St.-Johannes-Strasse im Zuger Hertiquartier

Wegen Asbest müssen 50 Mietparteien während Sanierung raus

An der St.-Johannes-Strasse wirds ab März 2025 wieder laut. Werner Schaeppi von der Kommunikationsagentur Creafactory nimmt zur Sanierung Stellung. (Bild: Andreas Busslinger/zvg)

Nach der Kontroverse um die Totalsanierung des Hochhauses an der St.-Johannes-Strasse 23 in Zug werden nun fünf weitere Wohnblöcke der Überbauung renoviert. 50 Mietparteien müssen zeitweise raus.

Als im Zuger Hochhaus an der St.-Johannes-Strasse 23 bei den 30 Mietparteien Kündigungsschreiben im Briefkasten landeten, war die Empörung gross. Die Pensionskasse der Stadt Zug als Eigentümerin der Immobilie und der Zuger Mieterverband zofften sich daraufhin im Frühling 2022 öffentlich (zentralplus berichtete).

Nach der Totalsanierung stiegen die Mieten um fast 100 Prozent. Statt teilweise weniger als 1000 Franken kosteten die Wohnungen also plötzlich fast doppelt so viel (zentralplus berichtete). Von den einstigen Mietern sei inzwischen zwar die Hälfte wieder eingezogen, sagt Martin Kümmerli, bei der städtischen Pensionskasse für das Hochhaus an der Hausnummer 23 verantwortlich. Die übrigen Mietparteien hätten sich aber für andere Lösungen entschieden.

Dieses Mal soll alles anders sein

Im Frühling 2025 dürfte es an der St.-Johannes-Strasse erneut laut werden. Die Wohnblocks mit den Hausnummern 13, 15, 17, 19 und 21 werden renoviert. Es trifft 50 Mietparteien. Doch anders als noch vor zwei Jahren blieb die Empörung bislang aus. Der Mieterverband äussert sich auf Anfrage von zentralplus nicht. Stattdessen nimmt sich Werner Schaeppi von der Kommunikationsagentur Creafactory viel Zeit.

Schaeppi spricht für die Pensionskasse der Zuger Kantonalbank und die Pensionskasse des Kantons Zug. Ihnen gehören die fünf Wohnblöcke. Der Kritik, die damals auf die Pensionskasse der Stadt Zug niederprasselte, wollen sie sich offenbar nicht aussetzen.

Schon damals war Schaeppi involviert. Anders als damals muss er aber nicht 30 Kündigungen erklären.

Mieter müssen drei Monate lang raus

Stattdessen müssen die Mieter der St.-Johannes-Strasse 13, 15, 17, 19 und 21 die Wohnungen gemäss Schaeppi «nur» während drei Monaten verlassen. Die Mietverhältnisse bleiben indes bestehen.

Zwischen März 2025 und Juni 2026 werden die Wohnungen Block für Block renoviert. Eine Totalsanierung, wie sie damals beim Hochhaus vorgenommen wurde, scheint nicht nötig zu sein.

Dass die Sanierung dennoch nicht im bewohnten Zustand möglich ist, hat mit dem Asbest im Gemäuer und im Verputz der Gebäude zu tun. Genauso wie damals im Hochhaus müsse dieser weg. Asbest sei bei Bauten aus den 70er-Jahren nicht untypisch, erklärt Schaeppi. «Im fest gebunden Zustand ist dieses Material unproblematisch, doch die Sanierung muss unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen.»

Die Verwaltungen versuchen gemäss eigenen Angaben, die Mieterinnen während der drei Monate übergangsweise innerhalb der fünf Wohnblöcke oder in einer nahe gelegenen Wohnung unterzubringen. «An entsprechenden Lösungen wird momentan intensiv gearbeitet», sagt Schaeppi.

Darum war Totalsanierung des Hochhauses nötig

Der Zuger Mieterverband bezweifelte vor zwei Jahren, dass das Hochhaus hätte totalsaniert werden müssen. Er befürchtete, dass es nach der Sanierung zu massiven Mietaufschlägen kommen werde (zentralplus berichtete). Und behielt damit recht. Fast doppelt so hohe Mieten bei ausbleibendem Mehrwert für die Mieter – das Urteil des Mieterverbands fiel vernichtend aus (zentraplus berichtete).

Martin Kümmerli von der städtischen Pensionskasse widerspricht der Kritik von damals vehement: Einerseits böten die sanierten Wohnungen mehr Wohnkomfort, etwa durch optimierte Bäder oder neue Küchen. Anderseits habe die Energieeffizienz zugenommen. Dank verbesserter Statik, Erdbebensicherheit und Brandschutz sei das Wohnen im Hochhaus zudem sicherer geworden. Und schliesslich gebe es nun einen Gemeinschaftsraum, ein zumietbares Zimmer und eine gemeinschaftlich nutzbare Dachterrasse.

Einen Teil der Kosten für die Sanierungsarbeiten dürfe die Eigentümerschaft auf die Mieter überwälzen, begründet Kümmerli den Anstieg des Mietzinses. Doch dieser sei auch darauf zurückzuführen, dass die betreffenden Mieten zuvor jahrzehntelang «sehr tief» geblieben seien.

Renovierte Wohnungen werden teurer

In den Wohnungen der fünf Blöcke, die ab März 2025 renoviert werden, soll der Mietzins auch künftig «vergleichsweise niedrig» bleiben. So steht es in der Medienmitteilung der Kommunikationsagentur Creafactory geschrieben.

In den Worten Schaeppis heisst das: «Die Mieten sollen für jetzige Bewohner auch nach der Sanierung unter dem marktüblichen Durchschnitt für vergleichbare Wohnungen bleiben.» Für die jetzigen Bewohner der Wohnblocks dürfte das heissen: Wie schon beim Hochhaus werden die Mieten ansteigen – weil sie zuvor jahrzehntelang sehr tief waren.

Lehren aus Shitstorm gezogen

Nach den Sommerferien könne die Verwaltung dazu eine erste fundierte Schätzung vornehmen, sagt Schaeppi. Ob die Mieterinnen der Wohnblocks schon mehr wissen, ist unklar. Sie wurden – auch das scheint ein «Learning» aus der Vergangenheit zu sein – bereits im Oktober statt nur zwölf Monate vor Baubeginn vorinformiert.

Letzte Woche liessen sie sich die Sanierungspläne vom federführenden Architekten erklären. «Obwohl sich niemand auf die Unannehmlichkeiten einer Sanierung oder eine höhere Miete freut, werden Verbesserungen durchaus begrüsst», fasst Schaeppi die ersten Reaktionen der Mieter zusammen.

Mieterinnen der Wohnblocks an der Infoveranstaltung. Vorne links im Bild: Werner Schaeppi. (Bild: zvg)

«Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten», fährt er fort. Klingt nach Friede, Freude, Eierkuchen – oder zumindest nicht nach einem Sturm der Entrüstung für die Pensionskassen der Zuger Kantonalbank und des Kantons Zug, die preisgünstigen Wohnraum aufwerten – und gerne auch mal teurer machen.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Werner Schaeppi, Sprecher des «Projektteams Sanierung St.-Johannes-Strasse 13, 15, 17, 19 und 21»
  • Schriftlicher Austausch mit Martin Kümmerli, Leiter Liegenschaftenkommission Pensionskasse Stadt Zug für das «Projektteam St.-Johannes-Strasse 23»
  • Medienmitteilung der Kommunikationsagentur Creafactory
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