Ausbau des Einkaufszentrums

Teilabriss des Metalli: Zuger Megaprojekt wankt

Das Glasdach im Metalli bleibt – auch nach dem Umbau. (Bild: zvg)

Das Zuger Einkaufszentrum Metalli soll wachsen. Doch der Entwurf steckt politisch fest. Obendrein meldet sich jetzt eine Raumplanerin kritisch zu Wort.

Seit fünf Jahren will die Immobilienfirma Zug Estates das Einkaufszentrum Metalli umbauen. Dafür soll das Hauptgebäude um drei Stockwerke wachsen, einen Platz erhalten und ein Hochhaus in Richtung Baarerstrasse. Auch viel Bepflanzung ist geplant, wie beim anderen Megaprojekt von Zug Estates, dem Suurstoffi-Areal in Rotkreuz.

Doch im Gegensatz zur Suurstoffi, die seit 15 Jahren für Staunen sorgt, steht der «Lebensraum Metalli» erst am Anfang. Und wurde kürzlich ausgebremst (zentralplus berichtete). Grund für die Pausierung der Planung ist die angenommene «2000-Wohnungs-Initiative».

Sie fordert, dass 40 Prozent der neuen Wohnflächen in Zugs Verdichtungsgebieten preisgünstig werden. Wie die Metalli-Pläne das erfüllen können, ist aktuell unklar. Zug Estates befindet sich daher im Austausch mit der Stadt.

Neue Metalli soll öffentliche Räume erhalten – ohne Konsum

Aktuell hat das Metalli 55 Geschäfte, 110 Wohnungen und Büroflächen in der Grösse eines Fussballfelds. Trotzdem gilt es für die meisten nur als Einkaufszentrum. Geht es nach der Immobilienfirma, ändert sich das in Zukunft. Denn Zug Estates will dem Zentrum mit dem Umbau ein neues Image verpassen.

Das Einkaufszentrum Metalli gegenüber des Zuger Bahnhofs. (Bild: Zug Estates)

«Der neue ‹Lebensraum Metalli› soll allen Bevölkerungsschichten und über die Ladenöffnungszeiten hinaus offenstehen. Ein Aufenthalt soll jederzeit, auch ohne Druck zu konsumieren, möglich sein», verspricht die Firma auf der Website. Sie hat sich für den Entwurf des Architekturbüros Hosoya Schaefer entschieden.

Es sieht vor, einen Teil der heutigen Passage an der Baarerstrasse abzubrechen. Dafür entsteht ein Stadtplatz, vis-à-vis des Eingangs zum Bahnhof. Links daneben ist ein 70-Meter-Wohnturm geplant. Ausserdem sollen einige Gebäude auf dem Areal um mehrere Ebenen aufgestockt werden (zentralplus berichtete).

Der Entwurf wolle alte Substanz erhalten, betont Zug Estates. (Bild: Hosoya Schaefer Architects AG)

Fassadenbegrünung, Fotovoltaik und öffentlich begehbare Dächer; dazu Flächen für Büros, Kultur, öffentliche Nutzungen und Gastronomie. Harald Klein, 30 Jahre lang Zuger Stadtplaner und frisch pensioniert, meint: «Das Gebiet um den Bahnhof mit der Metalli und den Quartieren nördlich davon wird zum Zentrum urbanen Lebens.» Quasi ein Kontrapunkt zum «klassischen Zentrum» in der Altstadt.

Ursprünglich waren ausserdem 100 bis 150 neue Wohnungen geplant, davon 20 Prozent preisgünstig. Aktuell ist aber unklar, wie viel Wohnungen Zug Estates realisieren wird. Auf Anfrage verweist ein Sprecher auf die laufenden Gespräche mit der Stadt.

Eine Raumplanerin kritisiert den Teilabbruch der Passage

Nicht alle sind vom «Lebensraum Metalli» überzeugt. Kürzlich hat eine Autorin des bekannten Architekturmagazins «Hochparterre» den Entwurf scharf kritisiert. Der Eingriff werde «als städtebauliche Verbesserung» präsentiert. Tatsächlich diene er aber für «mehr Quadratmeter Geschossfläche an einer verkehrsgünstigen Lage», schrieb die Raumplanerin.

In Weiss: altes Metalli. Dunkelrosa: neue Gebäudeteile. Hellrosa: Umbau beim Bergli – erfolgt später. (Bild: Zug Estates)

Sie sagt: Das Metalli werde «leichtfertig verfremdet», indem ein Teil abgerissen werde. Die schlechte Zugangssituation lasse sich auch «durch kleinere Eingriffe in die Einkaufspassage» lösen. Und: Der Wert des postmodernen Komplexes, der in den 1990ern fertig wurde, sei hoch. Auch der Schweizer Heimatschutz findet, das Gebäude sollte erhalten bleiben (zentralplus berichtete).

Die Zuger wünschen sich einen Stadtplatz beim Metalli

Zug Estates und die Architekten sähen das anders, wie sie auf ihrer Website schreiben. Ihr Entwurf erhalte möglichst viel alte Substanz. So hätten es sich die Zuger Bürger im Mitwirkungsverfahren ausdrücklich gewünscht. Es hätte aber noch einen anderen Wunsch gegeben: nämlich einen neuen Stadtplatz.

Denn heute stösst man auf die geschlossene Fassade des Zentrums, wenn man vom Bahnhof her kommt. Der neu geplante Platz dagegen wäre ein «Eingangstor» zur Metalli, finden die Planer. Und rechtfertigen damit den Abbruch eines Teils der Einkaufspassage. Ausserdem brauche das geplante Hochhaus einen Platz davor – rein stilistisch.

Die geschlossene Fassade an der Baarerstrasse. (Bild: Noah Santer, Schweizer Heimatschutz)

Der geplante Platz beim Metalli sei zudem Teil einer «städtebaulichen Vision». Denn auf der anderen Seite am Bahnhof sieht der Bebauungsplan «Baarerstrasse West» ebenfalls einen Platz vor. Die zwei Plätze wären zukünftig nur von der Baarerstrasse getrennt, also quasi Teil eines gemeinsamen Raums.

Wann der Platz am Bahnhof realisiert wird, ist noch unklar. Ebenso unsicher ist, wann die neue Metalli Gestalt annimmt. Auf der Website steht zurzeit: frühstens 2027.

Initiative nimmt Metalli-Planung den Wind aus den Segeln

Aktuell hat Zug Estates die Planung pausiert – trotz erfolgreicher Vorprüfung durch den Kanton. Die Firma ist im Austausch mit der Stadt, um Klarheit über den Einfluss der Initiative auf die Bebauungspläne Metalli und Bergli zu erhalten. Und Sicherheit über die neuen «wirtschaftlichen Randbedingungen». Sprich: ob sich der Umbau noch lohnt.

Auf Anfrage bleibt die Stadt Zug zurückhaltend. «Die Weiterführung des Verfahrens unterstützt die Stadt Zug selbstverständlich», schreibt eine Sprecherin. Es gelte weiterhin zu prüfen, wie die Forderungen der Initiative die Metalli-Pläne beeinflussen. Ob die Stadt Zug den Metalli-Umbau wichtig finde, lässt sie offen.

Zug Estates dagegen betont, weiter hinter der «ausgewogenen» Überbauung zu stehen. Ein Sprecher schreibt: «Wir wollen das Projekt ‹Lebensraum Metalli› sehr gerne weiterverfolgen.» Das hat mehr als einen Grund: Gemäss Website müssen die Gebäude saniert werden. Ausserdem erlaubt der kantonale Richtplan mehr Verdichtung, also mehr Wohnungen beim Metalli.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit der Kommunikationsabteilung von Zug Estates
  • Schriftlicher Austausch mit der Kommunikationsabteilung der Stadt Zug
  • Magazin von Zug Estates
  • Projektwebsite des «Lebensraum Metalli»
  • Rechtsgutachten zur «2000-Wohnungs-Initiative»
  • Artikel im «Hochparterre»
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1 Kommentar
  • Profilfoto von Olafur
    Olafur, 24.03.2024, 08:44 Uhr

    Zug braucht unbedingt mehr urbane Plätze mit guter gestalterische Qualität. Am Mittag ist es schwierig einen schönen Ort für die Verpflegung zu finden. Es wäre schön wenn die geplanten Projekte vorwärts gehen, und man gegenüber Zürich und Luzern auch etwas pulsierendes Stadtleben bieten kann.

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