Pläne zum Holzhochhaus «Pi» veröffentlicht

Stadt Zug plant günstigen Wohnraum auf 10’000 Quadratmetern

So luftig könnte das Leben im Holzhochhaus «Pi» an der Baarerstrasse in Zug werden. (Bild: zvg Tech Cluster Zug)

Die Baarerstrasse in Zug wandelt sich. Bald diskutiert der Grosse Gemeinderat über das Holzhochhaus «Pi». Die Überbauung soll das Stadtbild signifikant verändern und gleichzeitig die Wohnungsnot lindern.

Das Stadtzuger Geviert, auf dem das Gewerblich-Industrielle Bildungszentrum Zug (GIBZ) sowie die «Rote Post» stehen, soll sich mittelfristig drastisch verändern. Das Gebiet zwischen Baarer-, Göbli-, Industrie- und Mattenstrasse gehört vier Grundeigentümern, namentlich dem Kanton, einer Stockwerkeigentümerschaft, der Vaudoise-Versicherung sowie der Urban Assets Zug AG.

Sie gedenken, ihre Grundstücke neu zu bebauen respektive auszuloten, welche Verdichtungsmöglichkeiten in den Bestandsbauten möglich ist. Dazu braucht es einen ordentlichen Bebauungsplan. Dieser wird im Juni im Grossen Gemeinderat in erster Lesung beraten.

Verdichtung ist hier Trumpf

«Ziel des Bebauungsplans ist es, die Potenziale des Gebiets auszuschöpfen sowie für Bevölkerung, öffentliche Hand und Grundeigentümer Mehrwerte zu schaffen», heisst es in der Vorlage des Stadtrats, die nun öffentlich ist. Das mit Abstand markanteste Projekt dürfte das geplante Holzhochhaus «Pi» werden, das auf dem Grundstück der Urban Assets Zug AG (ehemals V-Zug Immobilien AG) entstehen soll und bereits einige Vorschusslorbeeren geerntet hat (zentralplus berichtete). Beim Gebäude sind 90 Prozent Wohnnutzung vorgeschrieben.

Zwar sind gemäss Hochhausreglement im Perimeter grundsätzlich Hochhäuser bis zu 60 Metern erlaubt, da es sich beim «Projekt Pi» jedoch um eine «besonders gute städtebauliche Lösung» handelt, darf dieses bis zu 80 Meter hoch werden. Zum Vergleich: Nur der «Park Tower» nahe dem Bahnhof Zug erreicht mit seinen 81 Metern im Kanton Zug dieselbe Höhe.

So könnte das Hochhaus «Pi» dereinst aussehen. (Bild: zvg)

Rotes Postgebäude wird erneuert

Die heutige «Rote Post» soll durch einen Neubau ersetzt werden, welcher sich an der Grundfläche des Bestandsgebäudes orientiert. Dieser soll 30 Meter hoch werden, mindestens 50 Prozent davon ist für Wohnnutzungen vorgesehen. Insgesamt lässt der Bebauungsplan für die «Rote Post» und das «Projekt Pi» 32’500 Quadratmeter anrechenbare Geschossfläche (aGF) zu. Knapp 10'000 Quadratmeter der Wohnfläche müssen gemäss Stadt preisgünstig werden.

Auf dem Grundstück der GIBZ, welches dem Kanton gehört, können zusätzliche 31'650 Quadratmeter aGF durch Aufstockung und einen Neubau am südöstlichen Perimeter entstehen. Diese Fläche ist jedoch einzig für eine schulische Nutzung zugelassen.

Für Zuger Verhältnisse hoch: Das geplante Holzhochhaus «Pi» wird die allermeisten städtischen Gebäude überragen. (Bild: zvg)

Der Freiraum ist limitiert, aber dennoch im Fokus

Im Bebauungsplan wird der Fokus auch auf das Thema Freiraum gelegt. «Die Planung zielt darauf ab, eine Abfolge von Räumen mit individuellen Freiraumqualitäten und Atmosphären zu schaffen. Themen wie Verweilen, Treffpunkt, Aufenthalt, Spielen und Bewegung stehen im Vordergrund. Zentraler Ort des Areals ist das GIBZ», heisst es im Stadtratsbericht.

Das bedeutet, dass ein Grossteil der Freiräume auf dem Areal auf die Nutzung durch die Schüler des GIBZ ausgelegt ist. Mehr Freiräume zu haben, entspricht einem Bedürfnis der Schülerinnen, wie vorgängig gemachte Befragungen zeigten. «Gleichzeitig wird der Freiraum von multifunktionalen Aufenthaltsangeboten überlagert, die auch den umgebenden Wohn- und Arbeitsnutzungen genügend Raum bieten», so der Bericht.

Da der Aussenraum auf Höhe des Erdgeschosses knapp sei, müsse auf diversen Flachdächern im Rahmen der Architekturwettbewerbe geprüft werden, ob und wie eine intensivere Dachnutzung, etwa durch Spielbereiche oder begrünter Dachgärten, möglich sei. Dazu müssten bei den Flachdächern auch Fotovoltaikanlagen entstehen.

Oberirdisch praktisch autofrei

Der Autoverkehr des Gevierts soll über zwei Tiefgaragen erschlossen werden, oberirdisch wird das Gelände praktisch autofrei gestaltet. Die Baubereiche des GIBZ und des «Projekts Pi» sollen unterirdisch über die bestehende, für das Hochhausprojekt leicht erweiterte Tiefgarage des GIBZ erschlossen werden. Das Portal der Tiefgarage befindet sich an der Industriestrasse. Der Baubereich der «Roten Post» wird über eine eigene Tiefgarage mit Einfahrt ab Mattenstrasse erschlossen.

247 Parkfelder sind für den gesamten Perimeter zulässig. Davon entfallen bloss 34 Parkfelder auf die 183 geplanten Wohneinheiten des «Pi». Tatsächlich ist gemäss den Verantwortlichen des Tech Clusters zu erwarten, dass mancher Bewohner des Hochhauses auf ein eigenes Auto verzichtet. Entsprechend setzt das Mobilitätskonzept des Projekts vor allem auf den Fuss- und Veloverkehr, auf ÖV und Car-Sharing.

So sieht das Gelände heute aus, auf dem das Hochhaus «Pi» dereinst stehen sollte. (Bild: wia)

Mindestens 1300 Veloparkplätze

Für den Fuss- und Veloverkehr sollen diverse öffentliche Wege um und durch das Areal hindurch angeboten werden. Insgesamt sind auf dem Areal mindestens rund 1300 Veloparkplätze geplant. 513 allein für das GIBZ.

Mit der Vorlage schlägt die Stadt gleich mehrere Fliegen respektive Legislaturziele mit einer Klappe. «Die Vorlage unterstützt sowohl die Bestrebungen des Stadtrats nach einem attraktiven und hochwertig gestalteten Lebens- und Wirtschaftsraum, nach einer umweltbewussten Stadt und nach attraktiven und verlässlichen Bedingungen für den Wirtschaftsstandort», heisst es von offizieller Seite.

So geht es nun weiter

Am 4. Juli wird der Bebauungsplan im Grossen Gemeinderat in erster Lesung behandelt. Die zweite Lesung ist im kommenden November geplant. Sollte alles rundlaufen, könnte der Bebauungsplan im Sommer 2024 genehmigt werden.

Verwendete Quellen
2 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon