Airbnb-Initiative

Diese Häuser in der Altstadt sind fest in Airbnb-Hand

Von den Apartments im Hotel Schiff hat man eine tolle Aussicht auf die Reuss und die Jesuitenkirche. (Bild: Hitrental)

Wo sind überhaupt all diese Luzerner Airbnb-Ferienwohnungen, über die im März abgestimmt wird? zentralplus zeigt einige von ganz vielen Beispielen.

Luzern ist eine Tourismus-Stadt. Daran hat auch die Corona-Pandemie nichts geändert. Verändert hat sich in den letzten Jahren aber der Tourismus. Und nichts steht so sehr für diese Veränderung wie die Ferienwohnung-Plattform Airbnb.

Ursprünglich angedacht als Plattform, um das kurzzeitige Vermieten der eigenen Wohnung zu ermöglichen, entwickelte sich daraus schnell ein riesiges Geschäft. Einem lukrativen Geschäft, dem immer mehr Wohnungen in den beliebten Tourismus-Städten zum Opfer fallen. Also auch in Luzern.

Darum kritisiert unter anderem die SP seit Jahren, dass der Markt für Ferienwohnungen in Luzern strenger reguliert werden muss (zentralplus berichtete). Den Worten liessen sie Taten folgen und lancierten die Airbnb-Initiative, welche im März zur Abstimmung kommt. Wird diese angenommen, dürfen Wohnungen nicht länger als drei Monate pro Jahr zu Ferienzwecken vermietet werden.

Doch vor der Abstimmung stellt sich die Frage: Wo sind überhaupt all diese Ferienwohnungen, welche die SP so scharf kritisiert? Welche Häuser sind fest in Airbnb-Hand? zentralplus stellt einige Beispiele aus der Luzerner Innenstadt zusammen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Das 500-jährige Hotel am Weinmarkt

Die kleine Tour beginnt auf dem Weinmarkt. Der pittoreske Platz ist von historischen Gebäuden umrahmt, teils mit schönen Wandmalereien. Eines davon ist das «Zunfthaus zu Metzgern», dessen Bau fast bis ins Mittelalter zurückreicht. Gemäss kantonalem Bauinventar wurde das Haus 1529 gebaut.

Rund 500 Jahre später beherbergt es heute acht Ferienwohnungen, welche das Unternehmen Hit Rental vermietet. Die Preise für eine Übernachtung in einer der grossen Studiowohnungen betragen bis zu 500 Franken pro Nacht.

Im Zunfthaus zu Metzgern in der Mitte der Häuserzeile am Weinmarkt sind acht Ferienapartments. (Bild: ewi)

Die Liegenschaft wiederum gehört der «Yoube Immobilien AG», die ihren Sitz am Inseliquai in Luzern hat. Urs Bucher ist der Präsident des Verwaltungsrats. Ihn beunruhigt die bevorstehende Abstimmung jedoch nicht. Er geht nicht davon aus, dass seine Liegenschaft von einem möglichen Ja zur Initiative betroffen wäre. Dies, weil das Haus seit dessen Bau schon immer als Hotel- und Gastronomiebetrieb diente. Den Sachverhalt habe er schon bei der Stadt abgeklärt, als die Initiative lanciert wurde.

Quartierspaziergänge – auf der Suche nach Airbnb

Im Vorfeld der Abstimmung führt die SP drei Quartierrundgänge durch. Dabei werden verschiedene Liegenschaften präsentiert, deren Wohnungen für Kurzaufenthalte vermietet werden. Der erste Spaziergang führt durch die Altstadt und das Wey-Quartier. Die beiden weiteren Rundgänge führen in die Neustadt und das Bruch-Quartier.

18 Ferienapartments im Hotel Schiff

Vom Weinmarkt ist es zur nächsten Station nur ein paar Schritte weit. Über das Metzgernbögli gelangt man durch eine Passage ins Brandgässli hinter das Hotel Schiff. Das Hotel thront am Reussufer und dessen Restaurant ist stadtbekannt. Weniger bekannt ist womöglich, dass das Schiff nicht ein Hotel im eigentlichen Sinne ist. Denn auch hier sind die Zimmer möblierte Ferienapartments.

Diese werden wie beim «Zunfthaus zu Metzgern» von «Hit Rental» vermietet. 18 Apartments sind in diesem Haus, die Wohnungsgrössen reichen von 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen. Eine Übernachtung kostet hier zwischen 150 bis 500 Franken – die Aussicht auf die Reuss und die Jesuitenkirche gibt es inklusive.

Wohnungen standen nie zur Diskussion

Die Liegenschaft wiederum gehört zwei schillernden Figuren, nämlich Peter und Ronald Neufeld, einem Zürcher Brüderpaar. Die beiden besitzen nebst dem Hotel Schiff drei weitere Hotels in der Stadt Zürich, eines in der Türkei und im Wiener Prater gar eine Achterbahn. Hinzu kommen zahlreiche weitere Immobilien in der Schweiz und im Ausland.

Ähnlich wie Urs Bucher sehen sie der Abstimmung gelassen entgegen. Stellvertretend sagt Benjamin Neufeld von der gleichnamigen Immobilienfirma: «Da das Hotel Schiff schon immer, also seit seinem Wiederaufbau nach dem Brand vor rund 190 Jahren im 1833, über eine Hotelbewilligung verfügt und in dieser Form genutzt wird, wäre die Liegenschaft in ihrer Form als Hotelliegenschaft nicht von dieser Initiative betroffen.»

Die Firma hat das Gebäude 2015 totalsaniert und die möblierten Ferienapartments eingebaut. «Die Vermietung als reine Wohnungen stand nie zur Diskussion, da das legendäre Hotel Schiff seit jeher als Hotel betrieben wird», erklärt Neufeld. Diese Tradition will man mit der leicht angepassten Nutzungsart fortführen. Die Nachfrage nach den Apartments sei zudem «ausserordentlich gross».

79 möblierte Apartments an der Hofstrasse

Von der Reuss machen wir einen grösseren Sprung ins Wey-Quartier, genauer gesagt an die Hofstrasse. Diese kann rein architektonisch nicht mit dem Charme des Weinmarkts und des Reussufers mithalten. Doch steht hier ein historischer Zeuge aus der Zeit, als der Tourismus in Luzern richtig Fahrt aufnahm: das Hotel Union. Um die Jahrhundertwende gebaut, hatte es zu seinem Höhepunkt bis zu 230 Betten. 2001 machte das Hotel dicht.

Doch die Zeit der Kurzaufenthalte an der Hofstrasse sind noch nicht vorbei. Dafür sorgt das Unternehmen Glandon Apartments, das an der Hofstrasse 9, 11 und 14 gleich in drei Liegenschaften Business-Apartments betreibt. Die Hausnummern 9 und 11 waren früher Teil des Hotels Union, dort waren die Suiten sowie die Wohnungen des Personals. Alle drei Liegenschaften gehören der Starimo Investment AG aus Meggen. Das Unternehmen besitzt weitere Häuser, unter anderem in Basel und in Baden, wo es über Glandon Apartments ebenfalls «Wohnungen auf Zeit» vermietet.

Heute gibt es in den drei Häusern 79 möblierte Studios und 2-Zimmer-Wohnungen. Die Mindestdauer für die Miete eines dieser Apartments beträgt einen Monat. Eine Monatsmiete für eine der Wohnungen kostet zwischen 1'300 und 2'700 Franken.

Wohnungen für Berufsleute auf Durchreise

Severin Glanzman, CEO von Glandon Apartments sieht in der bevorstehenden Abstimmung ebenfalls keinen Anlass zur Beunruhigung: «Wir sehen derzeit keinen Grund, weshalb unser Geschäftsmodell nicht mehr möglich wäre.» Vielmehr betont er die Wichtigkeit des Angebots seiner Firma: «So gibt es auf dem konventionellen Wohnungsmarkt schlichtweg keine Möglichkeit, unter einem Jahr eine Wohnung zu mieten.» Dies sei in der schnelllebigen Arbeitswelt aber nicht zeitgemäss. «Mit unserem Angebot schliessen wir diese Lücke.»

Das Angebot richtet sich darum klar an Berufsleute. Rund die Hälfte der Mieter der Business-Apartments bewohnen diese aus beruflichen Gründen. «Diese Menschen zahlen Steuern und sind auch Teil der Gesellschaft», betont Glanzmann. Die meisten Mieterinnen wohnen zwischen drei bis sechs Monaten in den Apartments – manche aber auch deutlich länger.

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10 Kommentare
  • Profilfoto von Claudia Christen Weizenegger
    Claudia Christen Weizenegger, 11.02.2023, 08:07 Uhr

    An der Theaterstrasse 13 befindet sich ebenfalls ein automatisierter möbilierter Appartementsbeteieb und dies seit zwei Jahren. Früher hatte das Haus eine gemischte Nutzung und einige günstige Wohnungen und sogar einen Handwerksbetrieb. Der Besitzer ist unter anderem der Luzerner Architekt Alexander Galliker.

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  • Profilfoto von Libero
    Libero, 09.02.2023, 14:47 Uhr

    Wir haben es in der Hand, den wenigen Renditejägern den Riegel zu schieben.
    Einige 100 Wohnungen werden in der Stadt Luzern mit Airbnb vernichtet.
    Mit den Gegenvorschlag der Stadt verfehlt das Ziel ganz klar. Im Gegenteil in einigen Quartieren sind zusätzliche Airbnb möglich und 10 Jahre Übergangszeit sind lächerlich. Wie das Inserat: Penthouse zum Löwen, eine Maisonnette-Stadtwohnung, eine charmante Dachwohnung oder eine Eigentumswohnung im Herzen der Stadt.
    Das freut Touristen!
    Luzernerinnen und Luzerner stimmen am 12. März 2023
    JA zur Initiative
    und bei der Stichfrage kreuzen wir die Initiative an.

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  • Profilfoto von Peter Bitterli
    Peter Bitterli, 09.02.2023, 10:48 Uhr

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    • Profilfoto von Peter Bitterli
      Peter Bitterli, 09.02.2023, 16:23 Uhr

      Ok, „Peter Bitterli“, Sie sind ja da auf einer wirklich lustigen False-Flag-Operation unterwegs. Schade, sind Sie nicht kenntlich; ich hätte uns eine gepflegte Runde Polterabend in einem Appartment Ihrer Wahl aufgeworfen.

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    Melk Christen, 09.02.2023, 08:02 Uhr

    Hä? Was soll dieser Artikel, um diese Gebäude geht es ja gar nicht – was die Besitzer sogar bestätigen! Irritierend…

    Es geht stattdessen um Liegenschaften wie die Lindenstrasse 46 und 48 in Reussbühl: Zwei stattliche Wohnblocks, welche früher günstige Wohnungen beherbergten, heute aber komplett durch «Easy Living Apartments» besetzt sind. Es sind noch weitere Gebäude an der Lindenstrasse so dem Mietmarkt entrissen worden. Was leider auch sehr gut zeigt, dass die Grünen in ihrer Zustimmung zum Gegenvorschlag leider entweder sehr naiv oder zu wohlhabend-egal sind: Es werden sehr wohl auch ausserhalb des Zentrums vielfach Gebäude so umgenutzt – und diese äusseren Quartiere laufen Gefahr, durch den Gegenvorschlag sogar noch mehr (tendenziell günstigen!) Wohnraum an Airbnb zu verlieren. Die Grünen enttäuschen mich da sehr.

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  • Profilfoto von D.K.
    D.K., 09.02.2023, 07:28 Uhr

    Warum treibt die vereinigte Stadtluzerner Linke nicht ihre eigenen Bauvorhaben voran? Dort können sie dann ungefragt hantieren und machen und vermieten, so wie sie es für richtig befinden. Ich bin überzeugt, dass sich viele ökonomisch bessergestellte Stammwähler in ihren Gründerzeitvillen hockend und an privilegierter Lage wohnend, sich sehr bereitwillig in diese Art sozialen Wohnungsbaus involvieren lassen und sofort das eigene Portemonnaie generös dafür öffnen. Anstatt stetig die Innovationsleistungen anderer kulturkampfmässig niederzuknüppeln, sollten die Linken meiner Ansicht nach besser damit beginnen, eigene Innovationen zu entwickeln. Nicht umsonst bezeichnen sie doch ihre eigene Politik selbst stets als ‹progressiv›.

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    • Profilfoto von Kommentarschreiber
      Kommentarschreiber, 09.02.2023, 08:28 Uhr

      Toll D.K., jetzt haben Sie doch allen in «ihren Gründerzeitvillen hockenden und an privilegierter Lage wohnenden» Linken wieder einmal so gründlich die Leviten gelesen, Feindbildbewirtschaftung vom feinsten, gratuliere! Eine persönliche Stellungnahme zur im Beitrag dargestellten Airbnb-Problematik suche ich aber vergebens.

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      • Profilfoto von D.K.
        D.K., 09.02.2023, 09:01 Uhr

        Spenden statt Lamento!
        Äh. Gerne nehme ich den Faden der sog. Feinbildbewirtschaftung auf. Sehen Sie, wieder ist von ‹Wirtschaft› die Rede, nicht von deren Verhinderung. So hiesse dies ja kontextuell: Feinbildverhinderungsbewirtschaftung. Aber konkret: Airbnb musste ja zuerst als Feindbild herhalten und wird unilateral dämonisiert. Die Feindbildbewirtschaftung ist also osmotisch, spektral überall gleichermassen und politisch fair verteilt anzutreffen!

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      • Profilfoto von Setzen, sechs!
        Setzen, sechs!, 09.02.2023, 09:34 Uhr

        D.K. geht ja inhaltlich eben darauf ein. Problem selber lösen anstatt andere damit zu behelligen. Verbote sind ohnehin der falsche Weg. Läge im Rahmen der Möglichkeiten, wenn nur der Wille und Einsatz dazu da wäre.

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    • Profilfoto von Peter Bitterli
      Peter Bitterli, 09.02.2023, 10:32 Uhr

      Danke für die Erinnerung an die Gründerzeitvillen. Sie werden ja alle „genossenschaftlich“ verwaltet; das klingt gut und spart Steuern. Ein Kollege spricht konsequent von der „Grünbonzenallee“.

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