe und Muse. Natürlich gibt es einzelne, welche froh sind, wenn sie nachts einkaufen können, entweder, weil sie nicht planen können oder weil sie beruflich dann engagiert sind, wenn die Läden offen sind. Für diese Gruppen gibt es genügend Angebote. Eine «generelle» Ausweitung braucht es nicht, auch keine marginale wie in Luzern. Gesetze sollen ausgleichen und alle schützen. Eine undifferenzierte Ausweitung bedroht das Gewerbe und die Kleinen. Den diese können sich diese Ausweitung nicht leisten.

    Und hört bitte mit der Mär auf, die Gewohnheiten hätten sich geändert. Das ist Wunschdenken der Konzerne, welche am liebsten null Regelung hätten. Der liberale Staat soll nur das regeln, was notwendig ist und hierbei das Wohl aller im Auge behalten. Heute ist es eine Tatsache, dass wir nirgendwo mehr Ruhe haben und wer sich Ruhe gönnt und mal nicht dem sinnlosen Leistungsdenken frönen will, wird scheel angeschaut, weil er nicht produktiv ist und somit der Gesellschaft keine Rendite bringt. Der Mensch will leben und nicht nur arbeiten. Dies passt den Managern nicht, die nur auf die Rendite schauen, aber vergessen haben, dass Wirtschaftsführer auch eine gesellschaftliche Verantwortung haben oder haben sollten. Besonders die CVP sollte sich auf die christliche Wirtschaftsethik des Mittelalters zurückbesinnen oder das C wirklich streichen. Christliche Wirtschaft heisst, dass Vermögen verpflichtet und die Wirtschaft nicht da ist für das Wohl Einzelner, sondern, dass es allen wohl ergeht (Wohlstand und nicht Reichtum).

    Das Gleiche gilt für die zugerischen Jungfreisinnigen! Eine liberale Wirtschaft hat das Wohl aller im Blick. Dafür sind Ladenöffnungszeiten und Sperrstunden da und sich nur in den Diensten der Grossen zu stellen ist weder christlich noch liberal.

  2. CScherrer, 18.02.2020, 08:39 Uhr

    Natürlich verursachen längere Öffnungszeiten Probleme für die kleineren Läden. Die längeren Öffnungszeiten sind jedoch eine Möglichkeit und kein Muss. Zudem müssten sich die Läden vielleicht mal überlegen, wie sie die Öffnungszeiten optimieren. Wenn ich sehe, dass es tatsächlich noch Banken, Versicherungen und Ämter gibt, welche um 7.30 Uhr öffnen, aber von 12 Uhr bis 14 Uhr geschlossen und nur bis 17 Uhr geöffnet haben, dann überkommt mich schon das kotzen. Nein, die Öffnungszeiten sollen flexibel gestaltet werden können. Nämlich so, dass die arbeitnehmende Bevölkerung nicht andauernd frei nehmen muss, um irgendwelche Geschäfte erledigen zu können. Das ist jetzt plakativ formuliert. Trifft wohl aber die eigentliche Problematik.

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