Wohnen & Bauen
Neues Baarer Quartier nimmt Form an

Unterfeld: Aus zwei Siegerprojekten wird eines gezaubert

Das Unterfeld-Projekt Waldhof hat die Jury am meisten überzeugt. Allen voran den Vorsitzenden Christian Hönger. (Bild: zvg/wia)

Das Gebiet Unterfeld Süd in Baar soll bald überbaut werden und erhält immer klarere Konturen. Nun ist klar, wie die zweite Etappe letztlich aussehen dürfte. Auch wenn die Jury des Projektwettbewerbs dafür eine «Zwangsheirat» befahl.

Wer mit dem Zug, dem Auto oder auf dem Velo beim Unterfeld Süd in Baar vorbeibraust, wird neugierig. 400 Wohnungen sowie rund 1000 Arbeitsplätze sollen in wenigen Jahren am Stadtrand von Zug, jedoch auf Baarer Boden, entstehen. Die Bevölkerung stimmte der Anpassung der Bauordnung und des Zonenplans 2020 klar zu (zentralplus berichtete).

Zwar ist klar, dass zwei Hochhäuser von 50 respektive 60 Metern Höhe gebaut werden sollen. Und dass es die Implenia Immobilien AG ist, welche die ersten beiden Etappen realisiert. Doch darüber, wie das Grossquartier architektonisch daherkommen wird, war bis am Mittwoch wenig bekannt.

Die zweite Bauetappe befasst sich mit den blau umrandeten Gebäuden. (Bild: )

Nun wurde auch der Projektwettbewerb für die zweite Bauetappe abgeschlossen. (Der Wettbewerb der ersten Etappe wurde 2021 durchgeführt). Die Jury würdigte am Mittwochabend in Baar die einzelnen Wettbewerbseingaben und präsentierte das Siegerprojekt. Dadurch erhielt die Bevölkerung eine konkretere Idee, wie es sich am Stadtrand zwischen Baar und Zug bald lebt und arbeitet.

3-D-Modelle waren Pflicht

Zu diesem Zweck wurde ein einstufiger, anonymer Projektwettbewerb durchgeführt, bei dem sechs Architekturteams mitwirkten. Das Besondere daran: Die Projektideen mussten mitunter als digitales 3-D-Modell eingereicht werden. Der Juryvorsitzende Christian Hönger spricht bei der Informationsveranstaltung von einer «Herausforderung für die Büros».

So sieht die zweite Etappe grob gezeichnet aus. Ein Hochhaus, daneben ein rechteckiges Gebäude, bestehend aus vier Flügeln, das innen einen grossen Hof bildet. (Bild: zvg)

Die Gewinnerin des Wettbewerbs: Das Projekt Waldhof der Oester Pfenninger Ulrich Weiz Architekten AG sowie vom Office Leibundgut Bühler Hartmann in Zürich, welche mit den Landschaftsarchitekten Goldrand GmbH gemeinsame Sache gemacht haben.

«In jedem Flügel werden sehr differenzierte Wohnungen geplant.»

Christian Hönger, Juryvorsitzender

«Wir fanden das Projekt im Sinne des Richtkonzepts gut. Ausserdem werden in jedem Flügel sehr differenzierte Wohnungen geplant», sagt Hönger zum Projekt Waldhof. Dadurch entstünden Möglichkeiten für multiple und durchmischte Lebensformen.

Das Hochhaus wird dem Panorama gerecht

Auch mit der Planung des Hochhauses sei die Jury zufrieden. «Es gibt eine klare Eingangssituation, die nicht zu gross ist. Die Architektur erzeugt Erker, das Panorama wird bereits beim Eintreten in die Wohnung inszeniert», so der Juryvorsitzende. Es entstehe ein tatsächliches Gefühl von einem «Wohnen im Turm».

Das Hochhaus, wie es das Siegerprojekt vorsieht. (Bild: wia)

Weiter liest man im Jurybericht: «Der architektonische Ausdruck und die freiräumliche Gestaltung zeigen eine wohltuende Vielfalt in der Einheit.» Gefolgt werden die lobenden Worte von einem ziemlich grossen Aber.

Etwas gar viel Wald

Denn der geplante namensgebende Wald, der gemäss den Architekten im Hof angepflanzt werden sollte, vermochte die Jury nicht zu überzeugen. «Er bildet zu viel Schatten und schränkt ein», sagt Hönger. «Der Wald im Hof erscheint uns eher als ein Kunstprojekt. Er ist radikal, jedoch nicht sehr stimmig.»

Bisschen Urwald in der Urbanität? Warum nicht. Der Jury war das jedoch zu viel. (Bild: zvg)

Stattdessen liebäugelt die Jury mit der Landschaftsarchitektur eines anderen Projektes, nämlich «Città aperta» der Jessenvollenweider Architektur AG in Basel. Die Umgebungsgestaltung wurde durch die Stauffer Rösch AG konzipiert und überzeugte die Gutachter durch ihr «zwiebelartiges Prinzip».

Am Projekt «Città aperta» überzeugte die Jury insbesondere die Landschaftsarchitektur im Hof. (Bild: zvg)

«Eine kiesig ruderale und von den Erdgeschossen aus aneigenbare Filterzone, eine umlaufende multifunktionale Gemeinschaftszone und eine grüne Mitte mit unterschiedlichen Nischen für Aufenthalt und Spiel», heisst es im Jurybericht.

Ein naturnaher Hof ist dennoch erwünscht

«Sehr selbstverständlich eingewebt in dieses klare Konzept sind verschiedenste vegetative Aspekte wie biodiverse Säume, Schmuckvegetation, Strauchschichten und ein Baumhain.» Es entstehe ein sehr attraktiver, naturnaher Hof mit einem diversen, angemessenen Nutzungsangebot.

Mit dem Siegerprojekt Freiraum und dem Siegerprojekt Architektur veranstaltet die Jury nun eine «Zwangsheirat». Sie beide werden zu einem Richtprojekt verarbeitet, welches die Basis für den Bebauungsplan bildet. Über den Bebauungsplan zur ersten Etappe stimmt die Bevölkerung voraussichtlich im Herbst des kommenden Jahres ab. Zur zweiten wohl ein Jahr später. Frühestens 2028 soll die zweite Etappe fertig gebaut sein.

Verwendete Quellen
  • Jurybericht Unterfeld Süd
  • Infoveranstaltung Gemeindesaal
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