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Zu Fuss über den Gotthard – Abenteurer gesucht
  • Gesellschaft
Ein Filmteam begleitete die Kandidaten, welche das beladene Maultier Balthasar umherführen. (Bild: Oscar Alessio)

SRF-Casting im Luzerner Verkehrshaus Zu Fuss über den Gotthard – Abenteurer gesucht

4 min Lesezeit 28.02.2016, 05:11 Uhr

Der Gotthard gibt dieses Jahr zu reden. Doch wie war das früher, als der Berg nicht durchlöchert war und es nur den Weg darüber gab? Diese Frage will das Schweizer Fernsehen beantworten und hat im Verkehrshaus zu einem Casting für eine dreiwöchige Sommerdoku geladen. Die Kandidaten mussten sich höchst ungewöhnlichen Aufgaben stellen.

Wie in guten alten Zeiten eben. Es türmt sich mächtig in die Höhe und stellt sich uns mitten in den Weg, wenn wir unsere südliche Schweiz besuchen wollen. Das Gotthardmassiv, einer der wohl bekanntesten Pässe der Schweizer Alpen ist dieses Jahr in aller Munde.

Aber wie gut kennen wir sie wirklich, die wohl wichtigste Nord-Süd-Verbindung? Wie bezwang man den Gotthard früher? Und wie fühlt es sich an, auf der anderen Seite zu sein, wenn man es sich mit körperlicher Anstrengung verdient hat?

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Mit dem Material von damals über den Gotthard, das ist die Aufgabe.

Mit dem Material von damals über den Gotthard, das ist die Aufgabe.

(Bild: Oscar Alessio )

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF hat sich genau diese Frage gestellt und möchte sie diesen Sommer von seinen Kandidaten beantwortet haben. Über 200 Personen haben sich für das Sommerprojekt «Schweiz aktuell am Gotthard» beworben und 45 Kandidatinnen und Kandidaten wurden nun für das Casting dieses Wochenende im Luzerner Verkehrshaus aufgeboten. Die Bedingungen sind hart, die sportlichen Anforderungen gross, und wer weiss denn schon, wie man ein Maultier richtig belädt?

Sportliche Abenteurer gesucht

Es ist Samstagmorgen, der Nebel sitzt tief, eine kalte winterliche Bise dämpft das Gemüt. Man verschwindet gerne in das Verkehrshaus. Gesucht werden heute Menschen, die im Sommer 2016 wandern, wie früher die Säumer, mit Maultieren über den Pass. Sie werden mit der legendären Postkutsche reisen, die Dampflokomotive einheizen, mit dem Fahrrad die Tremola Passstrasse erklimmen und am verdienten Ende mit dem Schnellzug durch den neuen Gotthard-Basistunnel heimrasen.

Zur ersten Überraschung findet das Casting trotz Kälte draussen statt. Noch geht das, weil die meisten Kandidaten ziemlich gut ausgerüstet sind: ein, zwei Mammut-Jacken, Odlo-Unterwäsche, Schuhe von den besten. Bei diesen Temperaturen wagt man gar nicht daran zu denken, wie damit früher umgegangen wurde. Nachdem die Teilnehmenden ihre Startnummern gezogen haben, geht es über die nichtrollende Rolltreppe hoch in den Sitzungsraum. Moderatorin Katharina Locher und Projektleiter Michael Weinmann sind bereits da und erklären den Teilnehmenden, was auf sie zukommt. Es werden Gruppen gebildet, und auf jede Gruppe wartet ein dreiteiliger Parcours.

Einmal Maultier beladen und Kohlen schaufeln

Maultier Balthasar trötzelt ein wenig vor sich hin. Ziemlich sicher möchte es etwas tun, aber zuerst muss die passende Ladung erkoren werden. Beim ersten Posten soll das Team aus fünf Personen nämlich aus einer Vielzahl von Gegenständen jene aussuchen, welche sie für die Wanderung über den Gotthard benötigen. 80 Kilo darf man Balthasar zumuten.

Die Kandidaten mussten mit Balthasar kleine Hürden meistern.

Die Kandidaten mussten mit Balthasar kleine Hürden meistern.

Das Team ist nervös, Organisation ist gefragt, jeder sagt was. Hafer oder doch lieber die Maria-Statue … «gibt es die denn nicht kleiner?», meint Kandidat Otto Siegenthaler ironisch, aber doch genervt, dass die Beschützerin der Reisen 2,5 Kilogramm wiegt und sie in jener Zeit nun mal wichtig war. Unter Zeitdruck werden die Säcke gepackt, Balthasar wird beladen und beginnt zu gehen, als ob er vom Zeitproblem wüsste. Er ist stark, der Bursche, der schon im Militär tätig war, und es ist bewundernswert, was er im Sommer den Berg hinaufschleppen wird.

«Warum wollen Sie das tun?», fragen wir Otto Siegenthaler. Der 65-Jährige lächelt, als ob es keinen Grund gäbe, es nicht tun zu wollen. «Ich bin in den Bergen aufgewachsen, bin sehr oft alpin unterwegs und habe alle 88 Schweizer Pässe bereits mit dem Velo bezwungen», meint er ein wenig stolz. Der Gotthard sei überhaupt kein Problem für ihn. «Aber machen möchte ich es ganz einfach, weil es faszinierend ist und ich mir als Pensionierter die Zeit leisten kann.»

Bis zu 80 Kilogramm kann das Maultier tragen.

Bis zu 80 Kilogramm kann das Maultier tragen.

Keuchend beim Chefarzt

Nachdem alle Kandidaten und Kandidatinnen fleissig Kohle geschaufelt haben – so wie man das früher in den Dampflokomotiven tat – geht es weiter zu Sportarzt Walter O. Frey. Er kennt sich aus in Sachen Leistungssport und hat für diese herausfordernde Aufgabe, die auf die Teilnehmenden zukommen wird, einen speziellen Leistungstest zusammengestellt. Dieser ist nicht ohne, und es wird keine Rücksicht auf Alter oder Geschlecht genommen.

Auch die körperliche Leistungsfähigkeit wurde getestet.

Auch die körperliche Leistungsfähigkeit wurde getestet.

Ein adaptierter 12-Minuten-Lauf mit Hindernissen und zahlreichem Treppensteigen bringt die Teilnehmenden an ihre Grenzen. Gut abschneiden tut die 19-jährige Skifahrerin Katharine Müller. Ihr brauner Skibrillenabdruck wird von roten Sportbacken überdeckt, und sie keucht ein glückliches Erschöpfungslachen, als sie es hinter sich gebracht hat. «Ich liebe die Berge, ich möchte das unbedingt tun, und ausserdem interessiere ich mich dafür, wie es früher war.»

Noch ist niemand ausgewählt, und noch sind wir auf dem Gelände des Verkehrshauses. Diesen Sommer wird ein Team sich auf den Weg über den Gotthard machen und während drei Wochen zusammen ausharren. Die Entdeckungsreise findet vom 18. Juli bis zum 5. August statt. Wir sind gespannt, wer das Zeug dafür hat.

Fitnesstraining: Kohleschaufeln.

Fitnesstraining: Kohleschaufeln.

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Sehen Sie in unserer Bildergalerie weitere Bilder des Castings:

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