Neues Zuhause für Busbetriebe und Rettungsdienst

Die millionenschwere Zuger Verkehrszentrale nimmt Form an

So dürfte der neue ZVB-Stützpunkt einst aussehen. (Bild: Visualisierung: zvg)

Die Neubauten für die ZVB und den Rettungsdienst Zug werden immer realer. Aktuell liegt das entsprechende Baugesuch auf. Zunächst steht jedoch ein vorübergehender Umzug der beiden Organisationen an.

Klar wie Klossbrühe fiel sie aus, die städtische Abstimmung zum Bebauungsplan An der Aa. Über 80 Prozent der Zuger Bevölkerung sagten vergangenen März Ja zu den Plänen für die Überbauung westlich des Bahnhofs Zug (zentralplus berichtete).

Die heutige Infrastruktur stammt teils aus den 50ern und ist entsprechend in die Jahre gekommen, das Gelände sei unternutzt, ist sich die Grundstückbesitzerin sicher. Als Beispiel: Heute sind die Busse der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) oberirdisch in eingeschossigen Garagen untergebracht.

Auf dem Gelände planen die ZVB darum einen zukunftsträchtigen Busstützpunkt und neue Büroräumlichkeiten. Ebenfalls erhalten die kantonale Verwaltung sowie der Rettungsdienst Zug (RDZ) neue Räume. Die veranschlagten Gesamtkosten für die beiden Gebäude: 258 Millionen Franken.

Das heutige ZVB-Gebäude soll ersetzt werden. (Bild: wia)

Dass das Baugesuch nun im Stadthaus aufliegt und das Projekt vorangeht, freut die Verantwortlichen der ZVB sehr. «Mit dem neuen Hauptstützpunkt wird die ZVB das Wachstum der Mobilität aufnehmen und die Elektrifizierung der Flotte vorantreiben können», sagt Karin Fröhlich, die Medienverantwortliche des Unternehmens, auf Anfrage. «Die Mitarbeitenden der ZVB, die heute in teilweise überalterten Infrastrukturen täglich ihr Bestes geben, erhalten moderne Arbeitsplätze.» Dank der Neubebauung würden auf dem Betriebsgelände auch andere Nutzungen möglich und das Areal durchlässiger und grüner.

Thema Verdichtung sorgte für Furore

Doch wie genau soll das Areal dereinst aussehen? In ihrem Architekturbericht schreibt die Generalplanerin, die PBK AG, Folgendes: «Mit dem vorliegenden Projekt soll das Areal städtebaulich aufgewertet und ins Stadtbild integriert werden.» Dabei folge man auch dem Ruf nach Verdichtung, wodurch eine neue Fläche für die zusätzliche Nutzung Dritter im Zentrum von Zug entsteht.

Der Aussage zur Verdichtung dürften einige Kritiker widersprechen, ist sie doch der Grund dafür, dass die Stadtzugerinnen im März überhaupt über das Thema abstimmten. Gegen den vom GGR im vergangenen Herbst beschlossenen Bebauungsplan wurde das Referendum ergriffen. Das Komitee forderte, dass auf dem Areal mindestens 800 Wohnungen zustande kommen. Nun sind es 100.

Die Busse kommen ins Untergeschoss

Im Gebäude der ZVB sind drei Nutzungen geplant. Im Untergeschoss liegen die Einstellplätze für Busse, im Erd- und Zwischengeschoss die Werkstattbereiche und in den zwei Obergeschossen die Büroflächen. Der Neubau besteht primär aus Beton und Stahl und wird durch Metall, Glas und Leichtbau ergänzt. Es ist geplant, dass die Materialien auch nach Vollendung der Bauarbeiten sichtbar bleiben.

«Der dreigeschossige Neubau für den Hauptstützpunkt der Zugerland Verkehrsbetriebe (HSP ZVB) reiht sich als längsgestrecktes, ruhiges Volumen in den städtischen Raum entlang der Bahngleise ein», heisst es im Bericht. Durch das einfache Prinzip der wechselseitigen Stapelung von Gebäudetrakten werde ein vielschichtiges räumliches Prinzip etabliert, welches Einfachheit, Übersicht und Ordnung gewähre. Geplant sind begrünte Höfe, Dachgärten sowie offene und gedeckte Terrassen. Diese sollen der Qualität des Arbeitsplatzes förderlich sein.

Die relativ geringe Höhe des ZVB-Gebäudes ermögliche eine Durchlässigkeit, ebenfalls erlaubt dies Gebäuden, die zukünftig im Norden des Areals zu stehen kommen könnten, eine Aussicht in Richtung See.

Vier Etagen für die kantonale Verwaltung

Für den Rettungsdienst ist ein sechsgeschossiges Gebäude vorgesehen, welches auch Räume für die kantonale Verwaltung beherbergt. Es handelt sich um einen 123 Meter langen Bau, der parallel zum ZVB-Gebäude verläuft und auf der Nordseite erschlossen wird.

Der Rettungsdienst wird drei Geschosse in Anspruch nehmen, die oberen vier werden durch die kantonale Verwaltung genutzt. «Die Verglasungen, die ein Ausdruck der Offenheit und Transparenz der kantonalen Verwaltung darstellen, wurden so gross wie möglich geplant, ohne dass die Anforderungen an die Nachhaltigkeit dadurch eingeschränkt werden müssten», heisst es. Bei diesem Gebäude setzt man zudem auf Ziegelsteine und Beton und nimmt damit Bezug auf die Industriebauten in Zug. Womöglich, werde beim Tragwerk Recyclingbeton eingesetzt.

Die Bauprofile zeigen, wo die Gebäude von ZVB und RDZ geplant sind. (Bild: wia)

Das Areal wird durchlässiger und grüner

Das Areal, das heute von Passanten kaum frequentiert wird, soll künftig offener werden. So sollen attraktive Wegverbindungen geschaffen werden, welche die angrenzenden Areale besser zugänglich machen. «Im Norden grenzt es an die städtische Achse der General-Guisan-Strasse, welche über das Areal mit einem neuen kombinierten Fuss- und Radweg Nord–Süd an die Haltestelle Zug Schutzengel angebunden ist.»

Ein neuer zentraler Fussweg verbinde zudem als innere Achse in Ost-West-Richtung das Bahnhofsgebiet mit dem Stierenmarktareal. Ein weiterer Fuss- und Radweg soll im südlichen Arealteil entlang der Bahnlinie führen. Die Stadt Zug plant zudem einen Durchstich unter den Bahngleisen hindurch mit Zugang zur S-Bahn-Haltestelle Schutzengel, wie von den ZVB zu erfahren ist. «Dieses Vorhaben ist in unserer Gesamtplanung berücksichtigt.»

Der ehemalige Schleifendamm bildet «den grünen Rücken des Areals». Dieser sei aus ökologischer Sicht bereits sehr wertvoll und werde weiter gestärkt. Der ehemalige Weg auf dem Damm wird rückgebaut, bleibt jedoch als Kiesfläche für die Vegetation erhalten. Die Bauherrschaft plant Magerwiesen, ausserdem soll der Siehbach geöffnet und renaturiert werden. «Ein Tunnel im Schleifendamm ermöglicht den ebenerdigen Durchgang», ergänzt Mediensprecherin Karin Fröhlich.

Zunächst steht ein Umzug über die Strasse an

Während des Baus der neuen Stützpunkte müssen die Funktionen der ZVB und des RDZ ausgelagert werden. So werden etwa Hallen im nördlichen Bereich des Areals An der Aa umgenutzt. Die ganze Fahrzeugflotte und -logistik zieht jedoch während der Bauzeit aufs Gaswerkareal, das sich hinter dem kaufmännischen Bildungszentrum befindet.

Die Werkstätten der ZVB bleiben, etwas angepasst, am bestehenden Standort. Das ZVB-Hochhaus sowie das RDZ-Gebäude werden derweil abgerissen.

In einer ersten Etappe werden die Gebäude von RDZ und ZVB neu gebaut. Ebenfalls entsteht am westlichen Ende des Geländes ein neuer Hundezwinger. In einer zweiten Etappe entstehen im Norden, entlang der General-Guisan-Strasse zwei Bauten mit Platz für Wohnungen und Dienstleistungen.

Läuft alles rund, beginnen die Bauarbeiten im August 2026. Das voraussichtliche Bauende ist auf Dezember 2030 angesetzt.

Verwendete Quellen
  • Einsicht ins Baugesuch
  • Schriftlicher Austausch mit Karin Fröhlich
  • Augenschein vor Ort
  • Berichterstattungen zentralplus
  • Artikel «Zuger Zeitung» über geplante Provisorien
  • Website Areal An der Aa
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