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Worauf es im Kampf um einen linken Zuger Sitz ankommt
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Die Zuger Linken buhlen im Herbst um einen Sitz im Nationalrat. (Bild: Montage wia/ Wikipedia CC )

Nationalratssitz: Was sind die Folgen von 2011? Worauf es im Kampf um einen linken Zuger Sitz ankommt

5 min Lesezeit 2 Kommentare 26.03.2019, 14:21 Uhr

Die Zuger Linken haben bei den kommenden Nationalratswahlen intakte Chancen, sich den vor acht Jahren verlorenen Sitz im Bundesparlament zurück zu holen. Doch dies dürfte nur gelingen, wenn beide Parteien ihre Aushängeschilder portieren – und die Grünliberalen mitspielen.

Die Wahlen vom kommenden Oktober sind insbesondere für die Zuger Linken von grosser Bedeutung. Der Wind für eine Rückeroberung eines alternativ-sozialen Sitzes ist nämlich so günstig wie selten.

Die Alternative-die Grünen (ALG) hat ihre Topkandidaturen bereits vor einigen Wochen bekanntgegeben (zentralplus berichtete). An der Spitze steht dort Alt-Regierungsrätin Manuela Weichelt, flankiert von CSP-Stadträtin Vroni Straub und Parteipräsident Andreas Lustenberger. Alle drei Kandidaten dieser Hauptliste sind in der Region bekannt. Helfen dürfte zudem der Umstand, dass sich auf dieser Liste zwei Frauen befinden. – Und die Zuger Vertretung in Bern seit jeher rein männlich war.

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Der Negativeffekt der Zuger Affäre um Jolanda Spiess-Hegglin und SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann scheint mittlerweile überstanden, die bisher angekündigten Kandidaten der ALG scheinen motiviert. Das Timing für einen linken Angriff ist überdies aus mehreren Gründen gut.

Die Sterne stehen gut für die Linken

Einerseits, da der Sitz des kaum in Erscheinung getretenen FDP-Nationalrats Bruno Pezzatti frei wird. Weiter präsentiert sich nun eine Gelegenheit, den Rausschmiss der Linken aus der Zuger Regierung letzten Herbst, der wohl einigen Zugern noch in den Knochen steckt, zumindest auf nationaler Ebene zu kompensieren. Ausserdem ist das Thema Klima derzeit in aller Munde. Es ist demnach davon auszugehen, dass die ALG ihre gewohnten Wahlprozente halten oder gar steigern kann.

Was also könnte noch schiefgehen bei der Rückeroberung des Sitzes, der den Linken 2011 abhanden kam? Nun. Das kommt unter anderem auf die SP an.

Ein alter Vorwurf taucht auf

Mehrere Kenner der linken Zuger Politszene befürchten nämlich, dass die SP keine genügend starken Kandidaten auf ihre Listen setzen wird. Dies mit dem Effekt, dass die Partei den ganzen linken Stimmanteil runterziehen könnte.

«Das Rentnerleben gefällt mir zu gut.»

Dolfi Müller, Zuger Alt-Stadtpräsident

Es ist eine Angst, die nicht von ungefähr kommt. Nach den Wahlen 2011, bei denen Jo Lang abgewählt wurde, stand ebendieser Vorwurf bereits im Raum. Wen die SP ins Rennen schickt, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Erst die Zuger Juso hat kürzlich preisgegeben, wen sie für die Kandidatur um den freiwerdenden Nationalratssitz vorsieht.

Dolfi Müller geniesst seine Pension

Den wohl renommiertesten Kandidaten, den die SP stellen könnte, ist Ex-Stapi Dolfi Müller. Weit über die Parteigrenzen hinaus beliebt, konsensfähig, charismatisch. Bloss: Müller wirkte beim Interview diesen Winter, als ob er sich lieber mit neuen Bands und schönen Reisen auseinandersetzen will, statt mit Ratssessionen und dem EU-Rahmenabkommen (zentralplus berichtete). Eine Anfrage beim ehemaligen Stadtpräsidenten bestätigt die Annahme: «Wäre ich fünf Jahre jünger, träte ich wohl an», so Müller. Und fügt dann hinzu: «Das Rentnerleben gefällt mir zu gut.»

Wahrscheinlich ist es jedoch, dass SP-Präsidentin Barbara Gysel und Gemeinderat Hubert Schuler bei den nationalen Wahlen antreten, wie sie das bereits in der Vergangenheit getan haben. Auch eine Kandidatur des 34-jährigen Zari Dzaferi, der in den letzten Jahren einen ziemlich guten Lauf hingelegt hat und neuerdings im Baarer Gemeinderat sitzt, ist nicht ausgeschlossen. Doch sowohl bei Dzaferi als auch bei Schuler stellt sich die Frage, ob die beiden frischgewählten Gemeinderäte bereits eine neue Herausforderung ins Auge fassen mögen.

Offiziell gibt es bei der SP also noch keine News bezüglich der Nomination. So viel verrät Barbara Gysel jedoch schon: «Wir versuchen, mit einem guten Mix an Kandidierenden anzutreten, welcher die SP und Juso repräsentiert.» Die SP wird zum dritten Mal mit der Basiskampagne der SP Schweiz die Wahlkampagne «und damit den linken Sitz zu unseren Gunsten zu beeinflussen versuchen».

Sitzverlust wegen der SP? Nicht doch, sagt Gysel

2011 erreichte die ALG gemeinsam mit der CSP 16,2 Prozent der Stimmen, die SP brachte gerade einmal 5,3 Prozent zustande. Die Ansicht, dass der tiefe Stimmanteil bei der SP hauptverantwortlich gewesen sei, dass der grüne Nationalrat Jo Lang die Wiederwahl verpasste, wird noch heute portiert. Doch was ist dran an dieser Kritik? Wenig, findet Gysel: «Die linke Kontinuität beim Zuger Nationalrat täuscht.» Es handle sich eher um ein Zebrastreifen-Muster, bei dem sich links und rechts beim dritten Nationalratssitz abwechseln würden.

«Weniger als 6 Prozent der GLP-Stimmen hätten uns wohl 2011 für den linken Sitz gereicht.»

Barbara Gysel, Zuger SP-Präsidentin

Neben den Stimmverlusten von SP und ALG sieht Gysel die Listenverbindung zwischen FDP und CVP als Hauptgrund dafür, dass der Sitzerhalt 2011 nicht gelang. Insbesondere auch deshalb, weil die Bürgerlichen prominente Köpfe in den Wahlkampf sandten.

Ausserdem hätten die Grünliberalen 2011 aus dem Stand und ohne Listenverbindungen 8’000 Stimmen erreicht. «Weniger als 6 Prozent dieser Stimmen hätten uns wohl für den eigenen linken Sitz gereicht», gibt Barbara Gysel zu bedenken.

Gewichtige Frage: Was macht die GLP?

Auch im Hinblick auf die Wahlen 2019 darf man gespannt sein auf die Strategie, welche die GLP zu fahren gedenkt. Vizepräsident Daniel Stadlin erklärt auf Anfrage, dass man diesbezüglich noch keine Aussage mache. Zwar gingen die Grünliberalen vor vier Jahren mit der CVP und der FDP eine Verbindung ein.

Ob diese wieder zustandekommt, ist jedoch offen. Dies nicht zuletzt, da die GLP vor rund einem Jahr scharfe Kritik geäussert hatte gegenüber dem Zuger FDP-Nationalrat Bruno Pezzatti, der laut Öko-Ranking in Sachen Umwelt so gar nicht nach dem Gusto der GLP politisierte. «Unsere Aussagen von damals sind auch heute noch von Bedeutung», sagt Stadlin.

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2 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 27.03.2019, 15:24 Uhr

    Jetzt nach 8 Jahren darf ich es zugeben. Mir ging es damals bei der Beratung der GLP vor allem darum den Linken zu schaden. Ich war der festen Überzeug das eine Listenverbindung mit der FDP zu einer linken Gegenreaktion führen würde. Ich war überzeugt, eine Listenverbindung würde den Linken den Sitz sichern. Indem ich mich erfolgreich gegen eine Listenverbindung wehrte erreichte ich, das viele, die sonst aus Trotz links gewählt hätten nun entweder GLP wählten oder zu Hause blieben. Ich wurde ausgelacht, aber das Ergebnis, sprach dafür das ich richtig gerechnet hatte. Denn viele vergessen immer wieder Wahlen sind zu einem erheblichen Teil Mathematik und mit der richtigen Strategie erreicht man oft sein Ziel. Deswegen bin ich überzeugt, das 2019 die FDP auf Michel setzen sollte und nicht Hotz. Beide sind fähig, aber strategisch/mathematisch wäre Hotz die falsche Wahl

    1. Jonas Feldmann, 27.03.2019, 19:05 Uhr

      Danke für die Ehrlichkeit. Für die immens wichtige #Klimawahl 2019 hoffe ich jedoch, dass sich die GLP nicht wieder auf mathematische Strategie-Spiele einlässt, sondern dass sie sich auf das “G” in ihrem Parteinamen besinnt. Umweltfreundliche Politik wurde in den vergangenen Jahren bloss von einer Ratsminderheit betrieben – es liegt nun also an der GLP zu entscheiden, ob sie diese Minderheit und so eine grüne Klimapolitik unterstützen möchte – oder ob sie sich erneut zum Steigbügelhalter der bürgerlichen und absolut klimafeindlichen Ratsmehrheit machen lässt …