Wohnen & Bauen
Haus in Luzern ist seit Jahren leer

Besetzung Kellerstrasse: Das sagen die Nachbarn

Am Mittwochmorgen hängen Banner am Haus an der Kellerstrasse 28a. (Bild: ber)

Das Haus an der Luzerner Kellerstrasse 28a ist in der Nacht auf Mittwoch besetzt worden. Es steht wegen eines juristischen Streits bereits seit über vier Jahren leer. Deshalb gibt es von der Nachbarschaft Sympathiepunkte für die Besetzung.

Erneut ist ein Haus mitten in der Stadt Luzern besetzt. Diesmal im Tribschen-Quartier. Wie das Kollektiv Kellerhaus in einer Medienmitteilung schreibt, haben sie das Haus an der Kellerstrasse 28a besetzt. Die Besetzer wollen damit ein Zeichen für bezahlbaren Wohnraum setzen. Gleiches haben kürzlich Hausbesetzerinnen an der Bruchstrasse gefordert (zentralplus berichtete).

Am Mittwochmorgen ist einiges los in der kleinen Seitenstrasse, die direkt hinter dem Brünighof liegt. Eine junge Frau verlässt das Haus. Sie trifft auf ihren Nachbarn, der in Pantoffeln auf der Strasse steht und das Transparent am besetzten Haus fotografiert. «Ich finde es super», sagt er. Seit vier Jahren wohnt er in der Nachbarschaft – und genauso lange steht das Haus an der Kellerstrasse 28a leer.

Besetzung der Kellerstrasse schreckt Nachbarn auf

«Wir haben weniger Freude gehabt», meint die Nachbarin zu ihm. Morgens um drei Uhr habe es plötzlich laute Geräusche von der Terrasse gegeben. Einige Anwohner bekamen es scheinbar mit der Angst zu tun. An der Kellerstrasse reihen sich die Häuser neben der Besetzung aneinander.

Die Nachbarin geht weiter, der junge Mann bleibt noch ein bisschen stehen. Es gebe wohl einen Erbschaftsstreit um das Haus. Früher hätten hier Flüchtlinge gelebt, die von der Caritas betreut wurden. Als der Kanton der gemeinnützigen Organisation den Auftrag dafür entzog, mussten auch die Flüchtlinge aussziehen. «Es wurde entmietet und verlottert seither.»

Tatsächlich macht das Gebäude von aussen einen verwahrlosten Eindruck. Vor der mit Holz verbarrikadierten Vordertüre wächst Gestrüpp aus dem Asphalt, so dass sich diese kaum öffnen liesse. Die Fenster hinter dem Haus sind mit Brettern vernagelt. Dies, da kurz nach Auszug der Flüchtlinge Drogensüchtige in das Haus eingedrungen sind (zentralplus berichtete).

Stadt Luzern soll Haus kaufen

Das Kollektiv weist auf einem Handzettel darauf hin, dass die Mieten derzeit stark ansteigen und Wohnungsnot herrscht (zentralplus berichtete). Zusammen mit den steigenden Krankenkassenprämien und Strompreisen würden so immer mehr Personen aus der Stadt gedrängt. Und dies, obwohl mitten in der Stadt Häuser leer stehen – wie etwa das an der Kellerstrasse 28a.

Auch nach Angaben des Kollektivs steht dieses wegen eines Gerichtsstreits leer. Seit dem Tod des ehemaligen Eigentümers vor fünf Jahren werde um die Nachfolge gestritten. Wiederholt hätten Genossenschaften versucht, das Haus zu übernehmen. Doch Kaufgespräche würge die juristische Vertretung der Erben ab. «Für uns ist klar: In der Stadt Luzern fehlt akut Wohnraum und es gibt keinen legitimen Grund, den Zugang zum vorhandenen Raum zu verwehren», schreibt das Kollektiv.

Für die Besetzer ist die Lösung der kollektive Häuserkauf: Die Häuser sollen in Gemeindeeigentum umgewandelt werden. «Wir wollen den Leerstand füllen mit gemeinschaftlichen Projekten, politischen Initiativen, Treffpunkten für Vernetzung und Orten für gegenseitige Unterstützung», beschreiben sie ihre Pläne. Und fordern die Stadt Luzern gleichzeitig auf, das Haus zu kaufen.

Verwendete Quellen
  • Beobachtungen und ein Gespräch vor Ort
  • Medienmitteilung Kollektiv Kellerhaus
  • Eigentümerabfrage Geoportal
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