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Witenthor: Malters tauscht viel Land gegen wenig Land

Das ist der Hof im Feld in Malters, den die Gemeinde gegen den Hof Witenthor tauschen will. (Bild: Google Street View)

Die Gemeinde Malters schlägt der Bevölkerung einen Landtausch vor. Das sei eine einmalige Chance, sich Fläche für die weitere Entwicklung zu sichern. Fakt ist: Es ist ein ungleicher Deal.

Der Bauernhof Witenthor gehört der Gemeinde Malters. Es ist eine Liegenschaft mit einer bewegten Geschichte. Ursprünglich stand dort ein Bürgerheim, das 1870 erbaut wurde. Der angegliederte landwirtschaftliche Gutsbetrieb sorgte für Arbeit und Einkommen.

Mit der Eröffnung des Alterswohnheims Bodenmatt im Jahr 1988 wurde das Bürgerheim abgelöst. Die Gebäude des ehemaligen Bürgerheims wurden im Jahr 2010 an einen privaten Investor verkauft. Heute ist dort ein Pferdehof mit Wohnungen. Die Gemeinde behielt aber die landwirtschaftliche Liegenschaft Witenthor.

Witenthor gegen das Feld: Ein Millionendeal für den Landwirt

Nun aber kommt Bewegung in die Sache. Der Gemeinderat hat einen Landabtausch im Auge. Und zwar will er die Liegenschaft Witenthor mit der landwirtschaftlichen Liegenschaft «Feld» tauschen. Das rund 147'000 Quadratmeter grosse Gelände – wo heute Hochstammobst gedeiht – gehört einem landwirtschaftlichen Unternehmer, der dort den einen Bauernhof inklusive Laden betreibt. Er will sein Land der Gemeinde abgeben, damit sein Sohn ab 2025 auf dem Witenthor bauern kann.

Das ist ein guter Deal. Vor allem für den Bauern. Denn die Liegenschaft Witenthor ist mit 225'000 Quadratmetern fast doppelt so gross wie das «Feld». Der 1:1-Tausch würde also dazu führen, dass der Landwirt einen deutlich grösseren Betrieb aufziehen könnte – ohne Geld auszugeben. In Zahlen ausgerückt: Er tauscht das «Feld» mit einem aktuellen Verkehrswert von 1,69 Millionen Franken mit dem Witenthor, das rund 3,26 Millionen Franken wert ist.

Das Ziel: Landreserven für die Zukunft sichern

Verscherbelt die Gemeinde damit ihr Tafelsilber? Gemeindeammann Marcel Lotter sieht das nicht so. Denn das «Feld» liegt – im Gegensatz zum Witenthor – mitten im Dorfkern. Die Liegenschaft grenzt an bestehende Bauzonen. Ein Teil davon ist Landwirtschaftszone, ein Teil sogenannte Reservezone. Und darauf spekuliert die Gemeinde.

«Dieser Landabtausch ist eine einmalige Chance für die Gemeinde, sich wichtige Flächen für die Schulanlagen und das Alters- und Pflegeheim Bodenmatt zu sichern», schreibt Lotter auf Anfrage. Zudem könnten grosse Baulandreserven gesichert werden, mit denen die Gemeinde ihre raumplanerische Entwicklung steuern könne.

«Dieser Landabtausch ist eine einmalige Chance für die Gemeinde.»

Gemeindeammann Marcel Lotter

Zum Wert der Grundstücke ist zu sagen: Dieser entspricht zurzeit dem Landwirtschaftswert. Damit die Gemeinde Malters das Land anders nutzen könnte, müsste es zuerst eingezont werden. «Zurzeit ist die Einzonung nicht möglich, bevor das Verdichtungspotenzial ausgeschöpft ist», so der Gemeindeammann. Klar sei aber: «Langfristig ist mit der Einzonung dieses Grundstückes ein erheblicher Gewinn für die Öffentlichkeit zu erwarten.»

Den Bauernhof zu halten, bringt der Gemeinde nichts

Der Landwirtschaftsbetrieb Witenthor ist noch verpachtet. Der Pächter wird Ende 2025 pensioniert. Einen Nachfolger zu suchen, macht aus Sicht von Lotter keinen Sinn. Das Halten eines Bauernhofs sei nicht Kernaufgabe einer Gemeinde. «Mit dem Verpachten des Landwirtschaftsbetriebs kann das investierte Kapital nicht sinnvoll bewirtschaftet werden. Die Pacht wirft nur einen bescheidenen Nettoertrag ab», meint der Gemeindeammann.

Die entsprechenden Tauschverträge sind am Dienstag unterzeichnet worden, wie die Gemeinde Malters mitteilt. Das letzte Wort hat aber die Stimmbevölkerung. Der Vertrag tritt erst in Kraft, wenn die Stimmberechtigten von Malters am 27. November Ja dazu sagen.

Verwendete Quellen
  • Geoportal des Kantons Luzern
  • Medienmitteilung der Gemeinde Malters
  • Mailaustausch mit Stephan Weber, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde Malters
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