Bergstation und Aussichtsturm für 120 Millionen

Spektakulärer Titlis-Neubau: Jetzt geht es los

Für die Architekten bilden Turm und Bergstation eine Einheit. (Bild: Visualisierung Herzog & de Meuron)

Bis zum Jahr 2029 entstehen auf dem Titlis oberhalb von Engelberg eine neue Bergstation und ein Aussichtsturm. Das Projekt der weltbekannten Architekten Herzog & de Meuron soll zum «Leuchtturm» für den Schweizer Tourismus werden.

Ende 2018 stellten die Titlis-Bergbahnen ihr Millionenprojekt auf dem Titlis erstmals vor. Bereits ein Jahr später sollten die ersten Bauarbeiten starten, doch dann folgte die Coronapandemie und um die neue Bergstation war es lange still.

An einer Medienkonferenz am Freitagvormittag brachen die Bergbahnen nun ihr Schweigen. Die Botschaft: Nach jahrelangem Mühen sind nun fast alle Bewilligungen vorhanden. Der Verwaltungsrat hat grünes Licht gegeben. Nächste Woche beginnen die ersten Arbeiten für den Neubau der Bergbahnen durch die Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron.

Veraltete Bergstation stösst an Kapazitätsgrenzen

Über eine Million Gäste finden jedes Jahr ihren Weg auf den Titlis oberhalb von Engelberg. In Spitzenzeiten weilen bis zu 2000 Besucher gleichzeitig auf dem Gipfel. Da die veraltete Bergstation aus dem Jahr 1967 an ihre Kapazitätsgrenzen stösst, braucht es gemäss dem Unternehmen frischen Wind.

«Der Neubau könnte zu einem Leuchtturm für den Schweizer Tourismus werden», sagte Hans Wicki, Verwaltungsratspräsident der Titlis-Bergbahnen, an der Medienkonferenz. Nach jahrelangen Behördenkämpfen für die Bewilligungen freue er sich, dass es jetzt losgeht.

«Aus Bar und Restaurant blickt man in alle vier Richtungen der Schweiz.»

Pierre de Meuron, Architekt

Das Wort Leuchtturm ist keine Metapher. Die Architekten von Herzog & de Meuron planen, den alten Richtstrahlturm aus den 1980er-Jahren, der als Antenne bestehen bleiben wird, zu einem modernen Aussichtsturm mit Bar und Restaurant für 250 Personen umzubauen. Dafür schieben sie zwei Baukörper kreuzweise in die bestehende Stahlkonstruktion ein.

Für Pierre de Meuron ist die Lage des Berges entscheidend. Nahe dem Mittelpunkt der Schweiz thront der Gipfel in den Wolken. Seine Architektur soll das widerspiegeln. «Die beiden übereinandergelegten Gebäudeteile erinnern aus der Luft an ein Schweizerkreuz», erklärte er. «Aus Bar und Restaurant blickt man in alle vier Richtungen der Schweiz.»

Die Bergstation als Kristall

Unweit davon entfernt entsteht der Neubau der Bergstation. Sie wird auf den alten Fundamenten errichtet und übernimmt grosse Teile der vorhandenen Technik. Denn Material auf 3000 Meter über Meer zu transportieren, sei ein Kraftakt. Nicht nur wegen Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Kilometer pro Stunde, sondern auch wegen des Schnees. Es gelte: Verwenden, was da ist.

«Wir haben uns mit der Struktur von Kristallen beschäftigt.» 

Pierre de Meuron

Die Bergstation selbst greift die gitterförmige Struktur des Turms auf. Das ist nicht nur ökonomisch, sondern auch eine gestalterische Idee. «Wir haben uns mit der Struktur von Kristallen beschäftigt», sagte Pierre de Meuron an der Pressekonferenz. Ihre kantige Form habe die Basler Architekten inspiriert. Der Turm und die Bergstation werden weiterhin unterirdisch mit einem Stollen verbunden sein und oberirdisch durch den Gletscher. Gäste können direkt aus der Bergstation auf den Gletscher und bis zum Aussichtsturm gehen.

«Das wesentliche Zentrum der Bergstation ist die neue Halle», erläuterte der verantwortliche Architekt. Klare Linien, Grossräumigkeit und Übersichtlichkeit stehen hier im Zentrum. Dazu kommen drei Restaurants und ein Panoramawalk in Richtung Melchsee-Frutt – dieser Blick ist aus der heutigen Bergstation nicht möglich.

Eine zweite Bahn gegen Helikopterflüge

Doch noch vor den Arbeiten an diesen Baukörpern wird eine zweite einspurige Seilbahn unterhalb der Bergstation errichtet. Während der Bauzeit kann damit Material transportiert werden, während die Gäste die alte Bahn benutzen. So können auch teure Helikopterflüge reduziert werden. Später dient die Zweitbahn zur Evakuierung.

Nach dem Bau der zweiten Linie und einer Pistenfahrzeughalle nahe dem Turm beginnen dann die Arbeiten am Turm. «Wir wollen erst den Turm erstellen, bevor wir die grossen Eingriffe in der Bergstation angehen», erklärte Patrick Zwyssig, Präsident der Baukommission. Denn während der gesamten Bauzeit werde der Tourismus weitergeführt, auch durch einen Anbau an der Südseite der alten Bergstation.

«Ein Projekt in der Innerschweiz, von Innerschweizern.»

Pierre de Meuron

Gemäss aktuellem Zeitplan erreichen die ersten Gondeln die Bergstation im Jahr 2029, der Turm soll 2026 fertig werden.

Das Projekt wird teurer

Dass die Bahnen nicht schliessen, freut nicht nur die Touristen, sondern auch das Portemonnaie der Titlis-Bergbahnen. Denn diese wollen das Projekt selbst finanzieren. Oder wie Pierre de Meuron sagte: «Ein Projekt in der Innerschweiz, von Innerschweizern.» 120 Millionen Franken wird es kosten – 20 Millionen mehr als vor fünf Jahren angenommen. Die Gründe dafür seien die Teuerung, Lieferengpässe sowie neue Auflagen und Erkenntnisse, erklärte Verwaltungsratspräsident Hans Wicki.

Günstiger wird für die Bahnen dagegen die Stromrechnung. Der heutige Energieverbrauch von jährlich mehr als 100’000 Liter Heizöl werde mit dem Neubau massiv zurückgehen. Dieser verbrauche künftig 80 Prozent weniger Energie und 53 Prozent weniger Wärme. Die grossen Glasflächen würden künftig grosszügig Sonnenwärme ins Gebäude lassen.

Verwendete Quellen
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