Falsche Inserate im Umlauf

Bschiss statt Bijou: In Zug sind Mietbetrüger unterwegs

Bis zum Wohnungsschlüssel kommen die Opfer von Mietbetrügern gar nicht. Ihnen wird das Geld vorher aus der Tasche gezogen. (Bild: Symbolbild: Unsplash/@schluesseldienstvergleich_eu)

Eine tolle Wohnung im Kanton Zug und dazu noch zahlbar? Zu schön, um wahr zu sein. Das musste auch eine junge Zugerin merken. Fake-Inserate sind aber auch für Immobilienvermittler ein Ärgernis.

Die Wohnungslage in Zug ist prekär. Zahlbare Wohnungen sind selten, die Mietpreise entsprechend hoch (zentralplus berichtete). Trotzdem gibt es sie, die bezahlbaren, ja gar günstigen Mietwohnungen. Zumindest dem Anschein nach.

Einen solchen Glückstreffer glaubt eine junge Zugerin gelandet zu haben, als sie auf verschiedenen Immobilien-Plattformen ein Inserat sieht. Dieses verspricht eine grosszügige, helle 3,5-Zimmer-Wohnung in Cham. Mit Garten und modernstem Ausbaustandard. Für 1600 Franken Mietzins pro Monat, inklusive Nebenkosten.

Die Zugerin, die lieber anonym bleiben möchte, meldet gleich Interesse an. Kurz darauf kommt es zum Mailkontakt zwischen ihr und dem angeblichen Eigentümer der Liegenschaft. Nach einigen formellen Fragen möchte die Zugerin die Wohnung besichtigen. Der Mann schreibt in gebrochenem Deutsch – er sei Engländer, erklärt er – dass er nicht in der Schweiz, sondern in London lebt und darum keinen Besichtigungstermin vor Ort wahrnehmen könne. Und das auch nicht vorhabe, weil er für einen früheren Besichtigungstermin umsonst in die Schweiz gereist sei, was ihn Zeit und Geld gekostet habe.

«Very simple» wird schnell very teuer

Als Alternative macht er einen «very simple» Vorschlag, wie er in einer Mail schreibt, die zentralplus vorliegt. Er werde die Wohnung auf der Online-Plattform Airbnb ausschreiben und die Zugerin solle sie dann mieten. Für einen ganzen Monat. Wenn das Geld überwiesen sei, werde er in die Schweiz reisen, um ihr die Wohnung zu zeigen und den Mietvertrag bei Interesse gleich zu unterschreiben. Sollte die Zugerin die Wohnung doch nicht wollen, könne sie die Buchung stornieren und erhalte das Geld zurück.

Bei der jungen Zugerin schrillen die Alarmglocken. Aus gutem Grund. Es handelt sich nämlich um einen Betrugsversuch. Die Masche ist nicht neu – hält sich aber hartnäckig. Schon in früheren Jahren versuchten Betrüger auf ähnliche Art und Weise, Geld zu ergaunern (zentralplus berichtete). Der Trick dabei ist meist derselbe: Die Mietinteressenten sollen eine Anzahlung über einen Drittanbieter – wie etwa Airbnb – leisten. Und das nur schon, um die Wohnung überhaupt besichtigen zu können. Das Geld soll später zurücküberwiesen werden. Was natürlich nicht geschieht. Das Geld ist futsch, die Betrüger tauchen ab.

Immobilienvermittler sind relativ machtlos

Als Lockvogel kopieren Betrüger existierende oder frühere Wohnungsinserate und reduzieren den Miet- oder Kaufpreis deutlich, um das Interesse der Leute zu wecken. Die Wohnung im vorliegenden Fall existiert tatsächlich an der im Fake-Inserat angegebenen Adresse – gehört allerdings nicht einem englischen Herrn, sondern wurde über die Zuger Immobilienfirma Residence Immobilien AG mit Sitz in Baar vermittelt. «Uns sind solche Fake-Inserate bekannt und wir setzen uns aktiv dafür ein, diese den zuständigen Portalen zu melden», schreibt das Unternehmen auf Anfrage.

So schützt du dich vor Mietbetrügern

Auch wenn die Betrugsmasche nicht neu ist, fallen immer wieder Leute darauf herein. Wie viele solcher Fälle es im Kanton Zug gibt, ist nicht bekannt. Die Zuger Polizei weist diese Betrugsform nicht einzeln aus. Aber damit es gar nicht erst so weit kommt, hat sie einige Tipps zusammengestellt:

  • Kontrolliere, ob es die angegebene Adresse tatsächlich gibt.
  • Kontrolliere, ob die betreffende Anzeige auch auf anderen Webseiten aufgeschaltet ist.
  • Kontaktiere den Inserenten per Telefon statt über Apps wie Messenger oder WhatsApp.
  • Kontaktiere die Verwaltung, um sicherzustellen, dass die Mietwohnung tatsächlich verfügbar ist, und gebe einem persönlichen Treffen den Vorzug.
  • Achte auf Orthografie- und Syntaxfehler in der Anzeige oder im schriftlichen Austausch.
  • Führe im Zweifelsfall eine umgekehrte Bildersuche durch, um sicherzustellen, dass die Bilder nicht aus einer anderen Anzeige auf einer anderen Webseite stammen.
  • Stelle dem Vermieter Fragen zur Lage des Mietobjekts (beispielsweise, wie weit ist es zum nächsten Bahnhof, welche öffentlichen Verkehrsmittel verkehren in dieser Gegend). Der mutmassliche Betrüger, der oftmals im Ausland sitzt, kann diese Frage bestimmt nicht beantworten.
  • Überweise nie eine Kaution über einen Geldtransferdienst, ohne zuvor einen gültigen Vertrag erhalten und das Mietobjekt besichtigt zu haben.
  • Ignoriere jede Anzeige für eine Wohnung, wenn der Besitzer im Ausland ist und ein Depot für den Schlüssel verlangt, den du für die Besichtigung des Objekts brauchst.
  • Ignoriere jede Anzeige für eine Immobilie, deren (ausländischer) Besitzer bereit ist, dir das Objekt ohne vorherige Besichtigung gegen eine Kaution zu überlassen.
  • Ignoriere jede Anzeige, die zu schön ist, um wahr zu sein.

Gegen solche und ähnliche Betrüger vorzugehen, ist nicht leicht – zumal die meisten aus dem Ausland und mit falschem Namen und nicht registrierten Telefonnummern und E-Mail-Adressen operieren. «Dies macht die Strafverfolgung sehr aufwendig und schwierig», schreibt Frank Kleiner von der Zuger Polizei auf Anfrage. Und Plattformen wie Airbnb selbst übernehmen für die vermittelten Vermietungen keine rechtliche Verantwortung.

Die Zuger Polizei empfiehlt in solchen Betrugsfällen, sofort die Immobilienplattformen zu benachrichtigen, wo die falschen Angebote aufgeschaltet werden. Die Plattformen könnten die Anzeigen vom Netz nehmen und Informationen zum Fall sammeln. Grundsätzlich rät die Polizei zu Vorsicht bei zu verlockenden Angeboten und vor allem: auf keinen Fall Geld zu überweisen.

Naivität wird bestraft

Sie nimmt aber auch die potenziellen Opfer in die Pflicht: «Wenn sich das Opfer mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit vor dem Betrug hätte schützen können oder ihren Irrtum durch ein Minimum an zumutbarer Vorsicht vermeiden können, liegt im Sinne des Strafgesetzbuches kein Betrug vor», heisst es seitens der Zuger Polizei. Der Täterschaft könne in einem solchen Fall keine Arglist vorgeworfen werden.

Im Falle der jungen Zugerin ging der Betrugsversuch noch einmal gut aus – abgesehen davon, dass sich ihr Wohnungsproblem noch immer nicht gelöst hat. «Es war definitiv zu schön, um wahr zu sein», schreibt sie gegenüber zentralplus.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit zentralplus-Leserin
  • Mailverkehr zwischen Zugerin und angeblichem Vermieter
  • Schriftlicher Austausch mit Frank Kleiner, Zuger Polizei
  • Schriftlicher Austausch mit Jessica Rocha, Residence Immobilien AG
  • Website Residence Immobilien AG
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1 Kommentar
  • Profilfoto von Roli Greter
    Roli Greter, 16.01.2024, 05:34 Uhr

    Die Masche wird seit Jahren abgezogen, das es noch Leute gibt die das noch nicht wissen erstaunt mich.

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