Acht Neubauten entlang des Dorfbachs

Horwer Baugenossenschaft baut 180 neue Wohnungen

Architektin Pascale Guignard erklärt das Siegerprojekt «Serpente». (Bild: ewi)

Die Baugenossenschaft Familie Horw besitzt im Zentrum zahlreiche Häuser. Ein Teil davon ist aber in die Jahre gekommen und wird nun ersetzt. Das Neubau-Projekt überrascht durch seine Architektur.

Quer durchs Horwer Zentrum, von der Allmend bis zum Vierwaldstättersee, fliesst der Horwer Dorfbach. Sein heutiges Bachbett ist aber öde, begradigt und ziemlich schmal. Doch schon bald soll der Bach mehr Platz erhalten – und auf dem Abschnitt zwischen Krienser- und Schulhausstrasse auch eine neue Nachbarschaft. Denn am rechten Bachufer entstehen in den kommenden Jahren acht neue Wohnhäuser und insgesamt 180 neue Wohnungen.

180 neue Wohnungen in acht Neubauten

Hinter dem Projekt an der Bachstrasse steckt die Baugenossenschaft (BG) Familie Horw. Sie ist mit insgesamt 217 Wohnungen in 19 verschiedenen Gebäuden eine der grössten Baugenossenschaften in Horw. Und sie wird ihr Portfolio in den nächsten Jahren nochmals mächtig aufstocken. Mit den Ersatz-Neubauten an der Bachstrasse baut sie rund 100 zusätzliche Wohnungen und vergrössert ihre bisherige Wohnungszahl somit um fast die Hälfte.

Klar, dass die BG Familie Horw bei so einem Grossprojekt nichts dem Zufall überlassen will. Darum hat sie acht Architekturbüros zu einem Wettbewerb eingeladen. Am Freitagabend hat die Baugenossenschaft das Siegerprojekt «Serpente» der Öffentlichkeit präsentiert.

Heute ist die Bachstrasse in Horw wenig attraktiv. Sie soll künftig gar verkehrsfrei werden. (Bild: ewi)

Beim Projekt der Guignard & Saner Architekten aus Zürich ist der Name Programm. Denn die Neubauten schlängeln sich tatsächlich gleich einer Schlange in einem Schilfgürtel dem Ufer des Dorfbachs von Norden nach Süden entlang. Sieben neue Häuser werden so positioniert, der achte Neubau entsteht auf der anderen, bachabgewandten Seite der Bachstrasse.

«Wir werden an der Bachstrasse künftig nicht dieselben Mieter haben wie heute.»

Thomas Zemp, Präsident Baugenossenschaft Familie Horw

Der Horwer Gemeinderat und Bauvorsteher Thomas Zemp ist gleichzeitig Präsident der Baugenossenschaft Familie Horw. Ihn hat insbesondere die Anordnung der Gebäude überzeugt: «Obwohl die Parzelle länglich und schmal ist, ist das Siegerprojekt kein Riegel, der das Quartier in zwei Teile teilt. Sondern das Projekt ist sehr durchlässig.» Eine Qualität, die auch der Wettbewerbsjury aufgefallen ist. Stellvertretend für die Jury sagt Fabian Kaufmann, dass das Siegerprojekt die umliegenden Räume «verblüffend miteinander verwebt».

Architektur fördert das Zusammenleben

Wie gelingt das? Die Gebäude haben eine Z-ähnliche Form und abgerundete Kanten. So bildet jedes Haus einen Innenhof mit dem Nebengebäude. Diese Höfe sind abwechselnd mal in Richtung Bachstrasse, mal in Richtung Dorfbach ausgerichtet. «In einer Baugenossenschaft ist das Zusammenleben sehr wichtig», betont Architektin Pascale Guignard vom verantwortlichen Büro. «Die begrünten Innenhöfe sollen zu diesem Zusammenleben beitragen.»

Ein weiteres Element zu diesem Zweck sind die jeweiligen Eingangshallen. Diese sind so angeordnet, dass es vom einen Gebäude ganz im Norden bis zum anderen Gebäude ganz im Süden der Bachstrasse einen zusammenhängenden Durchgang gibt. «Wie eine Perlenkette» seien die einzelnen Gebäude so miteinander verbunden, ergänzt Guignard.

Das dritte Element, das beim Siegerprojekt «Serpente» heraussticht, ist die Einstellhalle. Alle Parkplätze an der Oberfläche verschwinden in Zukunft in den Untergrund. Rund 130 Parkplätze für Autos und 330 Veloabstellplätze entstehen so. Das Siegerprojekt ordnet die Einstellhalle eher auf der Seite des Bachs an. Das ermöglicht es, auf der Seite der Bachstrasse relativ grosse Bäume zu pflanzen, weil keine Rücksicht auf die maximale Traglast der Halle genommen werden muss. Das schafft neue Aufenthaltsqualität entlang der Bachstrasse.

«Die Strasse hat ein sehr grosses Potenzial als Freiraum», ist auch Genossenschaftspräsident Thomas Zemp überzeugt. «Im besten Fall können wir so sogar eine autofreie Strasse machen.» Der neu entstehende Freiraum habe beim Entscheid für das Siegerprojekt darum eine wichtige Rolle gespielt. Weil die Gebäude gut angeordnet sind, geht trotz der vielen Grünflächen kein Wohnraum verloren. Im Gegenteil. «Das Siegerprojekt plant von allen Projekten am meisten Wohnungen», sagt Zemp. Auch ist die neue Bebauung wesentlich dichter als der Bestand, da die neuen Häuser zwei zusätzliche Stockwerke plus ein Attikageschoss erhalten.

Neue Wohnungen werden deutlich teurer

Bei allem Lob hat die Sache aber auch einen Haken. In den Neubauten werden die Wohnungen erheblich teurer als bisher. 700 bis 900 Franken beträgt die Miete an der Bachstrasse heute für eine 3,5-Zimmer-Wohnung. Die künftigen Mietpreise sind noch nicht bekannt, doch Zemp schätzt, dass diese rund doppelt so teuer werden. «Am Anfang sind die neuen Wohnungen natürlich vergleichsweise teuer, aber der Mietpreis wird dafür über die nächsten Jahre stabil bleiben.»

Trotzdem wird der Umbau der Bachstrasse unweigerlich zu einem Verdrängungsprozess führen. Dessen ist sich auch Thomas Zemp bewusst. «Wir werden an der Bachstrasse künftig nicht dieselben Mieter haben wie heute.» Einige der Häuser entstanden in den 40er-Jahren und wurden seither innerhalb derselben Familie über zwei oder sogar drei Generationen weitergegeben.

Die Mieterinnen wurden im vergangenen Jahr über das Vorhaben informiert. Immerhin müssen sie nicht gleich mit der Wohnungssuche beginnen. Denn die Bauarbeiten erfolgen etappenweise. Das erste Gebäude soll 2025 umgebaut werden, alle zwei Jahre bis 2031 folgt dann eine weitere Bauetappe. Bis die Schlange am Horwer Dorfbach voll zur Entfaltung kommt, dauert es also noch rund zehn Jahre.

Verwendete Quellen
  • Besuch der Vernissage
  • Persönliches Gespräch mit Thomas Zemp
  • Jurybericht
  • Webseite der Baugenossenschaft
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