Zirkuszauber, Klassik und eine zu perfekte Akustik
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Der Samstagabend im KKL verzauberte mit Klassik und Zirkus. (Bild: Roland Schoeni)

«A Circus Symphony» im KKL Zirkuszauber, Klassik und eine zu perfekte Akustik

3 min Lesezeit 12.02.2017, 13:50 Uhr

Am Samstagabend trat im KKL «A Circus Symphony» auf, eine Kombination aus klassischem Konzert und artistischen Einlagen. Die Südwestdeutsche Philharmonie begleitete dabei internationale Grössen der Zirkusakrobatik und entführte in eine zauberhafte Welt.

Mit Julius Fuciks unverwechselbarem «Einzug der Gladiatoren» eröffnete die Philharmonie aus Konstanz die Show, und sofort füllte Zirkusstimmung den Saal. Eine dunstige Atmosphäre und lange, farbige Lichtkegel tragen ebenfalls dazu bei, die KKL-Bühne in eine Manege zu verwandeln, die Benjamin Renard als erster Artist des Abends mit seinem Swing Bike befuhr, als wäre das Fahrrad ein Teil seines Körpers.

Fast hätte man Sägespäne und Popcorn riechen können, hätte einen nicht immer wieder das hervorragende Spiel der Philharmonie unter Leitung von Andreas Spörri zurück in den Konzertsaal geholt: So spielten sie etwa Debussys zeitloses «Clair de lune», während sich Katrina Asfardi in einem Kristallball, der an einen irisierenden Mond erinnerte, hoch über den Köpfen der Zuschauer anmutig verbog.

Wirbel durch die Konzertsaal-Luft

Für einen Höhepunkt des Abends sorgten die Gebrüder Anastasini, die zu den Besten im Bereich der ikarischen Kunst gehören. Das Publikum war zeitweise richtiggehend des Atems beraubt, wenn Fabio Anastasini seinen Bruder Giuliano auf den Füssen durch die Luft wirbelte und dieser in waghalsigen Positionen wieder zum Stillstand kam. Untermalt wurden die Höhenflüge des Duos passend von Berlioz’ «Le corsair». Dann immer wieder die Feststellung: Zirkusartisten auf der KKL-Bühne: Ein ganz neues, aufregendes Bild.

Das Konzept der Show ist gut: Klassische Musik auf hohem Niveau und Akrobaten, die ihre Nummern darauf abstimmen, ihre Bewegungen unterstreichen den Orchesterklang dabei genauso, wie die Musik ihre Bewegungen unterstreicht. Das wurde etwa bei Katarzyna Jastrzebska und Daniel Orszulak klar, als sie sich an den Strapaten in die Höhe ziehen liessen, elegante Kreise in der Luft zogen und die Philharmonie dabei Griegs gefühlsvolles «Solveigs Lied» spielte.

(Bild: Roland Schoeni)

Komik, Akrobatik und zauberhafte Musik

Wo Zirkus draufsteht, müssen Clowns drin sein, und so durften diese natürlich nicht fehlen. Das Duo «Les Diptik» aus der Schweiz und den USA demonstrierte, wie man perfektes Zusammenspiel und Timing aussehen lassen kann, als wäre es Zufall.

Besonders ihre eigene Akrobatik-Einlage, begleitet vom kleinen Galopp der Kinder aus «Der Nussknacker», zeigte den Grad ihres Könnens. Denn was da aussah als wäre es ein Durcheinander und als ob jeden Moment ein Unfall passieren könnte, war durchaus nicht trivial: Auf jemandes Kopf zu stehen ist jedenfalls sicherlich eine nicht allzu weit verbreitete Fähigkeit. Hauptaufgabe des Duos war es jedoch, wie im Zirkus auch, von den Requisitenwechseln abzulenken, und derer gab es so viele, wie es Einlagen gab: Zwei Dutzend Hula-Hoop-Reifen für Romina Micheletty, ein sich drehender «Pole Cage» für Katrina Asfardi, eine Trinka für die Anastasinis – Grundlage für eine Show voll beeindruckender Akrobatik und zirkuszauberhafter Musik.

(Bild: Roland Schoeni)

Der Ton im KKL für einmal zu gut

Einziger Wermutstropfen: Ironischerweise die herausragende Akustik im KKL. Der Konzertsaal ist konzipiert, um jeden Ton von der Bühne unverfälscht und klar bis in die hintersten Zuschauerränge zu transportieren. Das bedeutete bei «A Circus Symphony», dass man nebst dem Orchester eben auch die Artisten hören konnte.

Jede Landung mit den Füssen, jedes Händequietschen, jedes Klappern von Requisiten wurde amplifiziert und war weithin hörbar – das nahm einer noch so herausragenden Einlage die Leichtigkeit. Denn diese rührt in der Manege daher, dass man das Körpergewicht der Artisten eben nicht wahrnimmt; die High-End-Akustik im KKL machte den Akrobaten diesbezüglich einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem schafften es die Philharmonie und Artisten gemeinsam, das Publikum zwei Stunden lang in eine andere, faszinierende Welt mitzunehmen und hingerissen in den Abend zu entlassen.

(Bild: Roland Schoeni)

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