Zentralschweizer Finanzdirektoren fordern Ende des Lockdowns
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Die Restaurants sollen wieder auftischen, finden die Zentralschweizer Finanzdirektoren. (Bild: bic)

Gastro, Fitness & Co. sollen rasch öffnen Zentralschweizer Finanzdirektoren fordern Ende des Lockdowns

3 min Lesezeit 5 Kommentare 12.03.2021, 12:47 Uhr

Restaurants, Fitnesszentren, Kulturhäuser und Eventbranche: Sie alle sollen wieder mit Schutzkonzepten loslegen dürfen. Das fordern die Zentralschweizer Finanzdirektoren. Sie sehen die Zeit gekommen für einen Kurswechsel in der Krise.

Es war in dieser Form ein seltener Anlass: Die Finanzdirektoren der Zentralschweizer Kantone haben am Freitag gemeinsam eine Pressekonferenz abgehalten. Um ihr Anliegen zu unterstreichen, wie Urs Janett gleich zu Beginn unterstrich. «Jetzt ist auch die Wirtschaft im Spital», führte der Urner Landesstatthalter aus. «Wir brauchen einen neuen Umgang mit der Covid-Pandemie.»

Die Forderung ist so klar wie kontrovers: Die Wirtschaftsbereiche, die derzeit geschlossen sind, sollen schnellstmöglich öffnen dürfen. Namentlich gelte das für die Gastronomie und Fitness- sowie Sporteinrichtungen. Aber auch für Kulturbetriebe, die Reise- und Eventbranche sowie Schausteller.

Wirtschaft nicht vom staatlichen Tropf abhängig machen

Auch für sie stehe der Schutz der Bevölkerung an oberster Stelle, versicherte der Luzerner Finanzdirektor Reto Wyss. Aber die Zahl der wegen Covid-19 hospitalisierten Patienten gehe zurück, die Impfungen seien angelaufen. «Es geht darum jetzt zwingend darum, den Blick auf andere Bereiche zu richten – etwa die Wirtschaft.» 

In der Zentralschweiz seien bislang über drei Milliarden Franken in die Bewältigung der Krise investiert worden. «Die Unterstützung der Wirtschaft ist zweifellos gerechtfertigt, aber wir können diese in der bisherigen Form nicht endlos verlängern», so der Luzerner Regierungspräsident.

«Wir können es uns nicht leisten, von Lockdown zu Lockdown zu marschieren.»

Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor

Laut Heinz Tännler lassen die «exorbitanten Kosten» die Haushalte von Bund und Kantonen mehr und mehr aus den Fugen geraten. Dass just der Zuger Finanzdirektor, der in seinem Kanton eben erst die Steuern temporär senkte, vor einer steigender Steuerbelastung warnte, entbehrte nicht einer gewissen Ironie.

Die Perspektive ist allerdings eine grössere, machte Tännler klar. Die aktuelle Situation vermittle womöglich ein trügerisches Bild, man müsse den Blick auf die nächsten Jahre richten. «Wir können es uns nicht leisten, von Lockdown zu Lockdown zu marschieren.» 

Testen ja, aber nicht nur

Der Zeitpunkt der Pressekonferenz ist bemerkenswert, da der Bundesrat an diesem Freitag über weitere Lockerungen berät – und die Diskussion in den kommenden Tagen und Wochen weiter anhalten wird.

Die Zentralschweizer Finanzdirektoren begrüssen die Teststrategie des Bundes, die demnächst konkretisiert werden dürfte. Sie geht ihnen aber zu wenig weit. Gesellschaft und Wirtschaft bräuchten eine konkrete Perspektive.

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Diese sieht ihrer Meinung nach so aus: Rigorose Einschränkungen seien aufzuheben – natürlich unter Einhaltung von Schutzkonzepten, wie vor dem zweiten Lockdown. Einen genauen Zeitpunkt für eine Öffnung nennen die Zentralschweizer Finanzdirektoren indes nicht. Sie fordern aber, dass die Test- und Impfstrategie in der Gewichtung der Situation und hinsichtlich von Lockerungen einen stärkeren Stellenwert erhält.

Ob die Gesundheitsdirektoren der Zentralschweizer Kantone diese Stossrichtung teilen, liessen die Verantwortlichen am Freitag offen. Darauf angesprochen sagte die Obwaldner Regierungsrätin Maya Büchi-Kaiser, eine differenzierte Betrachtung sei legitim. Man wolle pointiert auf die finanzpolitischen Themen hinweisen, ergänzte Heinz Tännler.

Die Zentralschweizer Finanzdirektoren versicherten aber, sie würden den Kollegen in den Gesundheitsdirektionen nicht in den Rücken fallen. Letztlich brauche es eine gemeinsame Linie.

Die Zentralschweizer Finanzdirektoren fordern einen Kurswechsel.

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5 Kommentare
  1. Jörg, 12.03.2021, 18:51 Uhr

    Alles Aufmachen ,jetzt wo die 3 Welle kommt ,dann haben wir das gleiche wie letztes Jahr, nein,
    die sollen lieber Försi mit Impfen machen, z,b schon ab 60,j und mehrere Zentren, das Corona ist schlimmer als jedes Atom Kraftwerk

  2. Kasimir Pfyffer, 12.03.2021, 18:28 Uhr

    Bevor die Zentralschweizer Finanzdirektoren «fordern», wie das heutzutage jeder drittklassige Lobbyist tut, sollten sie besser ihre Hausaufgaben machen. Viele Kleingewerbler werden nach wie vor im Stich gelassen, ihre Gesuche werden kaum oder gar nicht beantwortet, ihnen rechtmässig zustehende Gelder oder Entschädigungen werden nur mit monatelanger Verzögerung ausgezahlt. Dieses Faulenzertum ist sofort abzustellen. Wenn die Arbeit gemacht ist, kann dann auch «gefordert» werden (also etwa im Sommer 2024).

    1. Hinden Daniela, 12.03.2021, 19:39 Uhr

      Es ist wirklich eine Katastrophe und sie werden für ihren Job auch noch bezahlt!

    2. Peter Bitterli, 12.03.2021, 20:40 Uhr

      Kasi und Daniela haben mit der schleppenden Auszahlung einen Punkt. Chapeau! Das Genöle mit faulen Regierungsmitgliedern und ungerechtfertigten Löhnen ist hingegen allertiefster linker Stammtisch.

    3. lucifer, 13.03.2021, 15:25 Uhr

      ach peter bitterli, lassen sie mal die linken in ruhe! sie waren selber mal einer🥸😀❤️

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