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Zehn kuriose und witzige Zuger Zeitungsberichte aus dem 19. Jahrhundert
  • Gesellschaft
Eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit der Zuger Pressewelt. (Bild: Montage ida)

Über Bier, Leichen und Heiratsannoncen Zehn kuriose und witzige Zuger Zeitungsberichte aus dem 19. Jahrhundert

5 min Lesezeit 30.07.2019, 11:07 Uhr

Vor zwei Jahrhunderten schrieben Zuger Zeitungen unter anderem über den Zuger Kirsch, «heiratslustige Meitschi» und das Wunderheilmittel Bier gegen Cholera. In der Bibliothek Zug werden Zeitungen von damals gezeigt. Den Journalisten anno dazumal mangelte es nicht an Humor, wie ein Bericht über drei Leichen zeigt.

Will man herausfinden, was die Zuger vor zwei Jahrhunderten beschäftigt hat, muss man nicht durch Tausende von alten Zeitungen durchblättern. Denn die Bibliothek Zug digitalisierte in den letzten Jahren sechs historische Zuger Zeitungen. Bequem kann man sich nun durch die Vergangenheit der Zuger Pressewelt klicken. zentralplus hat für Dich zehn Zeitungsberichte herausgepickt.

Bier – «nicht nur nicht schädlich»

Es gab zwar keine Rubrik «Alkoholisches» in den zugerischen Zeitungen des 19. Jahrhunderts. Vermuten könnte man dies jedoch, gemessen an der Vielzahl der Artikel, die sich um Bier, Wein und Kirsch drehen.

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Denn die Herren und Damen des 19. Jahrhunderts sprachen dem Alkohol heilende Kräfte zu. So steht in der Ausgabe der «Neuen Zuger Zeitung» 1886 unter der Rubrik «Vermischtes», Bier sei ein Anti-Cholera-Mittel. Diese «Wissenschaft» komme von der Allgemeinen Zeitschrift für Bierbrauerei, beruft sich somit auch eine nicht wirklich unabhängige Quelle. «Zur Cholerazeit sei das Bier nicht nur nicht schädlich, sondern sogar sehr vorteilhaft […]»

«Ich weiss es, nüchtern bin ich stumm, betrunken aber ziemlich dumm.»

«Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Zug», Nr. 8, 24. Februar 1821

Das Wasser im Bier ist gekocht, «der Bacillus stirbt im Bier». Der Genuss eines Bieres soll gar das Entwickeln von Bazillen, welche in den Verdauungstrakt gelangt sind, verhindern. «Das Bier ist also ein sehr werthvolles Mittel gegen Cholera!» Na dann: Prost!

Quelle: «Neue Zuger Zeitung», Nummer 88, 3. November 1886

«Darum sey mein Freund der Wein»

Ein Zuger stellte im «Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Zug» 1821 eine ziemlich gute Frage. Lieber stumm und nüchtern? Oder doch lieber betrunken und dumm? Auch heute täte es dem einen oder anderen gut, sich diese Frage zu stellen.

Screenshot: e-newspaperarchives.ch

Quelle: «Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz,Unterwalden und Zug»,
Nummer 8, 24. Februar 1821

Du willst mehr?

An der 1.-August-Veranstaltung der Bibliothek Zug in der Studienbibliothek im Sockelgeschoss des ehemaligen Zeughauses an der Kirchenstrasse kannst du dich durch Originalzeitungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert blättern. Die Pforten sind von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

Die Sache mit der Biersteuer

Diskutiert wurde in den «Zuger Nachrichten» auch über die Biersteuer. Da das Tabakmonopol zur Realisierung der eidgenössischen Kranken-Versicherung 1899 starker Opposition zu begegnen schien, sei man auf den Gedanken einer Biersteuer gekommen.

Und der Autor des Textes schreibt weiter: «Wir glauben nicht, dass deswegen auch nur eine Zigarre weniger geraucht oder ein Glas Bier weniger getrunken würde.» Ganz im Gegenteil: «Wenn man wüsste, dass dabei noch etwas für den kranken Mitmenschen abfiele, würde der Rauch und der Alkohol umso fröhlicher steigen.»

Quelle: «Zuger Nachrichten», Nummer 16, 9. Februar 1899

Zuger Kirsch – keine PR, keine Angst

Was wäre eine Zeitung aus dem Kanton Zug, wenn nicht einmal über den Zuger Kirsch berichtet würde? Zitiert wird in den «Zuger Nachrichten» in einer Ausgabe von 1893 eine Kritik aus einer wissenschaftlichen Zeitschrift Frankreichs.

Darin wird der Zuger Kirsch in den höchsten Tönen gelobt: «Dieses Destillat von durchaus reifen, mit keinem weiteren Zusatz gemischten Kirschen gefertigt, nach allen Regeln der Kunst behandelt und mit aller Sorgfalt in Handel gebracht, hat sich nicht etwa nur in der Schweiz, sondern in allen Großstädten Europas, namentlich aber in Paris, einen so großen Ruf erworben […]»

Und gar zum Ausprobieren wird verführt: «Mache man einfach einen Versuch mit dem Gebrauch besagten Kirschwassers und man wird sich von der Richtigkeit unserer Angaben überzeugen müssen.» Der Hinweis «Sponsored Concent» war damals folglich noch nicht Usus.

Quelle: «Zuger Nachrichten», Nummer 43, 31. Mai 1893

«Ächte» Kaffeebohnen

Es wurde aber nicht nur Alkohol getrunken. In der «Neuen Zuger Zeitung» steht 1854: «Wohlfeiler und guter Kaffee». Dann folgt eine Anleitung. Man röste zwei Teile «ächter» Kaffeebohnen mit einem Teil guter Felderbsen.

Das gebe einen «wohlfeilen, starken, nahrhaften Kaffee». Diese Notiz dürfte willkommen sein, heisst es weiter, da in vielen Haushalten das tägliche «Loosungswort» gelte: «Kaffee, Kaffee, und abermal Kaffee!»

Quelle: «Neue Zuger Zeitung», Nummer 41, 14. Oktober 1854

Von «heiratslustigen Meitschi»

Auch eine Heiratsstatistik findet man in den «Zuger Nachrichten» in einer Ausgabe von 1895. 1890 seien schweizweit 20’836 Ehen geschlossen worden. Da steht auch, wo man am ehesten fündig wird: «Heiratslustige Meitschi gehen am liebsten in den Kanton Glarus; heiraten doch von 1000 Glarnern ihrer 77, Berner nur 51; in Uri, dem Lande der Freiheit, gibt’s gar nur 34 Ehen auf 1000 heiratsfähige Männer.»

Quelle: «Zuger Nachrichten», Nummer 91, 13. November 1895

Heiraten – mit «besten Referenzen»

1895 gab es bei Weitem noch keine Dating-Apps oder Singlebörsen. Doch es gab die guten, alten Zeitungsannoncen. So auch in den «Zuger Nachrichten» im Jahr 1895:

Screenshot: e-newspaperarchives.ch

Quelle: «Zuger Nachrichten», Nummer 64, 13. November 1895

Die Anekdote von den drei Leichen

In einer Ausgabe der «Neuen Zuger Zeitung» vom Jahre 1875 wird in der Rubrik «Unglücksfälle» von einem gefundenen Leichnam bei der Station Sempach berichtet. Und von zwei weiteren Fällen, in denen jemand tot auf den Schienen gefunden wurde. Gar von einem «zermalmten Schädel» ist die Rede …

Direkt danach wird eine Anekdote erzählt, die gänzlich ungünstig platziert wurde. Denn: Wieso nicht mal was Lustiges über die Bahn erzählen?, dachte man sich wohl.

«‹Jura – Bern – Luzern› heißt die Bahn, die vom Jura her über Bern und Langnau nach Luzern fährt […]», steht da.

«Und der Luzerner erwiderte ‹Das wird dänk heisse müesse: Ihr Berner Lümmel!›»

«Neue Zuger Zeitung», Nr. 14, 25. September 1875

Auf den Waggons stünden deshalb zur Bezeichnung die drei Buchstaben J.B.L. «‹Wisst Ihr, was das heisst?›, fragte letzthin ein Berner Eisenbahnangestellter, stolz einen Luzerner, indem er voll Selbstgefühl auf die drei Buchstaben zeigte. Und der Luzerner erwiderte ‹Das wird dänk heisse müesse: Ihr Berner Lümmel!›»

Quelle: «Neue Zuger Zeitung», Nummer 14, 25. September 1875

Von den Russen – und der Zuger Regierung

Und manchmal will ein Journalist vermutlich zu viele Infos in einen einzigen Satz unterbringen. Dann entsteht ungefähr so etwas wie im «Zuger Volksblatt» im Jahr 1877: «Im Weitern will der Friede mit den Serben und Montenegrinern immer und immer nicht zu Stande kommen, die Russen scheinen nicht recht Courage zu haben, frischweg dreinzuschlagen und die Zuger Regierung scheint nicht recht zu wissen, wo ihr der Kopf steht.»

Quelle: «Zuger Volksblatt», Nummer 14, 17. Februar 1877

«Tu parles Français?» – «Hä?»

Und selbstverständlich dürfen die Touristen nicht fehlen in den hiesigen Berichterstattungen. So wurde dem «Zuger Volksblatt» 1862 folgende Anekdote zugesandt:

Screenshot: e-newspaperarchives.ch

Quelle: «Zuger Volksblatt», Nummer 60, 26. Juli 1862

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