Halter AG weist Kritik von sich

Streit ums EWL-Areal: Baufirma holt aus zum Gegenschlag

Maik Neuhaus, Geschäftsführer Gesamtleistungen bei der Halter AG, ist für die Planung des EWL-Areals zuständig. (Bild: jal / Halter AG)

Im Streit um die Kosten für das Projekt auf dem EWL-Areal meldet sich jetzt auch die Halter AG zu Wort. Das Bauunternehmen beteuert, die Mehrkosten seien gerechtfertigt. Ein Knall zwischen den beiden Firmen ist denkbar.

Das EWL-Areal hätte zum Vorzeigeprojekt der Stadt Luzern werden sollen. Auf dem Grundstück im Unterlachen-Quartier plant die EWL Areal AG im Auftrag der Stadt ein neues Quartier mit günstigen Wohnungen, neuen Büros und Räumen für die städtische Verwaltung, mit vielen Grünflächen und einem Quartierzentrum in einem historischen Industriegebäude.

Doch so vielversprechend das Projekt klingt – es will bisher nicht in die Gänge kommen. Während der Planung kam es immer wieder zu Verzögerungen und wachsenden Kosten. Eine erneute Medienmitteilung der Stadt und der EWL Areal AG in dieser Woche passt darum in diese Reihe unglücklicher Ereignisse rund um das eigentliche Vorzeigeprojekt: Das Vorhaben soll nochmals 31 Millionen Franken teurer werden als angenommen (zentralplus berichtete).

Halter AG weist Kritik zurück

Für die EWL Areal AG war der Schuldige für die Kostenexplosion schnell gefunden: Das Bauunternehmen Halter AG, das für die Planung des Projekts zuständig ist. Als «inakzeptabel» bewertete sie die neuen Forderungen der Halter AG. In den Kommentaren zur Berichterstattung bestätigten mehrere zentralplus-Leser diese Haltung und vermuteten, dass sich das Bauunternehmen bereichern wolle.

Nun schlägt die Halter AG zurück. In einer Medienmitteilung schreibt das Unternehmen, dass es die Darstellung der EWL Areal AG gegenüber der Öffentlichkeit bedaure. «Die jetzt vorgebrachten, für die Halter AG überraschenden Vorwürfe entziehen sich jeglicher sachlichen Grundlage und irritieren», heisst es weiter.

Änderungen am Projekt führen zu zusätzlichen Kosten

Ein der Mitteilung angefügter Briefwechsel zwischen dem Bauunternehmen und der EWL Areal AG zeigt zudem interessante Details im Streit um die Projektkosten – und offenbart den grossen Unmut beider Parteien. Ein Schreiben der EWL Areal AG datiert vom 20. März und zeigt deren Reaktion auf den Kostenanstieg. Sie nehme die neuen Projektkosten von 230 Millionen Franken «konsterniert» zur Kenntnis. Es handle sich um eine simple, aber massive Kostenerhöhung, obwohl die Halter AG noch im Januar beteuert habe, dass das Projekt nicht teurer wird als angenommen.

Das neue EWL-Areal könnte deutlich teurer werden. (Bild: EWL Areal AG)

Dem hält die Halter AG entgegen. Die Zusatzkosten seien entstanden, weil die EWL Areal AG im Lauf der Planung immer wieder Änderungen am Projekt vorgenommen und bestellt habe. Die Baufirma schreibt in ihrem Brief vom 29. März an die EWL Areal AG: «Es ist denn auch so, dass ein erheblicher Teil der Mehrkosten [...] durch Bestellungsänderungen von der Bestellerin beziehungsweise deren zukünftigen Nutzern ausgelöst wurde.» Tatsächlich hat sich das Projekt seit seiner ersten Präsentation im Jahr 2019 schon deutlich verändert.

Eigentlich sollte das EWL-Areal zur neuen Sicherheitszentrale von Luzern werden – mit Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehr und VBL-Leitstelle. Doch der Kanton entschied 2020 überraschend, die integrierte Polizeileitstelle in Rothenburg anzusiedeln und stieg aus. Auch das Kantonsspital änderte seine Absichten und stationiert künftig nur zwei Rettungsfahrzeuge auf dem EWL-Areal (zentralplus berichtete). Dafür können auf dem Areal deutlich mehr preisgünstige Wohnungen gebaut werden.

Neues geologisches Gutachten verschärft Frage der Kosten

Als weiteren Grund für die gestiegenen Kosten nennt die Halter AG auf Anfrage von zentralplus ein neues geologisches Gutachten vom Herbst 2022. Dieses zeige im Vergleich zu einem Gutachten aus dem Jahr 2017, das die EWL Areal AG damals in Auftrag gegeben hat, «grundlegend schlechtere Verhältnisse im Baugrund».

«Wir können und wollen nicht die Verantwortung für organisatorische und fachliche Defizite auf Bestellerseite übernehmen.»

Maik Neuhaus, Geschäftsführer Gesamtleitung Halter AG

Das Ausheben und die Stabilisierung der Baugrube sowie die Pfahlarbeiten werden darum deutlich teurer. Allein diese Mehrkosten belaufen sich auf rund neun Millionen Franken. «Seit Bekanntwerden der sich abzeichnenden Mehrkosten wurde die EWL Areal AG transparent und umgehend informiert», beteuert das Unternehmen.

Preiserhöhung zu «extremer Unzeit»

Diese Argumentation greift einen weiteren Kritikpunkt der EWL Areal AG auf: Die Preiserhöhung komme zu einer «extremen Unzeit». Denn nur wenige Tage vor dieser Information hat die Stadt auf Basis der ursprünglichen Projektkosten über den nächsten Finanzierungsschritt für das EWL-Areal informiert (zentralplus berichtete).

Diesen Vorwurf findet die Halter AG «unangebracht». Die Firma schreibt in ihrer Replik an die EWL Areal AG: «Wir haben in der Vergangenheit die Bestellerin [...] stets zeitnah und transparent über zu erwartende Mehrkosten informiert, und zwar gänzlich unabhängig von der politischen Agenda.» Maik Neuhaus, Geschäftsleiter Halter Gesamtleitung, führt auf Anfrage aus: «Die Koordination des politischen und des planungstechnischen Prozesses ist ausserhalb unseres Kompetenz- und Einflussbereiches.»

Es könnte gar zum Knall kommen

Die Positionen der zwei Unternehmen könnten derzeit nicht weiter auseinander liegen. Ob sich die beiden Parteien jetzt noch auf einen Preis einigen können, ist fraglich. Besonders die EWL Areal AG macht keinen Hehl aus ihrem Unmut und schreibt der Halter AG: «Ihr Verhalten zwingt uns zu einer Lagebeurteilung. Wir müssen und werden uns alle Optionen offenhalten.» Möglich ist es also sogar, dass die EWL Areal AG die Verhandlungen abbricht und eine neue Firma für die Planung beauftragt.

Maik Neuhaus von der Halter AG wiederum sagt, dass das Unternehmen seinen «maximalen Beitrag» zur Lösungsfindung und zum Gelingen des Projekts beitragen wird. Bevor er zu einem letzten Seitenhieb ausholt: «Wir können und wollen jedoch nicht die Verantwortung für organisatorische und fachliche Defizite auf Bestellerseite übernehmen.»

Klar ist also nur: Ruhig wird es um das Luzerner Vorzeigeprojekt vorerst nicht.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Anna Domagal
  • Medienmitteilungen der Halter AG und der EWL Areal AG
  • Briefwechsel zwischen der Halter AG und der EWL Areal AG
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