Wirbel in der Grünmatt

Grünes Wohnen mit Gewerbelärm: Warum Emmen nichts tut

Die erste Etappe der Überbauung steht bereits. (Bild: zvg)

In der Grünmatt am Ufer der Reuss entstehen 170 Wohnungen. Wer hier lebt, wird mehr als Flussrauschen hören. Denn hinter dem Areal liegt lärmiges Gewerbe. Der Gemeinde sind die Hände gebunden.

Wohnen im Grünen, aber stadtnah und gut erreichbar: Das versprechen die rund 170 Wohnungen in der Grünmatt in Emmen. Realisiert wird die Überbauung von Schmid Immobilien mit Sitz in Ebikon. Die erste Etappe ist bereits abgeschlossen, die zweite befindet sich im Bau. Im Sommer 2025 soll die dritte und finale Bauetappe starten.

Auf der Website steht, die Siedlung liege «idyllisch zwischen dem Reussufer bei der Brücke Rathausen und dem Dorfkern von Emmen». Die «privilegierte Lage» biete einen Blick ins Grüne, gute Verkehrsanbindungen und sichere Fusswege. Nicht dort steht, dass die 38'000 Quadratmeter des Grünmatt-Areals an ein Gebiet mit Gewerbe angrenzen.

Die Überbauung in der Grünmatt verspricht naturnahes Wohnen. (Bild: zvg)

Entspanntes Wohnen im Grünen und Gewerbe: Wie passt das zusammen? Eine unbekannte Firma hat sich die gleiche Frage gestellt und wegen des Lärms in der Grünmatt bei der Gemeinde Stimmung gemacht.

Unbekannte Firma fordert Auflösung der Arbeitszone

Während der aktuellen Überarbeitung der Ortsplanung in Emmen durften Private und Organisationen im Sommer 2022 mitwirken. Besagte Firma hat die Möglichkeit genutzt und eine klare Forderung in den Raum gestellt.

Die Arbeitszone gehöre aufgelöst und durch eine Wohnzone beziehungsweise Arbeits- und Wohnzone ersetzt, schreibt sie. Grund dafür seien die «Lärmimmissionen» eines Steinbearbeitungsunternehmen. «Das in der Grünmatt geplante gehobene Wohnen im Grünen und nahe am Erholungsraum Fluss ist mit der gewerblichen Tätigkeit nicht vereinbar», heisst es in der Begründung.

Direkt hinter den Gebäuderiegeln liegen die Gewerbehallen. Links neben dem Sportplatz sieht man die Steinplatten. (Bild: zvg)

Doch mehr noch: Die Firma fürchtet, dass sich die künftigen Bewohner belästigt fühlen. Sie hätten «andere Erwartungen an die Qualität ihres Wohnens». Für das bestehende Gewerbe und auch andere Arten von Unternehmen gäbe es in der sich verändernden Grünmatt keine Zukunft, so die Schlussfolgerung. Der CEO von Schmid Immobilien, die Bauherrin in der Grünmatt, weiss sofort Bescheid, als zentralplus anfragt.

Grünmatt-Bauherrin kennt das Problem mit Lärm

«Das Thema Lärm ist bestens bekannt», schreibt Markus Schmid. Als die Überbauung geplant wurde, habe Schmid Immobilien daher mit der Gemeinde Emmen über eine Umzonung der Arbeitszone gesprochen. Ohne Erfolg, wie er erzählt. «Damals haben sie uns mitgeteilt, dass eine Umzonung in eine Wohnzone nicht vorgesehen ist und in Zukunft auch nicht angedacht ist.»

«Die ersatzlose Umzonung einer Arbeitszone in eine Wohnzone ist nicht möglich.»

Gemeinde Emmen

Seine Firma akzeptierte den Entscheid – bis heute, schreibt Schmid. «Wir haben keinen Antrag bei der Mitwirkung gestellt.» Die unbekannte Firma, die eine Auflösung der Arbeitszone fordert, scheint Schmid Immobilien also nicht zu sein. Wer sonst hätte ein Interesse daran? Diese Frage muss vorerst offen bleiben.

Darum sind Emmen die Hände gebunden

Eine Antwort dagegen gibt es von der Gemeinde Emmen. Ihr seien die Hände gebunden, führt ein Sprecher aus. Im Jahr 2020 hat die Emmer Stimmbevölkerung den Gegenvorschlag zur «Wachstumsinitiative» der SVP angenommen. In der Folge hat Emmen ein Reglement zur Lenkung des Bevölkerungswachstums und zur qualitativen Entwicklung eingeführt. In Artikel 2 dieses Reglements steckt die Antwort.

Hier im Zonenplan ist festgehalten, dass die Überbauung in einer speziellen Wohnzone liegt (orange) und das Gewerbe in einer Arbeitszone (blau). (Bild: Screenshot)

In dem Artikel steht, dass die Gemeinde Emmen Wohnzonen nur verändern darf, wenn die Grösse der Wohnzonenfläche insgesamt gleich bleibt. Oder kleiner wird. «Die ersatzlose Umzonung einer Arbeitszone in eine Wohnzone ist daher nicht möglich», erklärt der Sprecher gegenüber zentralplus. Wer eine Wohnzone einzont, muss also eine andere auszonen – ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Arbeitszone in der Grünmatt könnte fallen

Doch in der Grünmatt könnte die Arbeitszone, in der das Gewerbe liegt, doch noch fallen. Denn wenn die aktuelle Ortsplanungsrevision vorbei ist, will die Gemeinde «die Dimensionierung» der Zone noch einmal separat betrachten. Das erklärt der Sprecher gegenüber zentralplus. Für Schmid Immobilien eine gute Nachricht: Vielleicht wird aus dem grünen Wohnen bald doch ein ruhiges.

«Wir haben bis heute keine Reklamationen erhalten.»

Markus Schmid, CEO Schmid Immobilien

Bis dahin müssen die Bewohner mit dem Lärm leben. Halb so schlimm, meint Markus Schmid. Sämtliche Lärmvorschriften könnten eingehalten werden. Ausserdem seien alle bisherigen Wohnungskäufer auf das Problem hingewiesen worden. Mit Erfolg, wie er schreibt. «Wir haben bis heute keine Reklamationen erhalten.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit der Gemeinde Emmen
  • Schriftlicher Austausch mit Markus Schmid, CEO Schmid Immobilien
  • Artikel in der «Luzerner Zeitung»
  • zentralplus Medienarchiv
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.
Zeichenanzahl: 0 / 1500.


7 Kommentare
  • Profilfoto von Thüer
    Thüer, 05.01.2024, 17:51 Uhr

    Mich würde den 5G Mobilfunkmast, der 10 Meter neben dem Gebäude auf gleicher Höhe steht mehr sorgen machen!

    👍0Gefällt mir👏0Applaus🤔0Nachdenklich👎0Daumen runter
  • Profilfoto von Innerdorfer Beat
    Innerdorfer Beat, 04.01.2024, 12:01 Uhr

    Über die erhöhte Lärmbelastung durch die Beschaffung des F -35 wird nicht informiert. Im Nachhinein dann alle gegen die Flieger. Was war zuerst? Das Huhn oder das Ei?

    👍0Gefällt mir👏0Applaus🤔0Nachdenklich👎0Daumen runter
  • Profilfoto von LD
    LD, 03.01.2024, 16:06 Uhr

    Wovon in diesem Artikel nicht gesprochen wird, ist die problematische Verkehrslage für Fussgänger und die Anbindung an ÖV und Schule. Stichworte: LKWs von Scania, Anliker, Steinmetz, Holzbau und Kinder auf der selben schmalen Strasse. Ein Gestaltungsplan als Inselprojekt und ein Mobilitätskonzept, das allein das Verkehrsaufkommen im Blickfeld hat, die vielfältig das Gewerbe und die neuen Bewohner beeinträchtigen. Die Trägheit der Realität wird lange eine intelligente Lösung verhindern – auch weil die verschiedenen Zonen ineinander greifen und die Idee von Zonen ad absurdum führen – Zonen, die nicht aufeinander abgestimmt sind. Ein Problem aus der Vergangenheit. Und nicht nur an diesem Standort.

    👍1Gefällt mir👏0Applaus🤔0Nachdenklich👎1Daumen runter
    • Profilfoto von Emmer
      Emmer, 04.01.2024, 09:19 Uhr

      Entlang der Reuss hatte es einen schönen Fussweg/Dammweg, der heute als E-Bike Autobahn dient. Wer Mut hat, kann auch im Wald an der Reuss entlang spazieren. Wir sind früher immer diese Weg zur Schule gegangen. Wer in diese teuren Wohnungen zieht, hat eher keine Kinder. Ausser die gehen in einen Privatschule. Das Schulhaus Emmen-Dorf ist in den letzen Jahren eher zu einem Integrationshotspot mutiert. Wer es nicht glaubt, kann in der 10Uhr Pause auf den Schulhausplatz gehen.

      👍0Gefällt mir👏0Applaus🤔0Nachdenklich👎0Daumen runter
  • Profilfoto von Kritischer Blick
    Kritischer Blick, 03.01.2024, 11:06 Uhr

    Was war zuerst dort? Das Gewerbe in der Arbeitszone oder die neuen Mehrfamilienhäuser? Die Bauherrin wusste über die Rahmenbedingungen Bescheid und irgendwo müssen die Menschen ja noch arbeiten können.

    👍3Gefällt mir👏0Applaus🤔0Nachdenklich👎0Daumen runter
  • Profilfoto von Suppi
    Suppi, 03.01.2024, 08:39 Uhr

    Der Fluglärm in der Gegend viel unangenehmer und störender!

    👍0Gefällt mir👏0Applaus🤔2Nachdenklich👎1Daumen runter
    • Profilfoto von Jerome Halter
      Jerome Halter, 03.01.2024, 10:56 Uhr

      Ach, echt? Wer war denn vorher da? Der Flugplatz oder Sie?

      👍3Gefällt mir👏0Applaus🤔0Nachdenklich👎0Daumen runter
Apple Store IconGoogle Play Store Icon