Besuch auf der Baustelle

Diese neue Baarer Schule setzt voll auf Öko

Die Bauarbeiten an der neuen Schule sind in vollem Gang. (Bild: Andreas Busslinger)

Das Schulhaus Wiesental wird derzeit neu gebaut. Am Wochenende hatten Interessierte die Gelegenheit, sich den ersten Neubau von innen anzuschauen.

Einen grossen Teil ihrer Zeit verbringen Kinder in Schulhäusern, um sich dort, sich auf ihren Stühlen windend, das Einmaleins erklären zu lassen. Umso wichtiger ist es, dass Schulen Orte sind, an denen sich sowohl Schülerinnen als auch Lehrer per se gerne aufhalten. Beim Neubau Wiesental in Baar könnte das gelingen.

Am vergangenen Samstag ist es der Bevölkerung für einmal erlaubt, die Baustelle des Schulhauses zu betreten, welches hier, direkt neben dem Altbau aus dem Jahr 1970, entsteht. Derzeit entsteht der grösste von insgesamt vier Bauten, die als gesamte Schulanlage 2027 eröffnet werden sollen.

Holz ist Trumpf

Dass hier nicht herkömmlich gebaut wird, ist nicht zu übersehen. Kaum einer der Besucher der Baustellenführung kann es beim Betreten des Gebäudes unterlassen, den Elefanten im Raum zu benennen. «Sehr schön, so viel Holz», äussern sich die Anwesenden. Wohlwollendes Nicken überall. Finger, die über die tannigen Stützen wandern. Tatsächlich handelt es sich um einen reinen Holzbau. Das ist insbesondere deshalb beeindruckend, da hier, im Gebäude Ost, nicht nur Räumlichkeiten für Lehrer und Therapie sowie Schulzimmer der Mittelstufe entstehen, sondern auch eine Dreifachturnhalle.

Beim Blick hinunter in die Halle, welche zwei Etagen in den Untergrund abgesenkt wurde, lässt sich der Materialschnitt gut erkennen. Denn alles, was im Untergrund gebaut wird, besteht aus Beton. Holz und Erde vertragen sich auf Dauer schlecht. «Wir haben jedoch recycelten Beton verwendet, der aus einem Umkreis von 50 Kilometern stammt», erklärt Daniel Penzis, der verantwortliche Architekt des Zürcher Büros Penzis Bettini. Dieses gewann 2018 als Nachwuchsbüro den Wettbewerb für den Neubau.

Architekt Daniel Penzis erklärt den Besuchern das Projekt. (Bild: Andreas Busslinger)

Die 70 auf 34 Meter grosse Dreifachturnhalle kommt ohne Stützen aus. «Es handelt sich um das grösste Holzfachwerk in der Schweiz», erklärt Penzis. Diagonale Verstrebungen aus Buchenholz, welche bis in die 2. Etage führen, fungieren als Träger des Fachwerks.

Visualisierung der Schulanlage Wiesental in Baar. Im Hintergrund das Gebäude, das sich derzeit im Bau befindet. (Bild: zvg Nightnurse)

Die Holzbauweise ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch

Auch das verarbeitete Holz, aus welchem alle oberirdischen Gebäudeteile bestehen, stammt aus der Zentralschweiz. Grundsätzlich wird Nachhaltigkeit beim Projekt, das dem Minergie-Eco-Standard entspricht, grossgeschrieben. Ein Holzbau sei dafür zwar keine Voraussetzung gewesen. «Wir haben jedoch die Holzbauweise gewählt, weil sie sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich ist», sagt Penzis. Zwar bedürfe die Planung bei dieser Bauweise mehr Zeit, doch gehe der Bau an sich später sehr schnell vonstatten.

In den beiden Obergeschossen des Gebäudes Ost entstehen Schulräume. Auch hier zeigt sich gut: Holz ist Trumpf. Noch gibt es jedoch keine Wände, und auch der aus Zementestrich bestehende Boden wurde noch nicht eingegossen. «Durch die modulare Bauweise können Wände dort eingesetzt werden, wo sie effektiv benötigt werden. Dies, weil sie keine tragende Funktion haben.» Diese Cluster-Bauweise sorgt für grosse Flexibilität.

Das Tageslicht kommt auch von oben

Die Schulräume werden künftig auf den beiden Längsseiten des Gebäudes zu finden sein. Zu den Fenstern hin steigt die Deckenhöhe, womit jeweils mehr Licht in die Räume fällt. Doch auch im Mittelgang zwischen den Schulräumen wird es genügend Tageslicht für sogenannte Lerninseln geben. Dies aufgrund eingebauter Shedfenster. Durch mehrere grosse Luken erhellt dieses Licht nicht nur das zweite, sondern ebenso die Gänge des ersten Obergeschosses. Dass das Gebäude nicht nur auf horizontaler, sondern auch auf vertikaler Ebene durchlässig wirkt, ist den Architekten ein grosses Anliegen.

Dass das Gebäude nicht nur horizontal, sondern auch vertikal durchlässig wirkt, ist den Architekten wichtig. (Bild: Andreas Busslinger)

Die Zeiten werden wärmer, rechnende Kinder mit rauchenden Köpfen verursachen zusätzlich Hitze. Entsprechend wird auch das Thema der Belüftung immer wichtiger. Diesbezüglich setzen die Architekten voll und ganz auf Natürlichkeit. «Das Label Minergie-Eco verlangt eine mechanische Belüftung. Die Zimmer verfügen über einen Verbundlüfter. Dieser merkt, wenn zu viel CO₂ in der Luft ist und beginnt automatisch nach Bedarf, diese auszuwechseln», erklärt Penzis. Die kühle Luft werde dem Seewasser entzogen. Ausserdem sollen in den Sommermonaten Storen dafür sorgen, dass sich die Innenräume erst gar nicht zu sehr aufheizen.

So sah der Bau vor kurzer Zeit noch aus. (Bild: Andreas Busslinger)

Teurere Materialien, teurerer Bau

Der Baarer Bauchef Zari Dzaferi freut sich, dass man mit der ersten Etappe des Projekts auf Kurs ist. Insbesondere, da die vergangenen Jahre, vor allem aufgrund der geopolitischen Lage in Europa, einige Herausforderungen mit sich gebracht hätten.

Die Baarer Bevölkerung sprach sich bei der Abstimmung 2021 mit einem sehr klaren Ja für den Projektkredit von rund 95 Millionen Franken aus. Insgesamt ging man von Baukosten von 101 Millionen Franken aus. «Aufgrund des Krieges in der Ukraine stiegen jedoch die Materialpreise, gerade etwa von Aluminium und Stahl, gemäss schweizerischem Baukostenindex im Durchschnitt um etwa 15,3 Prozent, an. Dies wiederum sorgte für höhere Baukosten.»

Über die nächsten Jahre, bis das Projekt abgeschlossen sei, gelte es daher, die Kosten unter Kontrolle zu halten und gegebenenfalls bei der zweiten Etappe des Projekts mögliche Feinjustierungen vorzunehmen. «Teuerungsbereinigt bewegen wir uns derzeit jedoch im Rahmen des Baukredits», sagt Dzaferi.

Im Sommer 2025 soll das Gebäude Ost fertig und bezugsbereit sein. Der Abschluss der zweiten Etappe, in welche der Bau des Unterstufenschulhauses, der schulergänzenden Betreuung sowie der Aula fallen, ist auf Sommer 2027 terminiert.

So sieht das Gebäude Ost des neuen Schulhauses Wiesental aus. (Bild: Andreas Busslinger)
Verwendete Quellen
  • Baustellenführung
  • Gespräche vor Ort
  • Website der Gemeinde Baar zum Projekt
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