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«Zu diesen Zahnärzten würde ich nicht gehen»
  • Gesellschaft
Der Besuch beim Zahnarzt kann manchmal sehr schmerzhaft sein. (Bild: zvg)

Probleme bei Behandlungen «Zu diesen Zahnärzten würde ich nicht gehen»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 18.09.2014, 12:32 Uhr

Die Zahl der Reklamationen sei beunruhigend hoch, sagt Barbara Callisaya von der Zentralschweizer Patientenstelle. Der Grund: Es gibt «schwarze Schafe» unter den Zahnärzten und es werden immer mehr Praxen eröffnet, die nicht dem Berufsverband «SSO» angeschlossen sind. Diese müssen sich nicht an die selben Qualitätskriterien halten, wie ihre SSO-Kolleginnen und Kollegen.

«Mir sind mehrere Zahnarztpraxen- und kliniken in der Region bekannt, welche nicht empfehlenswert sind», sagt Barbara Callisaya, Leiterin der Zentralschweizer Patientenstelle. Sie vermittelt bei Problemen zwischen Patienten und medizinischen Institutionen und kennt zahlreiche Fälle von unzufriedenen Zahnarztkunden. Gestritten wird meistens über zu hohe Rechnungsbeträge, bis hin zu unnötigen Behandlungen und Eingriffen sowie über unzufriedene Behandlungsresultate. 

Seit sieben Jahren leitet Callisaya diese Stelle. In letzter Zeit häuften sich auf ihrem Pult Beschwerden über Gemeinschaftspraxen und ausländische Zahnärzte. In den Reklamationen tauchen oftmals dieselben Namen auf. Preisgeben darf sie die Informationen über «Schwarze Schafe» aber nicht. Es wäre «Rufschädigung», sagt sie. Denn die Zahnärzte handeln meistens nicht gegen geltende Gesetze, sie verstossen vielmehr gegen eine hier gängige Praxis-Norm.

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Die meisten arbeiten korrekt

Man dürfe unterschiedliche Praxisformen oder ausländische Zahnärzte nicht im Vornherein verurteilen, sagt Callisaya. «Im Grossen und Ganzen wird korrekt gearbeitet.» Dem stimmt auch der Luzerner Kantonszahnarzt Peter Suter zu. Seine Dienststelle kontrolliert die Praxen regelmässig und spricht die Bewilligungen aus. Suter meint: «Bei uns ist die Behandlungsphilosophie etwas anders als im Ausland. Wir machen eher kleine Korrekturen. Im Ausland entscheiden sich Zahnärzte schneller für eine Krone oder für eine Brücke.»

Eine Entwicklung wird allerdings von beiden kritisch verfolgt. Es gibt offenbar deutlich mehr Probleme mit Zahnärzten, die nicht dem Berufsverband «SSO» angeschlossen sind. Die SSO ist die Schweizer Zahnärzte-Gesellschaft und die offizielle Berufsvereinigung. «Von den Verbandszahnärzten habe ich nur zwei bis drei Fälle pro Jahr auf dem Pult. Von den Nicht-SSO-Zahnärzten aber rund 15», stellt Callisaya fest.

Zudem finde sich bei Konflikten mit SSO-Zahnärzten in der Regel eine Lösung durch Einschalten des Verbands-Gutachters. «Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, in allen unseren Fällen immer zum Wohle des Patienten», sagt Callisaya.

«Fliegende Zahnärzte im Fokus»

Bei den Zahnärzten, welche nicht dem SSO angehören, ist das nicht möglich. Betroffene können nur versuchen, an die Ehre oder den Berufscodex des Behandlers zu appellieren – erfahrungsgemäss mit sehr unbefriedigendem Erfolg. «Selten wird Bereitschaft gezeigt für eine Honorarminderung oder Rückerstattung», sagt Callisaya. So bleibt den Patienten meistens nur der Weg in eine andere Zahnarztpraxis. 

Besonders schwierig wird es für Patienten, wenn die Behandlung bei einem sogenannten «fliegenden «Zahnarzt» stattfindet und es zu Komplikationen kommt. Es handelt sich hierbei um ausländische Zahnärzte, die meist in Gemeinschaftspraxen für 90 Tage arbeiten und dann weiterziehen. So lange dauert ihre Arbeitsbewilligung. 

«Die Patienten stehen dann im Schilf.»

Barbara Callisaya, Zentralschweizer Patientenstelle

«Ich erlebe mehrmals pro Jahr, dass bei einer misslungenen Behandlung der entsprechende Zahnarzt bereits wieder ins Ausland abgereist und gar nicht mehr auffindbar ist.» Das erschwere die Abklärungen erheblich, beziehungsweise verunmögliche eine Kommunikation oder weitere Abklärungen, geschweige denn das Einschalten einer Haftpflichtversicherung. «Die Patienten stehen dann im Schilf», sagt Callisaya. Die Gemeinschaftspraxen selber übernehmen keine Haftung für den nicht mehr bei ihnen tätigen Zahnarzt. 

Achtung vor billigen Angeboten

Für die Rechte von Patienten

Die Patientenstelle Zentralschweiz in Luzern berät Personen, die als Patienten oder Versicherte Probleme haben.

Sie setzt sich bei Konflikten mit Ärzten, Zahnärzten, Spitälern, Krankenkassen sowie Versicherungen und weiteren medizinischen Leistungserbringern für die ihre Rechte der Patienten ein. 

Vorsicht ist laut den Erfahrungen von Callisaya vor allem dann angebracht, wenn ein Zahnarzt besonders offensichtlich mit niedrigen Tarifen wirbt. Diese seien meistens umsatzmotiviert und ihre Angebote nicht seriös. Ob die Behandlung schlussendlich wirklich günstiger kommt, sei nicht garantiert.

«Zum Beispiel war unsere Klientin Frau S. mit der Behandlung ihrer Zahnärztin aus der Zahnarztklinik nicht einverstanden, die Zahnärztin akzeptierte die Reklamation nicht, verlangte den gesamten Betrag und verwies Frau S. aus der Praxis.» Ihr wurde die «günstige» Behandlung also zum Verhängnis, denn die weitere Behandlung beim SSO-Zahnarzt kostete sie nochmals eine Stange Geld. 

SSO-Zahnärzte bieten Sicherheit

Die Leiterin der Zentralschweizer Patientenstelle empfiehlt, sich nicht von preisgünstigen Plakaten mit tiefen Taxpunktwerten blenden zu lassen. «Die Wahl eines Zahnarztes, welcher Mitglied im schweizerischen Zahnarztverband SSO ist, bringt viele Vorteile und Sicherheit.»

Erstens verpflichten sich SSO-Zahnärzte, in Streitfällen kostenlose Abklärungen durch einen Gutachter machen zu lassen. Zweitens müsse ein SSO-Zahnarzt ein gewisses Pensum an obligatorischer Aus- und Weiterbildung absolvieren. Das sei in gewisser Hinsicht ein Qualitätsmerkmal, sagt die Leiterin der Patientenstelle. Eine Orientierung, wo welcher SSO-Zahnarzt in der Nähe zu finden ist, ist auf der Verbands-Webseite eingerichtet.

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1 Kommentare
  1. Paul Huber, 22.09.2014, 22:20 Uhr

    Ob man’s glaubt oder nicht, aber nicht nur in der Schweiz gibt es Zahnärzte. Z. B. in Deutschland gibt es auch ein paar und die müssen nicht unbedingt schlechter sein – nur in der Regel günstiger. Ach ja, auch in Deutschland müssen sich die Zahnärzte übrigens weiterbilden.
    Wiedereinmal versucht man hier die Hochpreisinsel Schweiz zu schützen.