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Zu trocken, zu klein, zu provinziell
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Sowohl in den Sälen des alten und neuen Casinos ist die Akustik für klassische Musik nicht ideal. (Bild: wia)

Ein Konzertsaal fehlt, finden Zuger Orchester Zu trocken, zu klein, zu provinziell

5 min Lesezeit 25.10.2014, 05:00 Uhr

Zuger Klassik-Liebhaber pendeln meist nach Zürich oder Luzern, um Konzerte zu hören. In der Stadt selber gibt es zwar sehr wohl Orte, wo klassische Musik gespielt wird, doch genügen diese den Ansprüchen nicht. So jedenfalls empfinden es verschiedene Zuger Orchester.

«Irgendwie kommen wir klar, aber ideal ist es nicht.» So lautet das Fazit verschiedener Zuger Orchester, Kammerensembles und Chöre bezüglich geeigneter Aufführungsorte. Und das, obwohl die Stadt Zug mit dem Theater Casino Zug über einen grossen Theatersaal verfügt. Zu trocken sei dieser, heisst es von verschiedenen Seiten. Zu trocken, das ist nicht in Bezug auf die Luft gemeint, sondern auf die Akustik.

Der Präsident des Zuger Stadtorchesters Christoph Balmer erklärt: «Der Raum hat quasi keine Resonanz. Ein Bläser-Solist hört sich selber nicht, wenn er spielt. Der Raum schluckt alle Töne.» Der Theatersaal des Casinos ist nicht für klassische Musik gemacht. Vielmehr für Theateraufführungen, für das Sprechen. Trotzdem tritt das Stadtorchester manchmal im Casino auf. Resigniert fügt Balmer hinzu: «Wir haben uns damit arrangiert. Punkt.»

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Zu kurze oder zu lange Nachhallzeiten

Auch Johannes Meister, künstlerischer Leiter des Chors «Audite Nova», ist nicht glücklich über die momentane Situation. «Entweder die Säle sind akustisch nicht geeignet für klassische Musik oder die Säle sind nicht gross genug. «Die St.Oswalds-Kirche wäre wunderbar. Nur passt der Chor ‹Audite Nova› mit über 100 Mitgliedern nicht da rein.» Und bei der Kirche St. Michael sei das Problem das umgekehrte wie beim Casino, sagt Meister. «Hier ist die Nachhallzeit viel zu lang.» Balmer vom Stadtorchester nennt die Akustik der St. Michaels-Kirche gar «furchtbar».

«Zuhinterst in der St. Michaels-Kirche hat man akustisch nur noch einen Brei.»

Christoph Balmer, Präsident des Zuger Stadtorchesters

Und trotzdem trat das Zuger Stadtorchester, gemeinsam mit dem Kirchenchor St.Michael, erst kürzlich dort auf. «Das geht aber vom Ton her nur, wenn die Kirche voll ist. Aber auch dann ist es, wenn man zuhinterst sitzt, schwierig, die verschiedenen Instrumente herauszuhören. Dort hat man nur einen Brei.» Diesbezüglich biete der Casinosaal hingegen wieder Vorteile. Im Casino könne «die Musik differenziert gehört werden. Der Saal ist sehr empfindlich, man hört jeden Fehler. Das heisst für uns aber, dass wir präziser spielen müssen», erklärt Balmer weiter.

Die Meinung, dass es der Stadt Zug an einem guten Konzertsaal mangelt, teilt auch die Zuger Sinfonietta. Geschäftsführer Simon Müller: «Die meisten Säle im Kanton Zug sind multifunktional konzipiert. Anlässe von Comedy über Theater bis Volksversammlungen sollen in diesen Räumen Platz finden. Klassische Kammermusik und Orchestermusik haben jedoch spezielle Anforderungen an die Akustik in diesen Sälen, was oft nicht gewährleistet ist.»

Nicht alle sind unzufrieden

Nicht alle haben jedoch Mühe, in der Stadt Zug geeignete Konzertsäle zu finden. Damian Nussbaumer, Präsident der Zuger Stadtmusik, findet jedenfalls, dass «das Theater Casino und die Kirchen unseren Anforderungen genügen.» Ausserdem habe man ja die Chollerhalle. «Ich wüsste nicht, was es noch braucht.» Für die Zuger Stadtmusik sei viel eher ein Thema, ein geeignetes Probelokal zu finden.

Die Bevölkerung zu überzeugen dürfte schwierig werden

Die Vertreter von Audite Nova, der Zuger Sinfonietta und des Stadtorchesters sind sich jedoch einig: Ein richtig guter Konzertsaal fehlt. Doch was könnte die Lösung sein? Johannes Meister dazu: «Der grosse Traum wäre ein attraktiver Konzertsaal in Zug selber. Es ist etwas seltsam, dass wir aus Zug Konzerte veranstalten in der Agglomeration, in Cham oder Unterägeri.»  Das Publikum sei jedenfalls vorhanden. Hätte man ein eigenes Konzerthaus, müssten Klassikbegeisterte nicht immer ins KKL oder in die Tonhalle fahren. «Aber ob die Stadt Zug ein solches ‹Risiko› eingehen will, ist eine andere Frage.»

Dass die Idee für einen neuen Konzertsaal bei Volk und Politik auf offene Ohren stösst, ist eher unwahrscheinlich. Das ist sich auch Simon Müller bewusst. «Viele Leute haben nun die geplante Renovation des Casinos im Kopf und denken, dass mit diesen grossen Ausgaben genug in die Kultur investiert wurde. Die Zuger Bevölkerung lässt sich wahrscheinlich nur von einem neuen Konzertsaal überzeugen, wenn dieser mehrheitlich aus privaten Geldern finanziert wird.» 2012 hat die Sinfonietta eine Petition eingereicht mit dem Ziel, dass bei der bevorstehenden Renovation auch die Akustik des Theatersaals berücksichtigt wird. Da der Vorstoss jedoch zu spät eingereicht worden war, konnten die Forderungen bei der Planung des Umbaus nicht mitberücksichtigt werden.

Musik im Kunsthaus?

Auch andere Ideen schwirren in den Köpfen der Musikfreunde herum. «Wir müssen vielleicht etwas kreativ werden. Wenn beispielsweise das Kunsthaus neue Räumlichkeiten braucht, könnte man sich zusammentun und einen Konzertraum einplanen», sagt Johannes Meister.

«Zug bräuchte seit Langem dringend einen guten Kammermusiksaal für 200 bis 300 Personen.»

Madeleine Nussbaumer, künstlerische Leiterin des Festivals «Sommerklänge»

Für diese Idee hat sich Madeleine Nussbaumer bereits stark gemacht. Sie ist die Pianistin des «Ensemble Chamäleon» und künstlerische Leiterin des Festivals Sommerklänge. Sie würde sich ebenfalls wünschen, dass  bei einem Neubau des Kunsthauses ein Saal mit guter Akustik für Kammermusik integriert werden könnte. «Zug bräuchte seit langem dringend einen guten Kammermusiksaal für 200 bis 300 Personen.»

Diese Idee ist für den Zuger Baudirektor Heinz Tännler durchaus ein Thema. «Wir haben diesen Wunsch bei uns aufgenommen. Zuerst muss jedoch erst mal der Bebauungsplan des Kunsthauses über die Bühne gebracht werden, dann erst können wir weiter planen.»

Der Zuger Kirchenratspräsident Patrice Riedo liebäugelt mit einer weiteren Möglichkeit. Die St. Michaels-Kirche könnte zu einem Konzertsaal umfunktioniert werden. Noch sei die Idee nicht ausgereift, sagt Riedo dazu. «Wir müssen erst die Immobilien- und Finanzstrategie der Kirchgemeinde ausarbeiten. Doch in diesem Rahmen sollten wir uns überlegen, wie wir Liegenschaften wie das St. Michael neben ihren ursprünglichen Funktionen sonst nutzen könnten. Und weil Musik für uns eine wichtige Rolle spielt, liegt die Idee eines Konzertsaales nah.»

Noch stehen grosse Maschinen im Weg

Eine unkonventionelle Möglichkeit, wo künftig klassische Konzerte stattfinden könnten, ist die ehemalige Papierfabrik in Cham. Claude Ebnöther ist Projektleiter bei der Neugestaltung der «Papieri». Er ist offen für die Idee, dass in Zukunft klassische Musik durch die alten Fabrikhallen klingt. «Vom Ambiente her könnte ich mir das gut vorstellen. Derzeit stehen noch riesige Papiermaschinen in den Hallen, ausserdem müssten wir darauf achten, dass wir die feuerpolizeilichen Normen einhalten. Trotzdem würde ich die Idee gern im Auge behalten», sagt Ebnöther.

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