Anwohner gestalten das künftige Geviert mit

Hochhaus oder grüne Oase? Ahornpark Zug wird neu geplant

Bei der öffentlichen Mitwirkung zum Ahornpark in Zug war das Interesse der Anwohner gross. (Bild: Caroline Krajcir)

Das betonlastige Zuger Geviert, in dem heute neben einigen veralteten Bauten der Stützpunkt der Freien Feuerwehr Zug steht, soll künftig stärker belebt werden. Noch ist nicht klar, welcherlei Bauten dort künftig in die Höhe schiessen. Bereits jetzt wurde den Anwohnern jedoch auf den Puls gefühlt.

80-Meter-Hochhäuser? Ein Pumptrack? Ein schöner, grüner Park mit Wasser? Oder gar doch ein Schulhaus? An der öffentlichen Mitwirkung zum Zuger Ahornpark ist viel Raum für Gedankenspiele. Das ist möglich, weil die Entwicklung des Gevierts, über das am Montagabend gesprochen wurde, noch in den Kinderschuhen steckt.

Heute wird das Gebiet zwischen Industrie-, Baarer-, Ahorn- und Göblistrasse dominiert von einem markanten und eher uncharmanten Block aus den frühen 70ern sowie vom «ältesten Hochhaus» der Stadt Zug. Daneben ruhen dort die Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Zug und auch der Werkhof ist auf dem Geviert untergebracht. Jedenfalls noch.

Ein Geviert, drei Eigentümer

Denn das Guthirter Gebiet soll sich mittelfristig verändern, darüber sind sich die drei betroffenen Grundstückbesitzer einig. Die da wären: Die Stadt Zug, die mit Feuerwehr, Werkhof und einem Wohnhaus über die Hälfte der Fläche besitzt. Die Credit-Suisse-Anlagestiftung, welcher der längliche Block an der Baarerstrasse gehört. Und letztlich die Pensionskasse (PK) der Stadt Zug, welche ein elfstöckiges rotes Hochhaus sowie einen neueren, schlangenförmigen Block besitzt. Letzterer soll bestehen bleiben.

Die anderen Gebäude jedoch müssen voraussichtlich über kurz oder lang weichen. So erklärt Andreas Diesslin von Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG: «Der heutige Block stammt von 1971. Man darf wohl sagen, dass damals beim Bauen weniger in die Zukunft gedacht wurde. Entsprechende Baumängel weist das Haus heute auf.»

«Wir sind offen für neue Ideen, egal, ob Sanierung oder Neubau.»

Andreas Diesslin, Credit Suisse Asset Management

Er vermutet, dass in Zukunft ein Hochhaus anstelle des jetzigen Baus zu stehen kommt. «Doch sind wir offen für neue Ideen, egal, ob Sanierung oder Neubau. Wir lassen uns jedenfalls erst einmal auf den Wettbewerb ein.»

Das Geviert Ahornpark zwischen Baarer-, Industrie-, Ahorn- und Göblistrasse soll sich in den kommenden Jahren markant verändern. Auch dieses Haus wird weichen. (Bild: wia)

Abrisse sind erst in frühestens vier Jahren zu erwarten

Wann denn der heutige Block abgerissen werde, fragt ein anwesender Anwohner. «Sicher nicht vor 2026», so Diesslin. Tatsächlich ist dies eine der Fragen, welche den Anwohnern des Gevierts am meisten unter den Nägeln brennen.

Einen ähnlichen Zeithorizont strebt die PK der Stadt Zug an. Dort, wo das heutige Hochhaus an der Kreuzung Baarer-, und Ahornstrasse steht, werde wohl frühstens 2027 angefangen zu bauen. Auch die Pensionskasse würde gerne höher bauen als bisher. «In dieser Zone wären Hochhäuser von 80 Metern Höhe möglich», gibt Martin Kümmerli von der PK Zug zu bedenken.

Die Frage, warum man das bestehende Haus nicht einfach sanieren könne, nimmt Kümmerli gleich selbst vorweg: «Wir haben die Sachlage genau analysiert. Das Gebäude ist nach heutigen Standards jedoch kaum mehr sanierbar. Gerade was die Erdbebensicherheit und die Akustik angeht.»

Der Stadt Zug gehören rund 13'000 Quadratmeter

Der Augenschein beim Geviert zeigt: Dort, wo heute die Freiwillige Feuerwehr Zug und der Werkhof stehen, liegt eine Menge Potenzial brach. Konkret sind es rund 13'000 Quadratmeter, welche allein seitens der Stadt für eine künftige Siedlung freigespielt werden könnten.

«Angedacht ist, dass Werkhof und Feuerwehr zu einem späteren Zeitpunkt ins Göbli verlegt werden.»

André Wicki, Zuger Finanzchef

Der Zuger Finanzchef André Wicki dazu: «Angedacht ist, dass Werkhof und Feuerwehr zu einem späteren Zeitpunkt ins Göbli verlegt werden. Dort haben wir noch strategische Landreserven.» Für einen definitiven Entscheid bedürfe es jedoch eines politischen Prozesses. Die zu entstehenden Neubauten im Ahornpark sollen an Zuger Baugenossenschaften übergeben werden.

Hier, wo aktuell Werkhof und FFZ stationiert sind, liegt viel städtebauliches Potenzial brach. (Bild: wia)

Wie das Geviert künftig aussehen wird, ist noch nicht klar. Zu früh ist es für diese Frage. Fest steht erst, dass in der Mitte ein grosser Park entstehen soll. An diesem Abend geht es um etwas anderes als um die konkreten Pläne. Vielmehr hören die Liegenschaftsbesitzer zu, was sich die Bewohner des Gebiets für die Zukunft wünschen.

Viele Träume auf weissem Papier

Begleitet wird die Veranstaltung von Urban Psychology und der HMB Partners AG. Sie sind es denn auch, welche die zahlreichen Anwesenden dazu motivieren, sich aktiv in Kleingruppen zu beteiligen. Sie tun es. Und wie. Riesige Papiere werden vollgeschrieben. Tops und Flops, Erwartungen an Freiräume und Nutzungen werden notiert. Und auch aufregende Träumereien. Eine gemeinsame Backstube! Eine Pilzkontrolle! Ein überdachter Fussballplatz! Und, weniger romantisch: Eine Videoüberwachung.

Grundsätzlich zeichnet sich ein besonders dringliches Thema ab: Das Bedürfnis, dass der Wohnraum künftig erschwinglich bleibt. Insbesondere deshalb, weil sich die heutigen Wohnungen eher im preisgünstigen Segment bewegen.

Das Café findet breite Unterstützung

Einige wünschen sich Belebung in Form von Spielplätzen, Pumptracks und Pingpongtischen. Andere Teilnehmer wünschen sich hingegen Ruhe, einen hochwertigen Grünraum mit einem Café. Dagegen scheint niemand etwas zu haben.

Einige Zuger wünschen sich auf dem Gelände der Stadt ein Schulhaus. Sie befürchten, dass es in nicht allzu ferner Zeit knapp werde mit dem Schulraum im Guthirt. Der Stadtrat beschwichtigt. Dafür habe man andere Standorte im Visier. Welche, könne man jedoch noch nicht sagen.

Je mehr sich der Anlass dem Apéro nähert, desto mehr sieht der Saal nach Arbeit aus. Überall hängen und liegen Notizen, Wünsche und Befürchtungen, tollkühne Träume und kühle Forderungen. Die Inputs will man nun in die Planung einbeziehen. Doch wie gehts nun überhaupt weiter?

Zunächst folgt ein städtebaulicher Studienauftrag. Aufgrund dessen wird voraussichtlich 2023 der Bebauungsplan erarbeitet. Die Projektierung folgt frühestens 2024. Wer seine Projekte wann realisiert, ist jedem Grundeigentümer selbst überlassen.

Künftig dürfte es auf dem Areal zwischen Baarer- und Industriestrasse ganz anders aussehen. Freundlicher, darf man behaupten. (Bild: wia)
Verwendete Quellen
  • Informationen der Grundbesitzer zum Ahornpark
  • Öffentliche Mitwirkung
  • Augenschein beim künftigen Ahornpark
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