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ZHB-Sanierung verzögert sich um mindestens vier Monate
  • Politik
Daniel Tschirren, der stellvertretende Direktor der Zentral- und Hochschulbibliothek. (Bild: gwa)

Luzern: Folgen des budgetlosen Zustands ZHB-Sanierung verzögert sich um mindestens vier Monate

4 min Lesezeit 23.12.2016, 05:00 Uhr

Jetzt ist es definitiv: Die Sanierung der ZHB wird sich um weitere vier Monate verschleppen, weil der Kanton Luzern über kein gültiges Budget verfügt. Die Folgen sind Frustration, Zermürbung, längere Wartezeiten in der Bibliothek – und Mehrkosten.

Nach jahrzehntelangem Gezerre hätte der Umbau der Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) endlich diesen Februar beginnen sollen. Doch daraus wird nichts. Nach den Abklärungen der letzten Tage ist laut Kantonsbaumeister Hans-Urs Baumann klar: «Mit den Sanierungsarbeiten der ZHB kann nicht begonnen werden. Der Baubeginn wird sich bis mindestens bis zur Abstimmung vom 21. Mai verzögern.» Womit sich auch das Ende der Arbeiten verschiebt. Statt Ende 2019 könnte folglich Anfang 2020 werden.

Kein Geld zur Verfügung

Wir erinnern uns: Das vom Kantonsrat Luzern beschlossene Budget wird frühstens am 21. Mai rechtsgültig. Weil die SVP gegen die darin enthaltene Steuererhöhung das Referendum ergriffen hat, stimmen die Luzerner überhaupt über das Budget ab. Bis dahin kann der Kanton nur sehr beschränkt Geld ausgeben. Betroffen davon ist unter anderem die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB): Sie kann die auf Anfang Februar geplante Sanierung nicht in Angriff nehmen.

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An der Sempacherstrasse werden die Koffer gepackt, weil im Februar 2017 die Sanierung der ZHB beginnen soll.

An der Sempacherstrasse wurden bereits die Koffer gepackt.

(Bild: gw)

Kantonsbaumeister Baumann erklärt, was der budgetlose Zustand für die Sanierung der ZHB konkret bedeutet: «Da bereits ein Vertrag für die Planungsarbeiten besteht, können wir das Projekt weiterplanen.» Für die Ausführungsarbeiten gilt das jedoch nicht, da noch keine vertraglichen Verbindlichkeiten bestehen. Im budgetlosen Zustand darf der Kanton «nur für die Staatsführung unerlässliche Ausgaben» tätigen. Und dazu gehört der ZHB-Umbau nicht.

«Der Elan ist raus»

Bei der ZHB ist man enttäuscht über die weitere Verzögerung. Der stellvertretende Direktor der ZHB, Daniel Tschirren, beschreibt die Gefühlslage bei seinem Team: «Der Elan ist raus.» Tschirren leitet das bibliotheksinterne Planungsteam für die ZHB-Sanierung. Er und seine Mitarbeiter haben in den letzten Wochen und Monaten bereits einen grossen Effort geleistet (zentralplus berichtete). Die Odyssee der Institution scheint kein Ende zu nehmen: «Bereits seit Mitte der 80er-Jahre hat man über eine Erweiterung der ZHB diskutiert», sagt Daniel Tschirren. 

Längere Wartezeiten sind möglich

Die Folgen für die Bibliothek und den Betrieb an der Sempacherstrasse sind laut Tschirren erheblich. Da während der Bauphase nur eine Übergangsbibliothek an der Murbacherstrasse vorgesehen war, hat man die vom Kanton verordneten Sparmassnahmen bei den Bibliotheksschaltern umgesetzt. «Wir haben bereits eine massive Sparübung beim Personal hinter uns.» Zehn Prozent weniger Personalkosten sind vom Kanton gefordert.

«Wir können die Schalter personell nicht mehr doppelt oder gar dreifach besetzen während der Spitzenzeiten.»

Daniel Tschirren, ZHB

«Wir haben deshalb vakante Stellen nicht besetzt», erklärt Tschirren weiter. Die Mitarbeiter haben im Zuge der Umbauvorbereitungen ausserdem Ferien und Überstunden aufgebaut, die man dann in den kommenden Jahren hätte abbauen wollen. Da voraussichtlich erst in vier Monaten mit der Sanierung begonnen wird, kommt es an der Sempacherstrassen nun zu Engpässen für die Benutzer: «Wir können die Schalter personell nicht mehr doppelt oder gar dreifach besetzen während der Spitzenzeiten.» Das könne zu längeren Wartezeiten für die Bibliothekskunden führen.

Miete zahlen – aber Räume nicht nutzen

Der ebenfalls längst geplante Umzug der Übergangsbibliothek an die Murbacherstrasse wird sich nun natürlich auch verzögern: «Wir bleiben bis zum Baubeginn an der Sempacherstrasse.» Das heisst, man wird Miete bezahlen für die neuen Räumlichkeiten, ohne diese tatsächlich zu beziehen.

Der stellvertretende Direktor Tschirren hat sich inzwischen abgefunden damit, dass es noch einmal länger dauert, bis das denkmalgeschützte Gebäude saniert werden kann: «Inzwischen nehme ich es gelassen hin.» Tschirren vertraut auf das Urteil der Bevölkerung: «Wir hoffen inständig, dass die Luzerner Ja zum Budget sagen, damit wir wieder regulär arbeiten können.»

Ans Worst-Case-Szenario mag Tschirren gar nicht denken. Das sähe dann so aus: Die Bevölkerung sagt am 21. Mai Nein zum Budget. Dann würde die Odyssee der ZHB so lange andauern, bis sich Regierung und Kantonsrat auf ein neues, rechtskräftiges Budget geeinigt haben. Und das dürfte Ende 2017 der Fall sein.

Erhebliche Verzögerung bei Bauprojekten

Der budgetlose Zustand ist nicht nur wegen der ZHB für die Dienststelle Immobilien eine grosse Belastung. «Die Situation macht uns Bauchweh», sagt Kantonsbaumeister Hans-Urs Baumann. Die zahlreichen sistierten und verzögerten Bauprojekte der Dienststelle haben laut Baumann Mehrkosten für die öffentliche Hand zur Folge. Ein Beispiel: «Infolge der Verzögerung werden wir bei den betroffenen Projekten einen allfälligen Teuerungszuschlag vergüten müssen.» Es sei aber noch schwer einzuschätzen, was der budgetlose Zustand insgesamt für Mehrkosten zur Folge haben werde.

Es droht auch für weitere Projekte Unsicherheit: «Durch den budgetlosen Zustand können wir nicht sämtliche der im 2017 budgetierten Investitionen von 49 Millionen Franken auslösen.» Das dürfte zu erheblichen Verzögerungen und Mehrkosten führen: «Viele Projekte werden sich auf die Nachfolgejahre verschieben und somit langfristig das limitierte Investitionsbudget belasten.» Da der Kanton Luzern auch in Zukunft mit weiteren budgetlosen Phasen rechnen muss (zentralplus berichtete), kann das in Einzelfällen zu einschneidenden Konsequenzen führen: «Gewisse Bauprojekte könnten sich über Jahre verzögern.»

Für die Dienststelle Immobilien bedeuten die vielen Verzögerungen auch personelle Herausforderungen: «Viele Mitarbeitende arbeiten an Projekten, die nun ruhen. Das betroffene Personal können wir in der Zwischenzeit nicht auslagern. Deshalb haben wir bereits innerhalb der Geschäftsleitung erste Arbeiten definiert, bei denen wir die betroffenen Mitarbeitenden anderweitig einsetzen werden.»

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