Abstimmung in der Stadt Luzern

Warum beim EWL-Areal alle dasselbe wollen

Das Areal, wie es heute genutzt wird und aussieht. (Bild: zvg)

Auf dem EWL-Areal soll ein Wohn- und Geschäftsquartier entstehen, mit Räumen für Feuerwehr und Zivilschutz. Trotz Kostensteigerung hat das Millionenprojekt fast keine Gegner. Warum ist das so?

Wenn die Bürger am 9. Juni abstimmen, geht es um viel. «Das Bauprojekt auf dem EWL-Areal ist von grosser Bedeutung für die Stadt Luzern», betonte Stadtpräsident Beat Züsli Anfang Jahr. Lehnen die Luzerner das Projekt ab, bleibt ein «Scherbenhaufen» zurück, warnte Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (zentralplus berichtete).

Gleicher Meinung war im März der Grosse Stadtrat: Pragmatisch bewilligte er den zweiten Finanzierungsschritt fürs EWL-Areal. «Entweder, wir lehnen es ab und räumen Scherben zusammen. Oder wir geben grünes Licht», sagte Elias Steiner (Grüne). Thomas Gfeller (SVP) sprach von «schweren Folgen für die Stadtentwicklung» bei einem Nein (zentralplus berichtete).

Im Juni folgt nun ein obligatorisches Referendum, denn auch das Volk muss der Finanzierung zustimmen. Alles, was Luzerner für die Entscheidung wissen müssen, hat zentralplus zusammengetragen.

Feuerwehr, Zivilschutz, Rettungsdienst, Büros, günstige Wohnungen

Tatsächlich ist die Zukunft des EWL-Areals ein zentraler Baustein für die bauliche Zukunft der Stadt. Das Gelände zwischen Industriestrasse und Gleisen misst drei Fussballfelder und ist das grösste zusammenhän­gende Grundstück in Zentrumslage. Die Stadt bezeichnet den Ort mit seinen Büros und Brachen heute als «unternutzt».

Mit dem Projekt «Rotpol» soll sich das ändern. In den geplanten drei Neubauten befinden sich ein Standort für die Feuerwehr, Stützpunkte für den Zivilschutz und den Rettungsdienst, städtische Büros, 92 gemeinnützige Wohnungen und 57 Alterswohnungen. In der Mitte bleibt das rote Backsteinhaus als Quartiertreffpunkt erhalten.

Ein Grund für das Projekt: Die Feuerwehr muss ihren aktuellen Stützpunkt an der Kleinmattstrasse verlassen, weil er zu klein ist und nicht erdbebensicher (zentralplus berichtete).

Kostensteigerung um einen Drittel extern überprüft

Geplant, realisiert und bewirtschaftet wird das Projekt von der EWL Areal AG. Darin haben die Stadt, die EWL und die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) Einsitz. Bisher seien zwölf Millionen Franken in die Planung geflossen, schätzt Adrian Borgula, der im Verwaltungsrat sitzt. Bei einem Baustart im Sommer 2026 sind die Gebäude der ersten Etappe Mitte 2029 fertig, die zweite Etappe drei Jahre später.

Die Idee, das Areal zu überbauen, stammt aus dem Jahr 2010. Wegen Einsprachen zog sich die Planung allerdings. Letztes Jahr wurde klar, dass die Baukosten von 185 auf 245 Millionen Franken ansteigen, weshalb das Stadtparlament den zweiten Finanzierungsschritt zurückwies. Nun haben externe Planer die Kostensteigerung bestätigt: Bauteuerung, Projektanpassungen und neue Erkenntnisse über den Untergrund seien dafür verantwortlich (zentralplus berichtete).

Angesichts dessen passte die Stadt das Projekt an: Die Planer sparten ein Drittel Fläche ein, indem sie auf den angedachten Standort für das Strasseninspektorat und Stadtgrün verzichteten und die Büros umplanten. Zudem regte die Stadt in der überarbeiteten Vorlage an, die EWL Areal AG mit mehr Geld auszurüsten – über Darlehen, Aktienkapital und Einmalzahlungen.

Kritik verhallt im Angesicht der Quartierentwicklung

Als das Geschäft zum zweiten Mal ins Stadtparlament kam, wurde die Kostensteigerung akzeptiert. Kritik gab es nur von Einzelpersonen, zum Beispiel am Abriss des 1975 erbauten EWL-Gebäudes. Auch die künftigen Mietpreise der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (ABL) wurden als zu hoch bezeichnet. Die Mehrheit im Parlament hielt Kritik allerdings zurück – und gab der Finanzierung im März grünes Licht.

Denn die grosse Entwicklungsidee der Stadt begrüssen Parteien von rechts bis links. Dabei geht es nicht nur darum, das EWL-Areal mit seinen Gewerbeklötzen aufzumotzen, sondern das ganze Gebiet zu einem lebendigen Stadtteil umzubauen.

Das gesamte Gebiet wird durch verschiedene Projekte modernisiert. (Bild: zvg)

Das EWL-Areal soll zum Wohn- und Geschäftsquartier werden. Gegenüber, an der Industriestrasse, bauen aktuell fünf Baugenossenschaften 150 neue Wohnungen und Gewerbeflächen. Zusätzlich verbessert die Stadt mit dem Projekt Unterlachen die Strassen im Quartier.

Durch den Umzug der Feuerwehr auf das neue EWL-Areal werden ausserdem auch im Gebiet Kleinmatt Flächen frei, die die Stadt in Zukunft bebauen kann. Anfang der 2030er-Jahre soll der gesamte Stadtteil modernisiert sein – so lautet die Vision.

Folgende Summen will die Stadt ins EWL-Areal stecken

Das zeigt: Das EWL-Areal ist Teil eines grossen Plans der Stadt Luzern, einen neuen Zentrumsteil zu bauen. Kein Wunder, drängen Parteien und Stadträte auf die Umsetzung. Entscheiden werden am 9. Juni allerdings die Bürgerinnen. Konkret geht es beim zweiten Finanzierungsschritt fürs EWL-Areal um folgende Positionen:

  • Die Aufstockung des städtischen Anteils am Aktienkapital der EWL Areal AG um 17,8 Millionen Franken
  • Ein Sonderkredit für den Mieterausbau in Höhe von 35,1 Millionen Franken
  • Ein Sonderkredit für die künftigen Miet- und Nebenkosten in Höhe von 49,9 Millionen Franken
  • Ein Sonderkredit, um der EWL Areal AG ein Darlehen von 50 Millionen Franken zu gewähren

Städtische Ausgaben in Höhe von 150 Millionen Franken seien das nicht, betonte die Finanzdirektorin Franziska Bitzi Anfang Jahr. Darlehen und Aktienkapital seien «werthaltige Kapitalanlagen». Die übrigen Kosten seien angemessen, wegen der städtischen und gemeinnützigen Nutzung des EWL-Areals. Neben dem städtischen Anteil beteiligen sich auch die EWL und ABL an den Gesamtkosten des Projekts.

Verwendete Quellen
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