Zu viele Besucher: Zug verstärkt Aufsicht in Wäldern
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Der Kanton Zug verstärkt die Aufsicht in den Wäldern. (Bild: Kanton Zug)

Illegale Trampelpfade und Grillstellen Zu viele Besucher: Zug verstärkt Aufsicht in Wäldern

3 min Lesezeit 4 Kommentare 01.07.2020, 10:40 Uhr

Die Zuger Wälder leiden unter dem hohen Besucheraufkommen als Folge der Coronakrise. Deshalb sind nun die Forstbetriebe gefordert.

Während Restaurants, Läden und Kultureinrichtungen dicht waren, vertrieben sich viele Zentralschweizer die Zeit in der Natur. Es zog sie in die Berge und Wälder. Dass das jedoch auch zu Problemen führen kann, zeigte schon das Beispiel Kriens: Wegen Littering wurden im Schachenwald und am Sonnenberg die Abfallkübel abmontiert (zentralplus berichtete).

Auch im Kanton Zug setzen die Besucher den Pflanzen und Tieren allmählich zu. Die Besucher zieht es aus unterschiedlichsten Gründen in den Wald: Wanderer, Jogger, Biker, Pilzsammler, Beerenpflücker, aber auch einfach Spaziergänger mit oder ohne Hund seien anzutreffen, wie der Kanton in einer Mitteilung schreibt. Zudem würden Wildcamping und Biwakieren immer beliebter.

«Die Sicherheit bei der Ausführung von Holzschlägen ist immer schwieriger zu gewährleisten und mit zunehmendem Aufwand verbunden.»

Martin Ziegler, Leiter Amt für Wald und Wild

Für Pflanzen und Tiere bedeutet das jedoch Stress. «Das starke Besucheraufkommen hat zur Folge, dass der Wildlebensraum immer kleiner wird und störungsanfällige Tier- und Pflanzenarten unter Druck geraten», heisst es in der Mitteilung.

Sie sind nicht alleine: Auch die Waldeigentümer sähen Handlungsbedarf. «Neue Wege und Rastplätze entstehen unkontrolliert und die Ansprüche an die bestehende Infrastruktur steigt. Die Sicherheit bei der Ausführung von Holzschlägen ist immer schwieriger zu gewährleisten und mit zunehmendem Aufwand verbunden», wird Martin Ziegler, Leiter Amt für Wald und Wild, zitiert.

«Ranger» sollen für Ordnung sorgen

Das Besucheraufkommen ist laut dem Kanton bereits so gross, dass auf beliebten Wanderwegen schon über «Dichtestress» geklagt werde. Und ein Ende dieses Zustands sei mittelfristig nicht in Sicht. «Die eingeschränkten Reisemöglichkeiten und die baldigen Sommerferien legen nahe, dass bis Ende Jahr mit überdurchschnittlich vielen Erholungssuchenden im Wald zu rechnen ist», so Ziegler.

Für den Kanton Grund genug, zu handeln: Forstbetriebe und private Anbieter von Ranger-Dienstleistungen werden damit beauftragt, die Aufsicht im Gebiet zu verstärken. Fachleute sollen präsent sein, informieren, lenken und sensibilisieren. Ziel ist es auch, inoffizielle Trampelpfade, Grillstellen und Velowege aufzuheben und bei Bedarf Informationstafeln aufzustellen. Die Kosten dafür werden durch einen Covid-19-Sonderkredit gedeckt.

Massnahmen vorerst befristet bis Ende Oktober

Geplant ist, dass die zusätzlichen Aufsichtspersonen vor allem am Abend und an Wochenenden während Schönwetterphasen im Wald präsent sind, weil dann das Besucheraufkommen am stärksten ist. Die Aktion ist vorerst bis Ende Oktober befristet, danach zieht das zuständige Amt mit den Waldeigentümern Bilanz. Allenfalls werden bewährte Massnahmen danach weitergeführt.

«Das Ziel der Massnahmen sind keine zusätzlichen Restriktionen», sagt Regierungsrat Andreas Hostettler, Vorsteher der Direktion des Innern. Trotzdem würden Vergehen wie Verstösse gegen das Fahrverbot geahndet. «Für das Amt und die Waldeigentümerschaft ist es jedoch wichtig, die Situation zu überblicken und zu beobachten, damit ein Nebeneinander der Natur und der Erholungssuchenden funktioniert und das Miteinander der verschiedenen Nutzergruppen im Ökosystem Wald naturverträglich gestaltet werden kann, so wie es auch das Zuger Waldgesetz vorsieht.»

Damit dies funktioniert, weist der Kanton auf die wichtigsten Verhaltensregeln hin:

  • Hinweise beachten und Absperrungen einhalten
  • Nur das offizielle Wegnetz benutzen, insbesondere mit dem Bike
  • Keinen Lärm veranstalten, insbesondere nachts
  • Hunde unter Kontrolle halten
  • Respektvoll mit anderen Nutzergruppen umgehen
  • Offizielle Raststellen nicht als Partyplatz nutzen und als Dauergast belegen
  • Keinen Abfall liegen lassen

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4 Kommentare
  1. Stefan Ernst, 02.07.2020, 10:14 Uhr

    Das grössere Problem für den Wald ist die schlecht genutzte Landwirtschaftsfläche drum herum, da könnten Rückzonungen durchaus helfen.

  2. Apophis Pins, 01.07.2020, 18:23 Uhr

    Selber schuld. Die bürgerliche Regierung des Kantons Zug ist der Motor der Überfüllung des Kantons mit Einwohnern zwecks Profit in die Taschen einiger weniger. Der Immobilienbaron lässt grüssen und der Rohstoffhändler ebenfalls. Bei Gefahr wegen Corona streifen die Einkommensmillionäre halt in die Wälder und zerstören dort Flora und Fauna, was sie oft mit ihrer Tätigkeit sonst in fernen Ländern tun.

    1. Franz Schmidiger, 07.07.2020, 14:53 Uhr

      Das sind ja offenbar hunderttausende von Millionären. Ich glaube es sind eher die Habenichtse, die Minimalisten, die von der hand in den Mund leben und beim leichtesten Lüftchen nach staatlicher Hilfe rufen. Das sind auch jene die bisher die Flugzeuge füllten und anstatt etwas zu sparen, das Geld für unnötige Ferien in aller Welt verprasselten und so verantwortlich sind für unnötigen CO2 Ausstoss. (Löhne halbieren, dann brauchte es keine Flugtiketabgabe…hi)

  3. Daniela Bucher, 01.07.2020, 17:10 Uhr

    Nein, Wanderer und Jogger sind im Wald anzutreffen? Wer hätte das nur gedacht. So eine Sauerei! Da muss man natürlich sofort aktiv werden.

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