Fast 200 neue Wohnungen

In diesem Baarer Quartier entstehen spezielle Wohnformen

Die Visualisierung des Areals Göbli zeigt ein grünes, luftiges Quartier. (Bild: zvg/ Lütjens Padmanabhan Architekt*innen)

An der Grenze zwischen Baar und Zug wird bald gebaut. Im Spickel, um den der offizielle Veloweg via Inwil sowie die Göblistrasse führt, entsteht das Areal Göbli. Und damit eine Vielzahl an Wohnungen, darunter eine besondere.

Es gibt bereits viele Baupläne, welche die Gemeinden Baar und Zug stärker zum Verschmelzen bringen. Nun nimmt mit der Wohnüberbauung «Im Göbli» ein weiterer Plan Form an (zentralplus berichtete).

Derzeit stehen zwischen der Göblistrasse und der Baarermattstrasse Bauprofile. Auf dem noch unüberbauten Landspickel, um den der Veloweg via Inwil führt.

Sie weisen darauf hin, dass in den nächsten Jahren sechs grössere Wohnblöcke gebaut werden sollen. Von oben sehen diese aus wie sechs etwas abstrahierte, einzelne Socken; keines der Häuser ist einfach rechteckig, vielmehr haben sie jeweils einen Knick. In diesen Mehrfamilienhäusern entstehen insgesamt 185 Mietwohnungen.

Auch eine Clusterwohnung ist geplant

Entstehen sollen kompakte 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen, aber auch Maisonette- sowie grosse Familienwohnungen. Die Bauherrschaft erhofft sich ein Quartier für ein durchmischtes Publikum. Singles, Familien, Alt und Jung sollen auf dem Areal Göbli zusammenkommen.

Der Bebauungsplan Areal Göbli sieht sechs Mehrfamilienhäuser vor. (Bild: zvg/ Areal Göbli)

Eine Besonderheit: Im Haus B plant die Zuger Pensionskasse eine sogenannte Clusterwohnung. Marco Kaufmann, Geschäftsführer der Zuger Pensionskasse, erläutert: «Die Clusterwohnung ist eine grosse Wohneinheit für sechs bis acht Personen, die wir im Erdgeschoss, nahe den gemeinschaftlichen Nutzungen im Aussenraum platziert haben.»

Mit der Anordnung der Zimmer und Nasszellen und einem grosszügigen Gemeinschaftsbereich für Wohnen und Essen sei sie auf ein familienartiges Zusammenleben von Jung und Alt ausgelegt. «Es handelt sich hier um einen Pilotversuch der Zuger Pensionskasse», so Kaufmann weiter.

Zwei Architekturteams planen mit

Die Bauherrin, die Zuger Pensionskasse, plant ein verkehrsfreies Quartier mit vielfältig nutzbaren Aussenräumen. Die sechs Gebäude werden nicht durch ein einziges, sondern durch zwei Architekturteams realisiert. Lütjens Padmanabhan Architekt*innen aus Zürich arbeiten die nördlich gelegenen Baufelder A, B, E und F aus. Die Baufelder C und D übernimmt das Architekturbüro Bruther, ebenfalls aus Zürich.

Erstere realisieren vier Holzbauten, die sich optisch an die ortsangestammte Bauweise anlehnen. «Trotz enger Vorgaben der Holzbauweise wirken die Bauten nicht kleinteilig, sondern grosszügig, modern und selbstverständlich», schreiben die Verantwortlichen auf der Website.

So sieht das Areal heute aus. (Bild: wia)

Das Büro Bruther aus Zürich plant bei seinen zwei Gebäuden einen minimalistischen Entwurf, der «radikal nachhaltig» sei. Aus CO2-neutralem Beton soll eine rohbauartige Konstruktion entstehen.

«Was dabei entsteht, mutet jedoch nicht sparsam an, sondern im Gegenteil offen und grosszügig wie ein loftartiges Ferienhaus», heisst es zum Skelettbau. «Die Konstruktion setzt auf Dauerhaftigkeit, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sowie eine Reduktion der Betriebsenergie durch Solareinträge.»

Freiraum soll auch Auswärtigen zur Verfügung stehen

Die Überbauung im Göbli wurde nach den Leitsätzen der 2000-Watt-Gesellschaft entwickelt. Auf den Dächern kommen Photovoltaikanlagen zu stehen, das Quartier wird an die Energiezentrale Circulago angebunden. Damit wolle man den CO2-Ausstoss auf ein Minimum reduzieren.

In der Mitte des 25’000 Quadratmeter grossen Areals Göbli ist gemäss Bebauungsplan ein grosser Freiraum geplant. Dieser wird öffentlich zugänglich und nutzbar sein. Nicht nur das: Der offizielle Verbindungsweg führt für Fussgängerinnen durchs Quartier hindurch.

So ähnlich könnte das Areal Göbli künftig aussehen. (Bild: zvg/ Lütjens Padmanabhan Architekt*innen)

«Zur hohen Aufenthaltsqualität tragen Sitz- und Spielmöglichkeiten, Grillplätze, ein Schattendach und Orte zum Verweilen bei.» Der bisher eingedolte Aarbach, der entlang der Göblistrasse in Richtung Westen fliesst, wurde bereits geöffnet. «Er verbindet das Siedlungsgebiet mit der Landwirtschaftszone und dient mit naturnah gestalteten Uferbereichen als Erholungsraum für die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers.»

Aussenräume sind im Sinne einer «Schwammstadt» geplant

Bei der Gestaltung des Aussenraums wollen die Haag-Landschaftsarchitekten ein gutes Mikroklima schaffen, das die Biodiversität fördere. Es gelte das «Schwammstadt-Prinzip». Heisst: Anfallendes Regen- und Oberflächenwasser wird vor Ort aufgenommen und gespeichert, was sich regulierend auf den Wasserhaushalt auswirkt.

Die Haupterschliessung des Quartiers wird von drei Seiten erfolgen. Im Norden via Baarermattstrasse, im Westen via Göblistrasse und im Süden via Lüssiweg. Der Anwohnerverkehr wird vom Quartierrand direkt in die Tiefgarage geleitet.

Wohnen für unterschiedliche Budgets

Und wie steht es um den preisgünstigen Wohnraum? Dieses Thema hat die Zuger Pensionskasse etwas unorthodox gelöst. Laut ihr sei preisgünstiger Wohnungsbau im Sinne des Zuger Wohnraumförderungsgesetzes nicht vorgesehen.

«Um eine gute soziale Durchmischung zu gewährleisten, wurde stattdessen ein umfassendes Konzept erarbeitet, welches sich mit drei differenziert gestalteten Wohn- und Angebotswelten bewusst an ein breites Bewohnerspektrum mit unterschiedlichen Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten richtet», erklärt der Mediensprecher. Ausgangspunkt sei der Bebauungsplan aus dem Jahr 2013, auf dem das Bauprojekt basiert. Mit diesem komme die Zuger Pensionskasse dem Wunsch der Zugerinnen nach günstigem Wohnraum «sehr gut und sinnvoll» nach, findet Marco Kaufmann, Geschäftsführer der Zuger Pensionskasse.

Läuft für die Zuger Pensionskasse im Planungs- und Bauprozess alles rund, dürften die Wohnungen 2027 bezugsbereit sein.

Verwendete Quellen
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