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Zimmer im Ex-Hotel Fox sind wieder zu haben
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Das ehemalige Hotel Fox in Luzern beherbergt jetzt Business-Apartments. (Bild: jal)

60 neue Business-Apartments in Luzern Zimmer im Ex-Hotel Fox sind wieder zu haben

5 min Lesezeit 07.01.2020, 14:24 Uhr

Nach über einem Jahr Leerstand hat das ehemalige Hotel Fox wieder offen. Die 60 Zimmer sind jetzt als Business-Apartments zu happigen Preisen auf dem Markt. Dahinter steckt eine bekannte Unternehmerin. Die Diskussion um eine Einschränkung von kommerziellen Vermietungen erhält damit Auftrieb.

Die neuen möblierten Apartments im ehemaligen Hotel Fox sind nicht ganz günstig: Mit 1649 Franken (inklusive Nebenkosten) im Monat schlägt etwa ein 13 Quadratmeter kleines Zimmer zu Buche. Etwas grössere Zimmer kosten bis zu 2300 Franken im Monat. Dies ist auf der Buchungsplattform der Betreiberin Vision Apartments ersichtlich.

Seit Anfang Jahr kann man die zwischen 10 und 21 Quadratmeter grossen Apartments buchen. Auf den wenigen Quadratmetern bieten die Zimmer alles für den Arbeitsnomaden: Dusche, Doppelbett, Schreibtisch, eine kleine Kochnische und natürlich WLAN. Auch Services wie Putzen und wöchentlich frische Bettwäsche sind inklusive.

Angesprochen sind vor allem Businessreisende, die sich für eine Weile in Luzern aufhalten und eine schnelle temporäre Bleibe brauchen. Die Zimmer werden darum monatsweise angepriesen – und sind für diese Dauer tatsächlich oft das bessere Angebot als ein Hotel. Doch auch tage- oder wochenweise sind die Zimmer im ehemaligen Fox zu haben.

Für Geschäftsreisende: So sehen die Business-Apartments im ehemaligen Hotel Fox aus.

Fokus auf Geschäftsreisenden

Das Low-Budget-Hotel Fox stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Erst im Dezember 2016 hat es nach jahrelangen Verzögerungen eröffnet. Und nach nicht mal zwei Jahren war wieder Schluss: Vision Apartments hatte das Hotel mit seinen 64 Zimmern im November 2018 von der Hotel Gatermann übernommen. Seither war das Fox mitten in der Neustadt geschlossen und wurde umgebaut (zentralplus berichtete).

Nun stehen im kleinen Hochhaus wieder 60 Apartments zur Verfügung, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt. «Verhältnismässig haben wir schon viele Anfragen erhalten und sind sehr zufrieden damit», sagt Sprecherin Debora Verna. Bei unseren Stichproben für die Monate Januar und Februar waren jeweils noch fünf oder sechs Apartments frei.

Der Fokus liegt auf Geschäftsreisenden, aber am Standort Luzern gehören auch Touristen zur Kundschaft. Mit dem Angebot bewege man sich in einem «fairen Preis-Leistungs-Verhältnis», ist Verna überzeugt. «Wir passen die Preise den lokalen Gegebenheiten an.»

Marktführer in Zürich

Hinter Vision Apartments steckt keine Unbekannte: Die Zürcher Unternehmerin Anja Graf – aktuell bekannt aus der Startup-TV-Show «Die Höhle der Löwen» – mischt seit ein paar Jahren in Zürich den Immobilienmarkt auf.

Angefangen hat sie 1999 als Startup mit einem Haus im Kreis 4. Heute ist sie mit 638 Wohnungen die grösste Anbieterin von möblierten Apartments in Zürich. Als «Schweizer Marktführer mit globaler Präsenz» betitelt sich das Unternehmen selber. Auch in Zug ist das Unternehmen aktiv und hat vor ein paar Jahren das Dreisternehotel Station übernommen.

Auch im Allmend-Hochhaus präsent

Weitere Ableger von Vision Apartments gibt es in Genf, Lausanne, Berlin, Wien oder Warschau – und nun also in Luzern, wo auch die gleichnamige Holding ihren Sitz hat. Die Unternehmerin gründet für jede Stadt eine eigene AG mit Niederlassung. Insgesamt vermietet das Unternehmen 1385 Business-Apartments, weitere 550 sind alleine in der Schweiz in Planung.

Neben dem ehemaligen Hotel Fox an der Neustadtstrasse 16 gibt’s in Luzern weitere Angebote von Vision Apartments an der Dornacherstrasse und verschiedene Wohnungen im Allmend-Hochhaus am Zihlmattweg gleich neben dem Fussballstadion. Dort kostet die Zwei-Zimmer-Wohnung mit 43 Quadratmetern rund 2’500 Franken im Monat.

Nur wenige Quadratmeter gross sind die möblierten Apartments.

Gibt es weitere Pläne für Luzern? Der Markt in der Zentralschweiz sei vielversprechend, so Debora Verna. «Wir sind ständig auf der Ausschau nach Immobilienobjekten, dies auch im Raum Zentralschweiz.»

Das Geschäft mit möblierten Apartments boomt, speziell in Städten mit vielen Expats wie Zug, Genf oder Zürich. Aber auch in Luzern findet man immer mehr solche Angebote. Oft gehen diese möblierten Apartments aber auf Kosten von Mietwohnungen, weil sich so ein Vielfaches der normalen Miete verdienen lässt.

Schleichende Entwicklung

Cyrill Studer, Leiter des Luzerner Mieterverbands und SP-Stadtparlamentarier, beobachtet die Entwicklung mit Business-Apartments genau. Bei den ehemaligen Hotelzimmern im Fox sieht er kein Problem, weil diese im gleichen Zweck weitergeführt werden und somit ein ordentliches Bewilligungsverfahren für die Hotelnutzung durchliefen.

«Aber wenn ich die Expansionspläne von Firmen wie Vision Apartments anschaue, dann sollte man als Stadt gewappnet sein», sagt er. In Luzern würden dauernd neue Namen auftauchen und immer mehr Objekte würden zu möblierten Apartments. «Oft schleichend, ohne dass dies die Bevölkerung wahrnehme», so Cyrill Studer.

Er ist überzeugt, dass einige Immobilienbesitzer zunehmend versuchen, immer mehr Rendite pro Quadratmeter zu erwirtschaften. «Das setzt eine Kostenspirale in Gang und führt zu einer Verarmung des Stadtlebens», sagt er.

Stadt will Angebote einschränken

Nachdem der Stadtrat lange kein Problem mit Business-Apartments sah, hat der politische Wind inzwischen gedreht: Im Zuge der zunehmenden Diskussion um Airbnb-Angebote will die Luzerner Stadtregierung das kommerzielle Anbieten von Wohnraum für Touristen einschränken und Wohnraum besser schützen. Davon wären auch Business-Apartments  betroffen (zentralplus berichtete).

Mit welchem Modell die Regulierung geschehen soll, ist allerdings noch offen – eine Möglichkeit ist eine Anpassung des Bau- und Zonenreglements. Cyrill Studer dazu: «Die Signale sind klar: Der Stadtrat nimmt die Thematik inzwischen zum Glück ernst. Doch die Gesetzesmühlen mahlen sehr langsam.»

Angebot für Individualisten

Bei Vision Apartments lässt man die Befürchtung, dass man mit dem Angebot die Mieten in die Höhe treibt, nicht gelten. «Unsere Angebote stehen allen offen und wir dürfen je länger je mehr auch auf private Mieter zählen», sagt Debora Verna von Vision Apartments. Als Beispiel nennt sie ein Haus am Wolframplatz in Zürich, wo das Unternehmen zusätzlichen Wohnraum schaffe. Ursprünglich waren dort ausschliesslich Büros geplant. «Allein dort bieten wir über 200 Apartments an.»

90 Prozent der Apartments seien zudem eher klein und richten sich an «Individualisten», wie Verna sagt. Diese würden sich also ohnehin nicht für Familien eignen.

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