Zimmeregg-Badi: Stadtparlament versenkt 50-Meter-Becken
  • Politik
Vor dem Rathaus erhielten die Stadtparlamentarier am Donnerstagmorgen Flyer zur Zimmeregg-Badi. (Bild: jal)

Littauer Bevölkerungsantrag chancenlos Zimmeregg-Badi: Stadtparlament versenkt 50-Meter-Becken

3 min Lesezeit 7 Kommentare 30.01.2020, 10:24 Uhr

Mit der Sanierung der Zimmeregg-Badi soll das Becken auf 25 Meter halbiert werden. Sehr zum Unmut von betroffenen Schwimmerinnen, die mit einem Bevölkerungsantrag für den 50-Meter-Pool kämpfen. Sie stiessen im Stadtparlament auf viel Sympathie – aber wenig Unterstützung.

Die Stadt Luzern will die Zimmeregg-Badi in Littau komplett sanieren. Beim Waldschwimmbad sollen das Becken und das Restaurant erneuert und die Erschliessung optimiert werden, die Investitionssumme beläuft sich auf voraussichtlich rund 12,5 Millionen Franken (zentralplus berichtete).

Damit will der Stadtrat das Freizeitbad für Familien und die breite Bevölkerung attraktiver machen. Das Projekt sieht vor, das 50-Meter-Schwimmbecken zu halbieren. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Mit einem Bevölkerungsantrag fordern mehrere Littauerinnen den Erhalt des 50-Meter-Beckens. Sie kritisieren, dass die Sportschwimmer verdrängt würden und mit der Redimensionierung des Bad an Attraktivität verliere (zentralplus berichtete).

Littauer Publikum im Rathaus

Am Donnerstag verliehen sie ihrer Forderung mit der Präsenz vor dem Rathaus Nachdruck. Die Initiantinnen verteilten den Stadtparlamentariern vor der Sitzung Flyer, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

Genützt hat das Engagement allerdings nichts. Das Stadtparlament steht hinter der Verkürzung des Beckens – und damit hinter den Plänen des Stadtrats. Dieser argumentierte, dass eine Projektänderung höhere Kosten verursachen und die Sanierung unnötig verzögern würde. Zudem sieht er einen grösseren Nutzen in einem kleinen, kurzen Becken. Weder das Training von Schwimmvereinen noch Wettkämpfe fänden in der Zimmeregg-Badi statt (zentralplus berichtete).

Mehrheit findet: Zu wenig Bedarf

Das sah der Grosse Stadtrat ähnlich. Sämtliche Fraktionen lehnten den Bevölkerungsantrag ab. Viele Sprecher wiesen daraufhin, dass die Beckenlänge in der Vergangenheit seriös und intensiv abgeklärt worden sei. «Die Diskussion – 50- oder 25-Meter-Becken – ist natürlich nicht neu», sagte stellvertretend Marcel Lingg (SVP).

«Die Zimmeregg-Badi bleibt ein Bijou.»

Christov Rolla, Grüne

Trotz Verständnis für die Beweggründe der Initianten seien aber auch andere Aspekte zu berücksichtigen, fand die Mehrheit. Sowohl finanzielle als auch ökologische Argumente sprächen gegen ein 50-Meter-Becken. «Es gibt trotz den 300 Unterschriften schlicht zu wenig Bedarf, um eine solche Investition zu rechtfertigen», sagte Daniel Furrer für die SP-/Juso-Fraktion. Ein Punkt, den mehrere Sprecher erwähnten.

Das Waldschwimmbad Zimmeregg.

Seitens der Politik wurden zudem Zweifel geäussert, ob die Länge des Pool entscheidend ist für die Beliebtheit des Bades. «Wir sind überzeugt, dass die Badi ihren Charme behält und auch ohne das 50-Meter-Becken nicht an Attraktivität verliert – sie bleibt ein Bijou», sagte Christov Rolla für die Fraktion der Grünen/Jungen Grünen.

Einzig Roger Sonderegger (CVP) plädierte explizit dafür, sich nochmals über die Frage zu beugen. «Es ist nicht zu spät, den Erhalt des 50-Meter-Beckens zu überprüfen», sagte der aus Littau stammende Politiker. Auch wenn sich die Sanierung damit um ein Jahr verzögern sollte, sei dies kein Problem.

Das sah Stadträtin Manuela Jost (GLP) anders: «Wir wollen vorwärts machen mit der Sanierung.» Der Stadtrat will noch dieses Jahr den Baukredit ins Stadtparlament bringen.

Lobende Worte für das Engagement

Am Ende blieb der Bevölkerungsantrag chancenlos. Der Vorstoss wurde – bei nur einer Ja-Stimme – deutlich abgelehnt.

Trotz der Enttäuschung im Rathaus bleibt den Littauerinnen ein kleiner Trost: Alle Fraktionen begrüssten einhellig, dass die Initianten ihr Anliegen mit dem Bevölkerungsantrag in die Politik trugen und sich mit diesem demokratischen Mittel für ihre Sache engagierten.

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7 Kommentare
  1. Zeitgenosse, 31.01.2020, 10:38 Uhr

    Scheinbar darf es nur immer in die eine Richtung gehen. Immer alles zusammen streichen, alles was keinen direkten monetären Nutzen hat, muss eliminiert werden. Geld, Geld, Geld, die neue Religion in der Schweiz, vor allem auch der Zentralschweiz. Und alles, was irgendwie mit Freude und Freiheit zu tun hat, ist eh anrüchig, also weg damit. Dazu kommt die weit verbreitete Haltung «was ich nicht brauche oder gut finde, kann man streichen/verbieten». Armselig.
    Ich bin kein regelmässiger Schwimmer, aber ich würde den Leuten das 50m-Becken gönnen. Zumal es ja nicht allzu viele davon gibt. Leben und leben lassen. Hoffentlich wird es nochmals neu aufgerollt.

  2. R Weis, 30.01.2020, 16:37 Uhr

    Ich hoffe sehr, dass der Littauer Boden nicht Verkauft wird, es ist von der Bernstr, bis hoch zur Rengg alles Verbaut und Chaotisch Industrie und Wohnungen wie es gerade kommt, bald kommt alles aus China daneben verlotterte Bauten die sanierungsbedürftig sind, wie tief ist Luzern nur gesunken, ein schlechtes Angebot im ÖV 3 Busse nach Littau? Dümmer geht es nimmer keiner fährt vom Gasshof nach Littau Busschleife, nur so weiter,

  3. kari,, 30.01.2020, 13:44 Uhr

    Bravo gleich zubetonieren. Gehen wir halt ins Mooshüsli, aber die Steuern die nehmen sie.

  4. Hans Steiner, 30.01.2020, 10:42 Uhr

    «Alle Fraktionen begrüssten einhellig, dass die Initianten ihr Anliegen mit dem Bevölkerungsantrag in die Politik trugen und sich mit diesem demokratischen Mittel für ihre Sache engagierten.»
    Was für ein Hohn. Es ging ja nicht darum, dass man «darüber geredet hat», sondern das Becken erhält. Schon das Hallenbad auf der Allmend ist viel zu klein. Nun auch die Verkleinerung in Littau. Man fragt sich, ob die Parlamentarier jemals schwimmen gehen. Ein 50-Meter-Becken ist viel besser als das halbierte 25er-Becken. In Zukunft wird es wärmer, Badeanstalten werden wichtiger, es ist nicht nachvollziehbar, dass bei der Sanierung ein Bad verschlechtert wird. Sehr enttäuschend.

  5. Dunning-Kruger, 30.01.2020, 10:28 Uhr

    Tja, hätten die Littauer ihr eigenes Parlament – wäre dies wohl kein Thema!!
    Danke «Starke Stadtregion» – Danke!

    1. Baumann René, 30.01.2020, 12:10 Uhr

      Bei einem eigenen Littauer Parlament und eigener Finanzrechnung wäre die ganze Sanierung gar kein Thema gewesen. Das Geld wäre schlicht nicht vorhanden gewesen und das Schwimmbad wäre wohl bereits geschlossen.

    2. Ram Dass, 30.01.2020, 15:54 Uhr

      @Baumann: Spätestens, wenn die Littauer den Stadtluzerner die Baulandreserven im Littauerboden verkauft hätten, wäre der Littauer Staatssäckel prall gefüllt gewesen!

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