Wohnen & Bauen

Jahrelanger Bauknatsch
Luzerner Brücke muss schon nach 10 Jahren saniert werden

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 8
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Die Brache und das Gestänge beim Bundesplatz gehören schon fast zum Luzerner Ortsbild dazu.

Der Fussgängersteg bei der ist kürzlich saniert worden. Wieso musste dieser bereits nach nur 10 Jahren repariert werden? Unsere Spurensuche wühlt einen jahrelangen Bauknatsch auf.

Der Weg vom ins Tribschen-Quartier ist jüngst von einer Baustelle unterbrochen worden. Grund dafür ist, dass der Fussgängersteg auf Seite der Bundesplatz-Brache saniert werden musste (zentralplus berichtete). Inzwischen ist der Steg wieder geöffnet. Doch die Nachricht lässt aufhorchen: Die ist «nur» rund zehn Jahre alt. Müssen sich Fussgängerinnen auf der Gegenseite jetzt beim Spaziergang fürchten?

Fussgängersteg war nur als Provisorium gedacht

Patrick Kessler, Leiter Werterhalt und Support beim städtischen Strasseninspektorat, gibt Entwarnung: Auf der Gegenseite hätten die Luzerner nichts zu befürchten. Dass der Fussgängersteg auf der Bracheseite bereits saniert werden muss, habe mit den Umständen während des Brückenbaus zu tun.

«Der Fussgängersteg war eigentlich in Hinblick auf den Gebäudeneubau als Provisorium gedacht.» Damals ist die davon ausgegangen, dass das damals geplante Bauvorhaben bald komme. Um Kosten zu sparen für einen Steg, der im Zuge des Baus eh gleich wieder abgerissen worden wäre, hat die Stadt Luzern provisorische Stützen zugelassen, die nicht für die Ewigkeit gedacht waren. «Provisorische Stützen halten nicht so lange. Je nach Materialisierung haben definitive Brückenbauten eine unterschiedliche Lebensdauer von 50, 80 oder gar 100 Jahren.»

So weit, so verständlich. Doch riskiert die Stadt kein Verlottern der Gehwege, wenn sie die Zuständigkeit für deren Unterhalt Privaten abgibt? Patrick Kessler beschwichtigt: «Auch bei privaten Stützmauern hat die Stadt eine Hoheitspflicht. Wir kontrollieren relevante Bauten regelmässig und machen Eigentümerinnen und Eigentümer gegebenenfalls auf Mängel aufmerksam.»

Bauvorhaben liegt mehr als 10 Jahre zurück

Also bleibt die Bundesplatz-Brache auch weiterhin ein temporärer Parkplatz in Luzern – trotz Baustelle bei der Langensandbrücke. Die aufgestellten Baugerüste gehören mittlerweile schon fast zum Stadtbild. Und sie werden noch eine ganze Weile bleiben. Ob und wie es mit der Brache weitergeht, entscheidet derzeit das Bundesgericht (zentralplus berichtete).

Das Bauvorhaben am Bundesplatz geht inzwischen schon rund zehn Jahre zurück. Angefangen hat die Geschichte mit einem Bebauungsplan der damaligen Besitzerin Stalder Immo-Found AG (heute: Stalder-Gruppe). Diese hat geplant, auf der Brache Hochhäuser zu bauen. Durch Einsprachen wurde dieser jedoch ans Kantons- und ans Bundesgericht weitergezogen. Zwischenzeitlich hat die Stalder Gruppe aber das Interesse an der Brache verloren und die Liegenschaft an die heutige Besitzerin, die HRS Investment AG verkauft.

Nach einem Projektwettbewerb stellt diese 2016 ihren Gewinner «Luegisland» vor. Für rund 100 Millionen Franken ist am Bundesplatz ein Wohn- und Geschäftskomplex geplant. 125 Wohnungen, rund 60 öffentliche Parkplätze und auch ein Miniparkplatz gehören zum Megaprojekt dazu (zentralplus berichtete). Doch die «Mega»-Dimension macht dem Bauvorhaben einen Strich durch die Rechnung: Der Verein Stadtbild Luzern reicht ein.

Zerstören Hochhäuser das Ortsbild?

Der Verein kämpft gegen das Hochhaus. Die Bauherrin habe nicht ausreichend aufgeführt, inwiefern der Neubau die benachbarten Gebäude und das Ortsbild beeinflusse. So etwa, ob das den halbrunden Gebäudebogen beim Kino Capitol in den Schatten stellt (zentralplus berichtete).

Wie lange die Bundesplatz-Brache noch Kieswüste bleibt, kann niemand in Luzern so wirklich sagen. Der Kampf einer Bauherrin durch die Gerichtsinstanzen kann bis zu 15 Jahren dauern, wie Heiner Eiholzer, Präsident des kantonalen Verwaltungsgerichts, im Oktober 2020 gegenüber zentralplus erklärt hat.

Das Gestänge und die Autos beim Bundesplatz könnten also potenziell noch eine Weile zum Ortsbild des Bundesplatzes gehören. In der Zwischenzeit hätte die gar eine Zwischennutzung realisieren wollen, wie Hannes Schmuckli, Leiter der Niederlassung Kriens, sagt. Doch wegen der langen Bearbeitungszeit der Baugesuche habe man noch davon abgesehen.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Patrick Kessler, Leiter Werterhalt und Support beim Strasseninspektorat
  • Medienberichte von zentralplus
  • Medienmitteilung HRS Investment AG von 2014
  • Telefonat mit Hannes Schmuckli, Leiter Niederlassung Kriens bei HRS Real Estate AG
Weitere Quellen
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8 Kommentare
  1. tonino wir sind cool.org, 18.05.2022, 16:15 Uhr

    Ein Dankeschön für Aktualisierungen am Bundesplatz.
    Irgendwie sehe ich Parallelen zum Pilatusplatz und der „Kurt Bieder Brache“
    https://flickr.com/photos/[email protected]/sets/72157635290215814

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  2. Jörg, 13.05.2022, 14:53 Uhr

    Es Erinnert mich an Grossmatte West auch dort wurde die Schule Gasshof zu gemacht Garage Fitness mussten raus, nun wird immer noch nicht gebaut, Es Verwahrlost überall Abfall Dreck, Eingeschlagene Scheiben beim Schulhaus, seit 2018 wird Geplant, im Frühling sollte Baustart sein die Stadt meint demnächst, ob die Bauherren kalte Füsse bekommen haben,

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  3. Nico, 13.05.2022, 12:12 Uhr

    Da wird ständig über die Wohnungsknappheit und steigende Mieten geklagt, aber jedes Bauprojekt wird sofort mit Einsprachen zugedeckt. Das verursacht auch Kosten, welche dann wieder auf die Mieten aufgeschlagen werden…

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    1. Peter Bitterli, 13.05.2022, 13:09 Uhr

      Die Rechnung mit den höheren Mieten wegen (noch) nicht realisierter Bauprojekte klingt spannend! Können Sie mir den Mechanismus erklären?

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      1. Kleinkind, 13.05.2022, 14:25 Uhr

        Ganz einfach: Nachfrage grösser als Angebot. Schon seit Jahren. Also steigen die Preise.

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      2. Nico, 13.05.2022, 15:27 Uhr

        Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage ist hoch und durch Einsprachen kann weniger gebaut. Ergo steigen die Preise noch stärker.

        Die Mieten werden erst sinken wenn entweder die Einwanderung beschränkt oder mehr gebaut wird.

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      3. Peter Bitterli, 13.05.2022, 16:21 Uhr

        Da die teuren Neubauten den Durchschnitt der Mietpreise nach oben treiben und einstweilen der Druck auf das Zentrum erhalten bleibt, klingt die Angebot-Nachfrage-Regel zwar kleinkinderleicht, kommt aber nicht zum Tragen, solange nicht ein nennenswerter Prozentsatz der Stadtbewohner plötzlich dem Bedürfnis nachgibt, in Kulmerau oder Wolhusen zu wohnen. Im Gegenteil: Die Vermieter von Billigwohnungen können nachziehen.
        Bevor jetzt die Kurzschlüsse wieder Funken stieben: Ich bin sehr für attraktive Neubauten und verachte die Einsprecher am Bundesplatz, was ja aber auch wieder vollkommen egal ist. Ich habe nur nach dem Mechanismus gefragt.

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      4. Glarner Rösti, 13.05.2022, 16:26 Uhr

        Schweizerinnen gebären übrigens auch Kinder.

        Und Schweizer*innen verlangen immer mehr Wohnfläche. Und eine starke Wirtschaft.

        Die Probleme sind also selbst gemacht.

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