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Zoff ums Mikrofon beim Eidgenössischen
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Beat Tschümperlin hinter dem Mikrophon des diesjährigen Bergkranzfestes auf dem Stoos: Der Schwyzer ist auch der Speaker am Eidgenössischen in Zug. (Bild: Erhard Gick)

Einheimische stechen Speaker-Legende aus Zoff ums Mikrofon beim Eidgenössischen

5 min Lesezeit 1 Kommentar 05.07.2019, 09:56 Uhr

Es hätte sein zehntes Eidgenössisches in Serie werden sollen. Doch die Zuger machten Dagobert Cahannes einen Strich durch die Rechnung und entschieden sich für ein Zentralschweizer Trio als Speaker. Das lässt die 68-jährige Legende nicht auf sich sitzen: Cahannes wirft dem Zuger OK Arroganz vor.

Ein Speaker prägt ein Eidgenössisches mit Zehntausenden von Zuschauern in der zwischenzeitlich grössten Sportarena der Schweiz. Mit seiner Stimme, seinem Charme, seiner Zuverlässigkeit, seiner Lockerheit. Er geht als Teil des alle drei Jahre stattfindenden Sportanlasses in die Geschichte ein. Eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Hoselupf

Seit 1992 und dem Eidgenössischen (Esaf) in Olten war es der Job von Dagobert Cahannes. Seine legendäre Parole vor dem zwei Tage dauernden Wettkampf: «Manne, a d’Arbet»! 2004 in Luzern assistierte ihm ein gewisser Beat Tschümperlin, der den Freundinnen und Freunden der Volksmusik als mittlerweile pensionierter SRF-Radiomoderator der Sendung «Zogä am Bogä» ein Begriff ist.

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Sein unvergesslicher Spruch vor 15 Jahren

Dem 66-Jährigen bescherte der Sportevent auf der Allmend ein Erlebnis, das ihn wohl bis ans Ende seiner Tage begleiten wird. Tschümperlin: «Zu dieser Zeit war noch der hauptverantwortliche Speaker verantwortlich für das Sieger-Interview, als Cahannes runter in die Arena ging. Weil der Schlussgang taktisch geprägt war und ziemlich wenig lief, fingen einige unter den 40’000 Zuschauern an zu pfeifen. Doch Pfiffe sind in Schwingerkreisen verpönt, weshalb ich aus einem Reflex heraus ins Mikrophon sprach: ‹Pfeifen ist nicht Schwingersache.› Daraufhin wurde es mucksmäuschenstill.»

«Dieses Speaker-Team hat im Schwingen mehr Erfahrung als Cahannes. Es absolvierte eine gelungene Hauptprobe am Zuger Kantonalen.»

Alois Betschart, Ressortleiter Sport des Eidgenössischen in Zug

Ihm laufe es noch heute kalt den Rücken runter, wenn er daran denke, dass er 40’000 Zuschauer mit einem einzigen Satz habe zurechtweisen können. Seit Kurzem weiss Tschümperlin aber auch, weshalb zwischen Cahannes und ihm Funkstille herrscht. Weshalb seine Anrufe nicht beantwortet werden.

Warum Zug ein Innerschweizer Trio wollte

Das liegt an Alois Betschart, seines Zeichens der Verantwortliche des Bereichs Sport im Zuger Organisationskomitee. Er hat sich dafür entschieden, Beat Tschümperlin, Fabienne Bamert und Hugo Abegg als Speaker-Trio für das Eidgenössische am letzten August-Wochenende in Zug zu verpflichten. Und damit gegen Dagobert Cahannes. 

Betschart begründet: «Dieses Team hat im Schwingen mehr Erfahrung als Cahannes. Es absolvierte eine gelungene Hauptprobe am Zuger Kantonalen. Ich bin sehr zufrieden, wie es harmonierte.» Tschümperlin wird als Speaker am ersten Juli-Wochenende durchs Innerschweizerische in Flüelen führen.

«Alois Betschart sprach mit befremdender Arroganz und behandelte mich, als sei ich ein Bittsteller.»

Dagobert Cahannes, der in Zug nicht mehr ans Mikrophon darf

Für Betschart war es wichtig, «ein Speaker-Trio mit einer Frau zu verpflichten, das aus der Region ist». Diese bekämen schliesslich auch keine Anfrage, wenn ein grosses Fest ausserhalb des Innerschweizerischen Schwingverbandes stattfindet.

Die Untertreibung des Schwingsports in diesem Jahrzehnt

Mit der Speaker-Legende Cahannes sei er an einen Tisch gesessen, um ihm den abschlägigen Bescheid persönlich mitzuteilen. «Er war schon ein bisschen enttäuscht», sagt Betschart. Vielleicht ist das die Untertreibung des Schwingsports in diesem Jahrzehnt.

Denn was die Absage bei Cahannes auslöste, wird im jüngst erschienenen Schwinger-Buch «Brienzer, Kommerz und Halligalli» geschildert. Da wird Cahannes so zitiert: «Der Zuger Sportchef Alois Betschart […] teilte mir mit, dass mein Vertrag den Rahmen des Zumutbaren überschreite. Er sprach mit befremdender Arroganz und behandelte mich, als sei ich ein Bittsteller.» Besagter Vertrag war dem Buch zufolge 7500 Franken wert als Spesenentschädigung für Cahannes und die beiden zusätzlichen Speaker.

Tschümperlin musste sich hochdienen

Bei Tschümperlin kommt die Kritik von Cahannes so an, als sei er im Sägemehl von einem Bösen in hohem Bogen auf den Rücken gelegt worden. Dem Schwyzer bleibt vorerst die Spuke weg. Nach einer Weile sagt Tschümperlin: «Dago liebt die Rosinen der Sportveranstaltungen in der Schweiz und lässt sich das dementsprechend bezahlen.»

Tschümperlin hat sich, anders als Cahannes, im Schwingen bewähren und hochdienen müssen. Er erzählt: «Als ich 1998 bei meinem Jobwechsel zum damaligen Radio DRS meine Tätigkeit als Reporter im Schwingen einstellen musste, wurde ich angefragt, ob ich das Frühjahrsschwinget in Ibach als Speaker begleiten möchte.»

«Ich weiss, dass Cahannes Anfragen von rangtieferen Festen als dem Esaf abgelehnt hat. Damit hat er die Zuger vergrault.»

Beat Tschümperlin, Speaker am Eidgenössischen in Zug

Er macht es heute noch. In der Zwischenzeit sind noch Kantonalfeste in Schwyz, Zug, Uri und am Innerschweizerischen dazugekommen. Dazu noch das Bergkranzfest auf dem Stoos und das Esaf 2004 in Luzern. «Ich weiss, dass Cahannes Anfragen von rangtieferen Festen als dem Esaf abgelehnt hat. Damit hat er die Zuger vergrault», erzählt Tschümperlin.

Respekt vor Cahannes Leistungen

Die Achtung vor den Leistungen, die Cahannes an den letzten neun Eidgenössischen erbracht hatte, verlor sein Nachfolger aber nicht. «Dago hinterlässt zweifellos grosse Fussstapfen», zollt Tschümperlin Respekt.

«Je kleiner ein Schwingfest, umso grösser aber die Experten, die es besuchen. Da fällt es umso schneller auf, falls ich Unsinn erzählen sollte.»

Beat Tschümperlin

Aber verrückt machen lässt er sich deshalb nicht. Sein Rucksack ist schliesslich alles andere als eine Einöde. Sein Beruf als Radiomoderator hat Tschümperlin gelernt, einen Live-Event zu moderieren. Darüber hat er 20 Jahre Erfahrung damit, Schwingfeste in der Innerschweiz am Mikrophon zu begleiten. Und Tschümperlin gibt zu bedenken: «Es macht keinen signifikanten Unterschied, wie viele Zuschauer an einem Schwingfest zugegen sind.» Der Sport werde ja nicht neu erfunden. Im Gegenteil: «Je kleiner ein Schwingfest, umso grösser aber die Experten, die es besuchen. Da fällt es umso schneller auf, falls ich Unsinn erzählen sollte.»

Ein «erhebendes Gefühl» für Tschümperlin

Auf das, was er in Zug leisten muss und für ihn fast schon selbstredend «eine riesige Ehre» ist, hat er sich vorbereitet. Tschümperlin besuchte ein Schwingfest in der Westschweiz und jenes am Schwarzsee an der Grenze zwischen der französischen und deutschen Sprache, um zu erleben, «welche Ausdrücke die Romands bei einem Schwingfest benutzen. Ich möchte ihnen in Zug eine Wertschätzung entgegenbringen.».

Die Vorstellung, am 25. August in Zug den Schlussgang ansagen zu können, löst in Tschümperlin schon jetzt «ein erhebendes Gefühl» aus. Das wird dem Küssnachter gewiss so lebhaft in Erinnerung bleiben wie seine Ermahnung ans ungnädige Publikum vor 15 Jahren in Luzern.

Denn damit, dass er der neue Cahannes wird und die Bestmarke von neun Eidgenössischen in Serie am Mikrophon übertreffen wird, rechnet Tschümperlin beim besten Willen nicht.

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1 Kommentare
  1. Anton Schwingruber, 09.07.2019, 07:50 Uhr

    Bei allem Respekt vor Dagobert Cahannes, der an den ESAF`s wirklich Grossartiges geleistet hat, gilt es zu bedenken, dass nicht nur Kampfrichterentscheide und Einteilungen zu anerkennen sind, sondern auch OK-Entscheide, sofern sie korrekt und nachvollziehbar kommuniziert werden. Niemand ist unersetzlich.