Zu viele Menschen: Luzerner Take-away-Bar macht wieder dicht
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Wurde Opfer des eigenen Erfolgs: Die «Nachbar» an der Moosstrasse in Luzern. (Bild: ljd)

Betreiber ist genervt und müde Zu viele Menschen: Luzerner Take-away-Bar macht wieder dicht

3 min Lesezeit 7 Kommentare 02.04.2021, 18:00 Uhr

Die Verantwortung liegt bei der Luzerner Gastronomie. Wer geöffnet hat, geht ein Risiko ein und muss vielleicht sogar mit einer Anzeige oder einer Schliessung rechnen. Weil er die Menschenmassen vor seiner Beiz nicht mehr kontrollieren kann, zieht der Betreiber einer Take-away-Bar nun die Notbremse.

Seit vier Monaten sind die Restaurants geschlossen, die kulinarische Welt ist in einen Winterschlaf verfallen. Aber nicht ganz. Buvetten und Take-away-Bars sind während der Schliessung aufgeblüht. Dies führt jedoch zu neuen Probleme in der Gastronomiebranche: Ansammlungen von Menschenmassen auf öffentlichen Plätzen und Bussen für die Betriebe.

Deshalb haben die Buvetten ab Donnerstag keine Bewilligung mehr, um offen zu haben. Der Bund möchte damit verhindern, dass sich zu viele Menschen ansammeln. Und wie sich in der Stadt Luzern zeigt, stellt sich auch bei den Take-away-Bars die Frage, ob eine Schliessung nicht die bessere Entscheidung wäre.

«Wir möchten Regelkonform sein»

Die ist bei der Take-away-Bar «Nachbar» an der Moosstrasse der Fall. «Wir können die Menschenmasse nicht kontrollieren», sagt Emmanuel Gimenez, Geschäftsführer der Apérobar, auf Anfrage. Die Leute stünden zu nahe zusammen und vermischten sich. Gimenez betont aber, dass dies kein absichtliches Handeln der Gäste sei.

Der «Nachbar» im Neustadquartier hat sich deshalb freiwillig dazu entschieden, das Geschäft zu schliessen. «Wir möchten nicht zu einem Anstieg der angesteckten Personen beitragen», kommentiert Gimenez die verfahrene Situation: «Schlussendlich liegt die Verantwortung bei uns.»

«Die Polizei wird nicht einfach so auf uns aufmerksam.»

Emmanuel Gimenez, Betreiber «Nachbar»

Für den «Nachbar» ist es momentan schwierig, eine Lösung zu finden. Er ist sich aber sicher, dass ihm dies in naher Zukunft gelingen wird. Denn Take-away-Bars verfolgen unterschiedliche Strategien, um mit den Verordnungen des Bundes umzugehen.

«Es ist eine Schikane»

Einen Ausweg scheint die «Daniele-Weinbar» nur einen Steinwurf von der «Nachbar» entfernt gefunden zu haben. Geschäftsführer Daniele Apruzesse hat verschliessbare Deckel für die Getränke organisiert. Mit seinem Kollegen von der «Nachbar» ist er sich aber einig, «dass die aktuelle Situation schwierig und ermüdend ist».

Die «Daniele-Weinbar» ist weiterhin geöffnet. «Um nicht in Vergessenheit zu geraten», wie es Apruzzese ausdrückt. Nebst den kleinen Menschengruppen auf dem Trottoir kreuze aber auch bei ihm regelmässig die Polizei auf. «Die Polizei wird nicht einfach so auf uns aufmerksam. Sie wird von Nachbarn informiert», sagt er dazu.

«Einen Lösungsweg scheint es noch nicht zu geben.»

Daniele Apruzzese, Betreiber «Daniele-Winebar»

«Diese Schikanen kosteteten mich bereits 920 Schweizer Franken, die schlussendlich in der Kasse des Staates landen», ärgert sich Apruzzese. Wie viele seiner Kollegen spürt auch der Geschäftsführer der italienischen Weinbar einen finanziellen Druck, einen gewissen Betrieb aufrechtzuerhalten. «Einerseits soll der Betrieb laufen und Einnahmen generieren, anderseits sind die Bussen hoch. Auch die Zusammenarbeit unter den Restaurants ist kaum da», moniert Apruzzese.

Wirte empfinden die Regeln als problematisch

Daniele Apruzzese und Emmanuel Gimenez sind sich beide einig, die Verordnung des Bundes ist für die Polizei schwer durchzusetzten. Und für die Restaurants bedeuten sie einen grossen Aufwand.

«Sobald die Polizei auftaucht, verschwinden die Menschenmassen, nur um sich einige Minuten später wieder anzusammeln», schildert Apruzzese die Szenen vor seinem Laden. Aus Gastfreundlichkeit möchte er seine Gäste nach einer Bestellung allerdings nicht einfach so wegschicken.

«Es ist für alle anstrengend, für die Polizei, die Gäste und die Gastronomie. Einen Lösungsweg scheint es noch nicht zu geben, aber alle sind für sich selber verantwortlich», meint Apruzzese zum Schluss.

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7 Kommentare
  1. Peter Bitterli, 02.04.2021, 19:08 Uhr

    Die Nachbarn im gentrifizierten Hirschmattquartier übernehmen das denunziatorische Feinhandwerk. Das war zu erwarten. Das Quartier ist ein linksgrünes Extremsoziotop.

    1. Melchior, 02.04.2021, 20:56 Uhr

      Herr Bitterli, Quartiere oder Gemeinden mit ausgeprägter SVP-Wählerschaft, die bezeichnen Sie hoffentlich ebenso als «Extremsoziotope», kombiniert mit einem Adjektiv Ihrer Wahl? …Nein? Dann, so scheint mir recht evident, muss man Sie der Inkonsequenz bezichtigen.

      Sollten Sie das aber durchaus tun, so verpufft damit doch grösstenteils der beabsichtigte Effekt Ihres Kommentars, diese verächtliche Wertung über den so beliebten, aber auch herrlich ungenauen Begriff «linksgrün». Natürlich, den kann man immer mal ins Kraut herauswerfen, irgendwer wird auch immer klatschen und johlen. Sie haben uns aber dennoch nichts mitgeteilt, was wir nicht alle schon wussten: Verschiedene Quartiere haben manchmal recht unterschiedliche Bewohnerschaften. Gut, Sie sind zusätzlich offenbar der Meinung, dass Denunziantentum und «linksgrün» sich ideal ergänzen. Belege liefern Sie dafür nicht, die Intensität Ihrer Verachtung soll wohl Beweis genug sein. Nun, ich finde nicht.

      Sie sind wahnsinnig gut mit Worten – und ich glaube, dass Sie das wissen. Schade darum, dass Sie so häufig nur belanglose, (wie mir scheint) verbitterte Hässigkeiten von sich geben. Ich gehe davon aus, dass Sie ein intelligenter Mann sind. Wie steht es aber mit der Weisheit? Oder glauben Sie an sowas schon gar nicht mehr?

    2. Peter Bitterli, 03.04.2021, 08:35 Uhr

      @ Melchior:
      Ich halte es weder für konsequent noch für weise, Kritiker des linksgrünen Juste-Milieus, also der neuen Spiesser, also der in Städten mittels Klientelpolitik bei Laune gehaltenen Beamten-Parteigänger reflexartig einer Partei namens SVP oder überhaupt irgendeiner Partei zuzuordnen. Die theoretisch und inhaltlich völlig entkernte poststrukturalistische Linke verfügt gar nicht über genug Profil, um damit auch noch einen Gegensatz zu definieren.
      Ok, Sie haben versucht, eine längere und schlüssige Argumentationskette aufzubauen. Nicht jeder gedankliche Schritt, nicht jede Metapher („ins Kraut herauswerfen“) sind ideal gelungen, aber ich schenke Ihnen dafür die Eingeständnisse, dass verschiedene Quartiere unterschiedliche Bewohnerschaften haben, dass es wahrscheinlich SVP-Soziotope gibt, und der Totschlagbegriff „SVP“ herrlich ungenau sein mag. Ich schenke Ihnen sogar das Eingeständnis, dass ich programmatische Leere und unreflektierte Zeitgeistigkeit im ganzen politischen Spektrum diagnostiziere; verbunden mit unterschiedlichen Graden der Selbstgefälligkeit und Reifegraden der Machtausübung halt, von Parvenuhaftigkeit zu gelassener Routine. Was Sie sehr richtig erkannt haben, ist, dass intensive Verachtung ein Grund zu Meinungsäusserung in der Öffentlichkeit sein mag. Ich kenne das von meinen Anfängen her, genauso wie die Devise, gegen die Repräsentanten der Macht und nicht gegen deren Kritiker zu argumentieren.
      Ja, lieber Melchior, zeig doch einfach Dein Gesicht!

    3. Melchior, 03.04.2021, 12:51 Uhr

      Wie habe ich das zu verstehen, Ihr abschliessendes «zeig doch einfach dein Gesicht?» Welches vermeintliche Eingeständnis soll ich für Sie ablegen? Mein eigentliches Gesicht wird Sie ja wohl kaum interessieren.

      Sie haben da etwas gelesen, von dem ich nicht der Meinung bin, es geschrieben zu haben: Die Eingangsfrage habe ich nicht gestellt, um Sie damit der SVP-Wählerschaft zuzuordnen. Ich wollte halt tatsächlich wissen, ob Sie auch andere eher wenig durchmischte Quartiere als «Extremsoziotope» bezeichnen – oder ob Sie von denen dafür nicht ausreichend getriggert würden.

      Ein Eingeständnis, wenn es denn eines ist, kann ich übrigens gerne direkt machen: Ja, ich gehöre üblicherweise zur linksgrünen Wählerschaft. Dennoch bin ich mit Ihnen völlig einverstanden darin, dass es in diesem «Juste-Milieu» (danke, den Begriff habe ich nicht gekannt) tatsächlich zu viel Selbstgefälligkeit gibt. Massivst. Und ja, ausserhalb gibt es sie natürlich auch. Und das ist alles ärgerlich, manchmal auch schwer abstossend. Aber, was kann man tun? Ich kann nur meine eigene Haltung, meine eigenen Handlungen steuern. Fehlbarkeit inklusive, versteht sich. Ausserhalb des linksgrünen Spektrums habe ich jedenfalls noch keine für mich wählbare Partei entdecken können, dafür liegt mein Fokus einfach zu sehr auf der Sozialpolitik.

      Wie auch immer. Sie haben das Werkzeug, mich zu verschränzen. Tun Sie es, wenn es Sie danach gelüstet. Geholfen ist damit niemandem. Ich wünsche Ihnen so oder so alles Gute.

    4. Peter Bitterli, 03.04.2021, 13:43 Uhr

      @ Melchior:
      Na sehen Sie, jetzt sind wir einander ja schon ganz nahe.
      Sagen wir mal, eine ausgesprochene SVP-Wählerschaft wäre zum Beispiel in den ehemaligen Industrievororten anzutreffen. Vor vier Jahrzehnten versuchte die damals ausserparlamentarische Linke, die Arbeiter dort von der Weltrevolution zu überzeugen. Ohne Erfolg. Allenfalls konnten Sozis/Gewerkschaften einen Teil des Elektorats abgreifen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Funktionäre und potenzielle Wähler klaffen in Zeiten, wo dümmliches Gendern und Gratismut gegen ein paar unbestrittenermassen unschöne aber im realen Leben eben auch läppische Ismen schon ein Programm ausmachen sollen, völlig auseinander. Kein Sozi holt mit shitstormigen Aufgeregtheiten jemals einen Proletarier oder Ex-Proletarier oder Prekären zurück ins Linkszweidrei-Glied. Und die Grünen mit ihrer Ideologie der Deindustrialisierung statt Innovation schon gar nicht. Deshalb liegen die SVP-Hochburgen in den ehemaligen Latifundien der Sozen und Grünen. Mit dem Grünen-Hype wächst nur das Heer der Beamten; mit den Beamten und Lehrern wächst das Grünen-Elektorat. Wie elegant jetzt der Rückwärtssalto zu geschlossenen Restaurants ist, können Sie selber entscheiden: Diese Klientel ist ja auch komplett coronamassnahmenkrisenunabhängig. Da lässt sich leicht denunzieren.

    5. Michel von der Schwand, 06.04.2021, 08:40 Uhr

      Und manchmal, wenn gar nicht öfters, denuzieren sich die Wettbewerbsteilnehmer untereinander.

  2. mebinger, 02.04.2021, 18:32 Uhr

    «Der Staat mutiert immer mehr zu einer Art ‚Autoimmunkrankheit‘ – er richtet sich zunehmend gegen den eigenen Organismus (sprich: Bevölkerung)»

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