Hört das denn nie auf?

Darum ist gefühlt die halbe Stadt Luzern eine Baustelle

Ein Teil der Tribschenstrasse in Luzern erhält derzeit neue Leitungen für See-Energie. (Bild: mst)

Die EWL reisst in Luzern seit mehreren Jahren Strassen auf und verlegt neue Leitungen. zentralplus hat nachgefragt, wie lange die Bevölkerung noch mit Einschränkungen und Lärm rechnen muss.

Wer dieser Tage von der Wartegg Richtung Luzerner Innenstadt unterwegs ist, kommt fast unweigerlich an der Baustelle vorbei: Die Tribschenstrasse wird derzeit auf mehreren hundert Metern aufgerissen. Gleich nebenan geht es auch der Weinberglistrasse an den Kragen.

Es sind nicht die einzigen Bauarbeiten auf öffentlichem Grund, die derzeit in Luzern ausgeführt werden. An der Dreilinden-, Stollberg- und Renggstrasse sind ebenfalls Arbeiter am Werk. Verantwortlich dafür ist die Stadtluzerner Energieversorgerin Energie Wasser Luzern (EWL).

Nicht überall kommen die Baustellen gut an: Anwohner der Tribschenstrasse nerven sich ob dem Bohren, Baggern und Hämmern, das dort vor allem nachts stattfindet (zentralplus berichtete). Sie klagen, dass sie seit Wochen kaum schlafen können. «Wir können nachvollziehen, dass der Lärm unangenehm ist», sagte eine EWL-Sprecherin vor wenigen Tagen. Die Arbeiten müssten jedoch nachts stattfinden, damit der Verkehr tagsüber nicht gestört werde.

Neue Leitungen für das See-Energienetz

Immer wieder tauchen in Luzern Bauarbeiten seit zwei Jahren quasi aus dem Nichts auf. So auch an der Hirschmatt- und an der Frankenstrasse, wo die EWL vor einigen Monaten ebenfalls Nachtarbeiten durchführte. Doch was ist eigentlich der Grund für diese Baustellen, die meistens nach ein paar Monaten wieder verschwinden?

EWL-Mediensprecherin Esther Schmid erklärt auf Anfrage, dass aus mehreren Gründen gebaut werde. Zum einen, um die bestehende Infrastruktur für Energie- und Wasserversorgung zu warten und zu erneuern. Zum anderen, um das Netz der See-Energie und der Fernwärme auszubauen. An der Tribschen- und Weinberglistrasse beispielsweise baut der Energieversorger momentan die Leitungen für See-Energie und neue Wasserleitungen.

Der Lärm wird in den kommenden Jahren zunehmen

Der Ausbau der See-Energie und der Fernwärme ist Teil der Klima- und Energiestrategie der Stadt Luzern. Die Stadtbevölkerung hiess die Strategie im September 2022 an der Urne gut. Mit diesen Energieträgern will die Stadt den Anteil an fossilen Energieträgern wie Öl und Gas in Luzern Schritt für Schritt reduzieren. Im Jahr 2040 schliesslich soll nur noch mit erneuerbarer Wärme geheizt werden.

«Zahlreiche Baustellen wurden bereits umgesetzt, ohne dass sich die Betroffenen bei uns mit Ärger oder Unverständnis gemeldet hätten.»

Esther Schmid, EWL-Mediensprecherin

«Der Ausbau der Wärmenetze in Luzern ist bereits seit mehreren Jahren im Gang», erklärt Esther Schmid. Das Netz für die See-Energie beispielsweise werde seit 2021 vermehrt ausgebaut, etwa im Gebiet Alpenquai und in der Neustadt. Und sie fügt an: «Der Ausbau der Wärmenetze wird in den kommenden Jahren intensiviert.» Damit verbunden seien auch weitere lokale Baustellen.

Will heissen: Die Stadtluzerner Strassen werden noch stärker in Beschlag genommen, es wird noch mehr Baustellen geben. Doch die Bevölkerung zeige «grösstenteils Verständnis», sagt Esther Schmid. «Zahlreiche Baustellen wurden bereits umgesetzt, ohne dass sich die Betroffenen bei uns mit Ärger oder Unverständnis gemeldet hätten.»

EWL: Bevölkerung steht hinter den Massnahmen

Trotzdem ist sich die EWL bewusst, dass Baustellen auch zu Frust führen können. Die Energieversorgerin setzt deswegen auf eine offene Kommunikation: «Es ist uns ein Anliegen, gerade bei längeren Baustellen mit betroffenen Betrieben vorab Kontakt aufzunehmen und Lösungen beispielsweise für geeignete Zufahrten und Verkehrswege zu besprechen, und wir sind bei der Planung darauf bedacht, die lärmintensiveren Bautätigkeiten so kurz wie möglich zu halten.»

Man plane so, dass die Beeinträchtigungen für die Bevölkerung «so gering wie möglich» gehalten werden könnten. Pressesprecherin Esther Schmid: «Unserer Erfahrung nach besteht auch ein Verständnis dafür in der Bevölkerung, dass die Umsetzung der Klima- und Energiestrategie mit Baumassnahmen verbunden und nicht ohne diese möglich ist.»

Kostenpunkt: eine Milliarde Franken

Die EWL geht von fünf bis sieben Jahren für den Aufbau eines Wärmenetzes aus. Voraussichtlich werde es aber auch nach 2030 noch gewisse lokale Baustellen geben. Man sei auf Kurs, wobei Planungsunsicherheiten den Fortschritt noch verzögern könnten. Die Massnahmen für die gesamte Umstellung der fossilen Energieträger auf erneuerbare kosten laut der Energieversorgerin voraussichtlich eine Milliarde Franken.

Als Nächstes steht eine Baustelle an der Bruchstrasse an. Diese dauert voraussichtlich vom 15. April bis Dezember. Auch im Udelboden und am Kreuzbuchrain starten demnächst Arbeiten. Anwohner der Tribschenstrasse müssen sich derweil noch in Geduld üben. Sie werden wohl noch bis im September mit Einschränkungen und Lärm rechnen müssen.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Esther Schmid, Pressesprecherin der EWL
  • Aktuelle Bauprojekte der EWL
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