Wirtschaft

Immobilienmarkt Kanton Luzern
Zahl der leeren Neubauwohnungen hat sich verdoppelt

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Von der Stadt bis aufs Land. Im Kanton Luzern entstehen laufend neue Wohnungen. Ein Ende ist nicht in Sicht, obschon nicht jede Wohnung sofort einen Abnehmer findet.
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Von der Stadt bis aufs Land. Im Kanton Luzern entstehen laufend neue Wohnungen. Ein Ende ist nicht in Sicht, obschon nicht jede Wohnung sofort einen Abnehmer findet. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Im Kanton Luzern entstehen laufend neue Wohnhäuser. Im schweizweiten Vergleich sogar überdurschnittlich viele Mehrfamilienhäuser. Ungebrochen gross ist auch die Nachfrage danach. Und dennoch hat sich die Zahl der leeren Neubauwohnungen innerhalb eines Jahres verdoppelt. 

Es hat viel Platz: Anfang Juni 2014 standen im Kanton Luzern 1471 Wohnungen leer, wie aus einer Medienmitteilung von LUSTAT Statistik Luzern hervorgeht. Insgesamt sind das 16 Prozent mehr also noch vor einem Jahr. Darin miteingerechnet sind die leerstehenden Einfamilienhäuser.

279 leere Neubauwohnungen

Die Interessenten liessen im letzten Jahr auf sich warten. Besonders beim Bezug von Neubauwohnungen agierten Mieter und Käufer in den vergangenen 12 Monaten zaghaft. 279 aller leerstehenden Wohnungen im Kanton Luzern wurden innerhalb der letzten beiden Jahre fertig gestellt. Das entspricht einer Verdoppelung von leeren Neubauwohnungen binnen eines Jahres.

Im Überblick wird klar, dass verhältnismässig viele Mietwohnungen in der Luzerner Agglomerationsgemeinde Ebikon, sowie in den Landgemeinden Eschenbach, Fischbach, Gisikon und Schüpfheim freistehen. Gemäss den Gemeindestatistiken von LUSTAT blieben in Ebikon 112 Wohnungen bis zum Stichtag der Erhebung am 1. Juni 2014 unvermietet. Zum Vergleich, 398 Wohnungen waren es in der rund sieben Mal mehr Einwohner zählenden Gemeinde Luzern.

Luzerner Bauboom

Auf der Suche nach solch leeren Neubauwohnungen wird man zum Beispiel in Kriens, Schüpfheim oder Reiden fündig. In der Luzerner-Agglomerationsgemeinde Kriens standen am 1. Juni 34 Wohnungen frei, die in den letzten zwei Jahren gebaut wurden. In Reiden waren es 21 und in Schüpfheim sogar 44. 

«Die Hauptursache für die Erhöhung der Leerwohnungen liegt bei der starken Neubautätigkeit im Kanton Luzern», sagt Robert Weinert, Manager beim Immobilien-Beratungsunternehmen Wüest & Partner. Mit insgesamt 2542 Einheiten wurden 2012 in Luzern so viele neue Wohnungen erstellt wie die neun Jahre davor nicht. «Und aufgrund der Anzahl Baubewilligungen in den vergangenen beiden Jahren ist auch in den kommenden Quartalen mit einer anhaltend hohen Wohnbautätigkeit zu rechnen», sagt Robert Weinert.  

Von 300 auf knapp 870 Wohnungen

Gemäss der Luzerner Kantonalbank entstehen in Luzern im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Spitzenreiter in Bezug auf diese Bautätigkeit sind die Stadt Luzern und die Luzerner Seegemeinden. Hier hat sich die Zahl der neu erstellten Wohnungen seit 2011 deutlich erhöht, wie aus dem aktuellen Bericht der LUKB zum Luzerner Immobilienmarkt hervorgeht. 

Wurden in der Stadt Luzern in den vergangenen 10 Jahren durchschnittlich rund 300 Wohnungen pro Jahr erstellt, waren es im Jahr 2012 alleine knapp 870. 

Die Bauintensität auf Stadtgebiet verlagert sich mittlerweile aber auch auf die Agglomerations- und Landsgemeinden. In Emmen entstehen im Feldbreite Quartier beispielsweise insgesamt 800 Miet- und Eigentumswohnungen. Die Gemeinde Kriens plant in der neuen Überbauung «Eichhof West» rund 270 neue Mietwohnungen.

Auch in der Region um den Sempachersee entstehen derzeit neue Bauprojekte. Zum Beispiel in Sursee, wo zahlreiche Eigentumswohnungen in der ersten Hälfte des Jahres 2014 fertiggestellt wurden und nun zum Verkauf stehen.

Auch die Preise stiegen

Es überrascht deshalb nicht, dass sich gerade in diesen Neubau-Gebieten auch die Immobilienpreise erhöhen und es damit etwas länger dauern kann, bis ein Objekt einen Käufer gefunden hat. «Wir haben im Jahr 2013 Preissteigerungen für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in den Regionen Stadt Luzern inklusive den Seegemeinden, der Agglomeration Luzern und am Sempachersee festgestellt», sagt Daniel von Arx, Stellvertretender Direktor der LUKB.

Gesamthaft stiegen im Kanton Luzern 2013 sowohl die Preise für Eigentumswohnungen (5,6 Prozent), als auch jene für Wohnungsmieten (1,2 Prozent). Eine schwächere bis zum Teil stagnierende Preisentwicklung gebe es laut von Arx dagegen in vereinzelten Regionen wie dem Luzerner Seetal, Willisau oder Entlebuch.

Die Nachfrage bleibt konstant

Von einer Übersättigung des Luzerner Wohnungsmarktes aufgrund des hohen Bauvolumens kann allerdings keine Rede sein. «Die generelle Nachfrage nach Wohnungen ist weiterhin rege, auch wenn im hochpreisigen Segment an einigen Orten Sättigungserscheinungen auftreten», sagt Robert Weinert. Betroffen von solchen «Sättigungserscheinungen» sind in Luzern hauptsächlich Objekte an erstklassigen Lagen wie Horw, Meggen oder Kastanienbaum.

Zudem bewegen sich die von LUSTAT veröffentlichten Zahlen zu den leerstehenen Wohnungen im Kanton Luzern unter dem Schweizer Durchschnitt. «Auch wenn die Leerstandszahlen für den Wohnungsbestand im 2014 gestiegen sind, liegen sie noch immer auf einem sehr tiefen Niveau», sagt Weinert. Die Lehrwohnungsziffer im Kanton Luzern beträgt momentan 0,81 Prozent. Der Schweizerische Durchschnitt lag 2013 bei 0,96 Prozent.

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1 Kommentare
  1. Werner Raymond Duss, 30.07.2014, 19:38 Uhr

    Die grosse Zahl der leerstehenden Neubauwohnungen in Schüpfheim wundert Einheimische kaum. Der Mülipark wurde deutlich am Markt vorbeigeplant. Stadtluzerner werden sicher nicht in die Pampa nach Schüpfheim ziehen und einen stündigen Arbeitsweg in Kauf nehmen. Und die meisten Einheimischen ziehen günstigeren Wohnraum vor. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht mal annähernd. Besser ausgestattete Neubauwohnungen, die zentraler gelegen sind und erst noch etwas weniger kosten werden nämlich problemlos vermietet. Vielleicht sollte die Vermieterschaft des Müliparks einfach mal die Mietzinse dem Markt in Schüpfheim anpassen. Aber offenbar kann man es sich leisten ganze Häuser zwei Jahre lang leerstehen zu lassen. Bei den Einheimischen heisst der Mülipark nur noch «Geisterstadt».

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