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Zombies oder Porno-Balken: Wer gewinnt die Stadtratswahlen?
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Die Wahlflyer sind eingetroffen: Wer macht bei den städtischen Wahlen 2020 das Rennen? (Bild: jwy)

The Very Best of Wahlbroschüren Zombies oder Porno-Balken: Wer gewinnt die Stadtratswahlen?

5 min Lesezeit 3 Kommentare 24.03.2020, 11:55 Uhr

Die Kommunalwahlen vom 29. März finden trotz allem statt. Auch in der Stadt Luzern. Und endlich hatte man mal richtig Zeit, sich durch die Lawine von Wahlbroschüren und Flyern zu kämpfen. Vielleicht sogar zu viel Zeit …

Am kommenden Sonntag wird im Kanton Luzern gewählt. Mit etwas Glück stehen die Resultate bis Weihnachten fest (zentralplus berichtete).

Im Vorfeld wurden die Briefkästen wie Stopfgänse mit Flyern, Broschüren, Prospekten und Wahlzeitungen abgefüllt. Wir haben uns durch die Wahlwerbung der Stadtluzerner Parteien gekämpft und können in mehreren Kategorien auch ohne Urnengang die ersten Gewinner präsentieren.

Der «UNGEWOLLT-PERFEKTE-KAMPAGNEN-AWARD»
Gewinner: «Lebendig, Laut, Links» (Juso)

Die Kampagne der Juso hätte eine absolute Katastrophe sein können. Katastrophe, weil die verwendeten Illustrationen etwas mit den Kandidatinnen und Kandidaten anstellen, das es so letztmals in «The Walking Dead» zu sehen gab:

Doch hier sind wir nun. Leergefegte Strassen und in den Supermärkten keifende Zombies, welche die Innereien einer WC-Papier-Palette auseinanderreissen. Plötzlich gibts keine zeitgemässere Kampagne. Jetzt will die Juso-Horde dem schlecht-gepreppten Kapitalismus an die Gurgel. Wortwörtlich! *verstörendes Zombie-Knurren*

Der «SUBOPTIMALER-SLOGAN-AWARD»
Gewinner: Silvio Bonzanigo (SVP)

Silvio Bonzanigo will für die SVP in den Luzerner Stadtrat einziehen. Sein Slogan lautet «Taff statt Schlaff!».

Wie sollen wir es bloss formulieren … Dieser Slogan in Kombination mit dem selbstsicher lächelnden Gesicht eines 67-jährigen Mannes … Nun ja, zumindest ein gewisses Potenzial (#nopunintended) für Falschdeutungen besteht.

Der «DEN-KENNE-ICH-DOCH-AWARD»
Gewinner: Otto Normalbürger (SVP)

Apropos SVP: Die Partei wird in diesem Wahlkampfjahr von einem fiktionalen Kandidaten unterstützt. Sein Name: Otto Normalbürger. Ein ganz normaler Bürger namens Otto.

Doch ist Otto Normalbürger wirklich der, der er vorgibt zu sein? Recherchen von zentralplus legen nahe, dass Herr Normalbürger früher in den USA unter anderem Namen zweifelhaften Ruhm genossen hat.
Aber entscheiden sie selbst:

Der «LEUTE-DAS-GEHT-SO-NICHT-MEHR-AWARD»
Gewinner: GLP Gruppenfoto

Es ist ein Bild, bei dem sich Corona-Krisenmanager Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), verwundert die Augen riebe (tut er aber natürlich nicht). Social Distancing? Schon gehört? Diese Gruppe Unbelehrbarer muss sofort polizeilich aufgelöst werden (#stayhome)!

Der «BESTER-PORNO-BALKEN-IM-GAME-AWARD»
Gewinner: Victor Kadlubowski (Junge CVP)

Ah, der Schnauz! Oberlippenbart, Schnurrbart, Respekt-Balken, Suppensieb, Rotzbremse oder Porno-Balken: Die männliche Haarpracht trägt viele Namen. Doch nur wenige verfügen über den nötigen Chuzpe, sie zu tragen. Hier die Top 3:

Klar, Peter Wild (FDP) ist der «Elder Statesman» dieses Trios. Der weisse Schnurrbart ergänzt die graumelierten Schläfen mit mustergültiger Bodenständigkeit. Solide, aber wenig aufregend.

Micha Amstad (SP) ist der Ungestüme. Fast schon ein wenig plakativ nimmt sich der Schnauz unter der Nase seinen Platz. Die Botschaft ist deutlich: «Hier ist mein Schnauz. Deal with it.» Respekt für die Unverfrorenheit, aber Abzüge für ungenügende Trimmung der Konturen.

Victor Kadlubowski (JCVP) hat die Essenz des Porno-Balkens begriffen. Ein solcher entfaltet seine mystische Wirkung nur dann, wenn er mit einem (in den Mundwinkeln erkennbaren) Hauch von Arroganz getragen wird. Umsetzung: 10 von 10 Punkten.

Der «VERSCHWINDE-AUS-MEINEM-KOPF-AWARD»
Gewinner: Martin Merki (FDP)

Hilfe! Stapi-Kandidat Martin Merki verfolgt mich! Er ist überall! Sein dynamisch lächelndes Konterfei ist auf gefühlt 20’000 Flyern und Plakaten zu sehen. Wie hat er es auf die Listen all dieser Komitees und Gruppierungen geschafft? Es kursieren bereits Gerüchte, denen zufolge Merkis Name selbst auf privaten Einkaufslisten aufgetaucht sein soll.

Noch ein paar ergänzende Fragen: Ist das sein Lieblingshemd? Wie sah der echte Hintergrund all dieser Bilder aus? Erkennt sich Martin Merki selbst noch im Spiegel? Und wo ist eigentlich seine untere Zahnreihe?

Der «DREI-WETTER-TAFT-GEDENK-AWARD»
Gewinner: «Frischer Wind!» (Junge Grüne)

Das Motto der Jungen Grünen lautet «Frischer Wind!». Bildsprachlich wird dies mit Kandidatinnen und Kandidaten im Windkanal umgesetzt:

Wer lange Haare hat: Nice, sieht top aus. Wer kurze Haare hat: Hier haste ’nen Schal. Auch nice. Keine Haare mehr: Meld dich bei der Mutterpartei.

Übrigens: Dass die grünen Jungpolitiker*innen ihre Haare so unverschämt im Wind flattern lassen dürfen, haben sie teilweise ihren älteren Parteigenossen zu verdanken. Bevor sich im Jahr 2000 ein Verbot durchgesetzt hat, wurden solche Spässchen jeweils mit drei Sprühdosen ungestrecktem FCKW im Keim erstickt:

Der «MEHR-FDP-GEHT-NICHT-AWARD»
Gewinner: Damian Hunkeler und Andreas Moser

Im Wahlkampf zeigt sich jeweils, was die FDP zu bieten hat (Geld).
«Peak-FDP-Vibes» versprühen die Eitelkeits-Einzelflyer der beiden gestandenen freisinnigen Andreas Moser und Damian Hunkeler. Betrachten wir die beiden Flyer näher:

Andreas Moser besticht durch die Verwendung eines ausgefallenen B5-Hochformats. Mattdruck. Ideal, um das natürliche Licht der Fotografie wirken zu lassen. Auf der Rückseite ein zartes gebrochenes Weiss. Die Schrift: elegantes Anthrazit. Und was ist das für ein Schriftsatz? «Multiple Slab Alt I Bold»? Herrlich!

Damian Hunkeler kontert mit einem kecken A5-Querformat. Glanzdruck, schwarz. Gewagt! Die Schrift: schlank, schön, möglicherweise «Coco Gothic Alternate Light». Und dann dieses Blau. Wie das poppt. Wir wollen gar nicht erst spekulieren, ob es sich hier um ein Meeres- Königs- oder Elektrischblau handelt. Es muss «Luzernblau» genannt werden!

Beides absolute Gewinnertypen, die locker an diesem Tisch Platz nehmen könnten:

Herzliche Gratulation an alle Gewinnerinnen und Gewinner. Zurück ins Studio.

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3 Kommentare
  1. Silvio Bonzanigo, 25.03.2020, 10:59 Uhr

    Offenbar völlig unter dem Radar des Bericherstatters sind durchgeflutscht: SP (Züsli/Dörflingern), CVP (Bitzi) und GLP (Jost)!

    So gesehen, ehrt mich die Erwähnung der SVP und meiner Kandidatur natürlich sehr!

  2. faktencheck, 24.03.2020, 13:58 Uhr

    Witziger Ansatz, aber folgt auch etwas Substanzielles?

    Man könnte bspw. die Smartspider der Stadtratskandidaten und die Broschüren der Parteien vergleichen und schauen, wo sie sich unterscheiden (sofern sie dies tun…)? Was steht drauf und was ist drin? Wo sind Selbstdarsteller und wo Chrampfer? und und und…

    Hier wäre doch eine objektive Unterstützung für die Wählerinnen und Wähler möglich, oder nicht?

    1. Redaktion Lena Berger, 24.03.2020, 14:15 Uhr

      Bei dieser Glosse handelt es sich um einen Beitrag im Rahmen unserer Berichterstattung über die Wahlen. Wer sich für weitere (auch ernst gemeinte) Artikel darüber interessiert, findet diese hier.

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