Den einen zu teuer, den anderen zu billig: Baar streitet über Parkgebühren
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Was soll das Parkieren im Baarer Zentrum zukünftig kosten? (Bild: mam)

Neues Konzept erntet viel Kritik Den einen zu teuer, den anderen zu billig: Baar streitet über Parkgebühren

5 min Lesezeit 1 Kommentar 13.10.2020, 05:07 Uhr

Der Baarer Gemeinderat will den Flickenteppich bei den Parktarifen beseitigen. Doch sein Vorschlag stösst nicht nur bei der SVP auf Widerstand. An einer Baarer Besonderheit wollen hingegen fast alle festhalten.

Wann, wo und wie viel sollen Autofahrer in Baar künftig fürs Parkieren zahlen? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander, wie die Vernehmlassung zum neuen Parkplatzkonzept zeigt. Dieses soll das bisherige Durcheinander an Tarifen und Regeln vereinheitlichen. Denn heute werden die rund 1260 öffentlichen Parkplätze auf dem Baarer Gemeindegebiet mit 20 unterschiedlichen Systemen betrieben (zentralplus berichtete).

Das neue Konzept soll nicht nur Klarheit schaffen, sondern auch dem Gewerbe im Zentrum dienen und für Vereine eine gute Lösung schaffen. Es umfasst folgende Hauptpunkte:

  • Bewirtschaftunng: Alle Parkplätze sind neu von Montag bis Samstag kostenpflichtig, die Kurzzeitparkplätze und jene bei Freizeitanlagen auch am Sonntag. 
  • Zeiten: Zahlen muss man zwischen 6 und 12 sowie von 13.30 bis 19 Uhr. Die Kurzzeitparkplätze werden 24 Stunden bewirtschaftet. 
  • Kosten: Die erste halbe Stunde kostet jeweils 50 Rappen. In der Kernzone wird danach 1 Franken pro halbe Stunde fällig – und damit doppelt so viel wie heute –, in der Aussenzone des Zentrums und bei den Freizeitanlagen bleibt der Tarif bei 50 Rappen. Auf den Parkplätzen bei Freizeitanlagen können zusätzlich Tagesparkkarten für 5 Franken gekauft werden. 
  • Dauer: In der Kernzone kann höchstens 2 Stunden parkiert werden (Ausnahme Kurzzeit-Parkplätze: 30 Minuten). In der Aussenzone können Autofahrer maximal 6 Stunden bleiben, in der Zone Freizeitanlagen 24 Stunden.

24 Vereine, Parteien, Interessengruppen und Unternehmen haben an der Vernehmlassung teilgenommen, die Ende September auslief. Auf grundsätzlich breite Zustimmung stösst laut Gemeinderat die Unterteilung der Parkplätze in vier Kategorien. Damit sollen die Gratis-Parkplätze Allenwinden, Sennweid und Jöchler zukünftig ebenfalls bewirtschaftet werden. Weitgehende Einigkeit besteht zudem darin, dass die Parkplätze in der Kernzone von Montag bis Samstag kostenpflichtig sind und dort maximal zwei Stunden parkiert werden darf.

SVP steht nicht alleine mit Kritik

Bei den Tarifen gehen die Meinungen hingegen weit auseinander. «Höhere Parkgebühren sind Gift für den Detailhandel, die Gastronomie und das Gewerbe, insbesondere in Zeiten, in denen viele Betriebe mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben», kritisiert die SVP. Sie hat bereits im Vorfeld eine Petition angekündigt, um die höheren Preise im Zentrum zu bekämpfen (zentralplus berichtete).

«Für eine Gebührenerhöhung sehen wir keinen Grund.»

Gewerbeverein Baar

Mit ihrer Kritik steht sie nicht alleine da. Auch der Baarer Gewerbeverein lehnt zusätzliche Einschränkungen – in Form von Gebühren und Parkzeiten – grundsätzlich ab. Der Detailhandel sei auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen, gerade auch mit dem Auto. «Für eine Gebührenerhöhung sehen wir keinen Grund», hält er in der Vernehmlassung fest.

Die FDP äussert sich ebenfalls kritisch gegenüber teureren Parkplätzen. Sie regt zudem an, dass die erste halbe Stunde gratis sein soll, um dem lokalen Gewerbe einen Standortvorteil zu verschaffen.

ALG fordert andere Preise

Anders tönt es auf linker Seite. Die Alternative – die Grünen kritisieren die vorgesehene Ausgestaltung der Tarife. Durch die tiefe Anfangsgebühr fehle der Anreiz, auf das Auto zu verzichten. Die ALG schlägt vor, dass sich die Preise an jenen des öffentlichen Verkehrs orientieren. Sprich: Wer parkiert, soll nicht weniger zahlen, als wer mit dem Bus ins Zentrum kommt.

Auch beim gebührenfreien Sonntag vertritt die ALG eine klare Meinung: «Es ist verwirrend, wenn die Parkplätze an einem Tag in der Woche nicht bewirtschaftet werden.» 

Die SP wünscht sich ebenfalls andere Tarife: Ihrer Meinung nach müssten die Preise noch progressiver sein – also stärker steigen, wenn man sein Auto länger stehen lässt. «Die Verteuerung ist nicht ausreichend, sodass es zu einem langfristigen und nachhaltigen Umdenken kommt.» Auch die CVP zweifelt am Lenkungseffekt und verlangt, dass er nach einem Jahr überprüft wird.

Sonderfall Zmittagessen

Die SP befürchtet weiter, dass Privatpersonen künftig vermehrt «wild parkieren». Dies, weil die öffentlichen Parkplätze bereits ab 6 Uhr kosten und die Leute damit ihr Auto nicht mehr einfach nachts gratis abstellen können. Die Partei fordert präventive Massnahmen, damit Quartierstrassen nicht als öffentliche Parkplätze missbraucht werden. Und: «Für den Fussballverein und die Badegäste im Lättich muss eine Lösung gefunden werden, um dem Parkplatz-Engpass an Wochenenden vorzubeugen.» 

«Wer über Mittag im Restaurant essen geht, kann sich auch eine Parkgebühr von 2.50 Franken leisten.»

ALG

In einer anderen Sache sind sich die linken Parteien hingegen nicht einig: was die Parkgebühren über den Mittag betrifft. Der Gemeinderat möchte die Baarer Besonderheit behalten, in diesen anderthalb Stunden weiterhin Gratisparkplätze anzubieten. Die meisten Parteien – inklusive der SP – begrüssen das. Die SVP sieht darin gar ein Mittel gegen das «Beizensterben».

Bei der ALG stösst das Ansinnen hingegen auf Unverständnis. «Wer über Mittag im Restaurant essen geht, kann sich auch eine Parkgebühr von 2.50 Franken leisten», kritisiert die Partei.

Verkehrskonzept gefordert

Mehrfach gefordert wird ein Gesamtverkehrskonzept. Insbesondere die CVP vertritt die Meinung, für viele Entscheide sei es zu früh, weil diese Grundlage fehle. Der Gemeinderat hält fest, dass ein kommunales Gesamtverkehrskonzept derzeit im Rahmen der Ortsplanungsrevision erarbeitet werde und im Juni 2021 vorliegen soll.

Dass die Reaktionen zum Parkplatzkonzept so unterschiedlich ausfallen, überrascht Gemeinderat Zari Dzaferi nicht. «Es ist verständlich, dass die verschiedenen Nutzergruppen und Parteien unterschiedliche Haltungen zu den einzelnen Ansätzen im Konzept haben», wird er in einer Mitteilung zitiert.

Nun gehe es darum, den grössten gemeinsamen Nenner zu finden. Die Antworten werden laut Dzaferi nun detailliert analysiert und in das Konzept für die Parkplatzbewirtschaftung einfliessen. Anschliessend wird es in der Verkehrs- und Tiefbaukommission diskutiert, bevor der Gemeinderat definitiv darüber entscheidet.

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1 Kommentare
  1. Rudolf, 14.10.2020, 07:26 Uhr

    Der Preis für die private Belegung öffentlichen Raums muss kostendeckend sein.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.