Erst wird Luzerns Sorgenkind gebaut

Bahngleise fürs Wohnen nutzen? Stadt fordert Geduld

Die Gleise beim Bahnhof Luzern nehmen viel Platz in Anspruch – und könnten besser genutzt werden, findet die SP. (Bild: Archivbild: Schweizer Luftwaffe, 2016)

Die städtische SP-Fraktion schlägt vor, einen Teil der Gleise in Wohnraum umzubauen. Der Luzerner Stadtrat sagt, die Forderung sei «verfrüht». Für ihn hat ein Grossprojekt Vorrang.

Ein Blick auf Google Maps genügt, um zu verstehen: Die Gleise aus dem 19. Jahrhundert südlich des Bahnhofs Luzern nehmen enorm viel Platz in Anspruch. Und sie teilen die Stadt in zwei, mit dem Hirschmatt- auf der einen und dem Tribschenquartier auf der anderen Seite. Ein schmaler Velotunnel verbindet die städtischen Grossquartiere.

Seit 2019 ist klar: Der Durchgangsbahnhof (DBL) kann das ändern. Durch den Bau des Tiefbahnhofs soll Gleisfläche in der Grösse von acht Fussballfeldern frei werden, da viele Linien künftig unterirdisch geführt werden (zentralplus berichtete). Über einen Baustart Anfang der 2030er-Jahre entscheidet das Bundesparlament voraussichtlich 2026.

SP will neuen Wohnraum auf den heutigen Gleisen in Luzern

Doch wie es scheint, will die SP nicht so lange warten. Per Postulat hat die Fraktion im Grossen Stadtrat gefordert, das Gebiet westlich der Fruttstrasse für Wohnnutzung zu überprüfen. Es handelt sich um jene Gleise südlich der Langensandbrücke auf Seite Tribschen. Nun ist die Antwort des Stadtrats eingetroffen.

Es geht um diese Gleisfläche neben der Fruttstrasse. (Bild: Google Maps)

Die Stadtregierung mahnt: Die geforderte Prüfung sei zum jetzigen Zeitpunkt «verfrüht». Denn die Grundeigentümerin SBB würde die Gleise noch mindestens bis 2040 benötigen. Ansonsten steht der Stadtrat dem Vorhaben offen gegenüber. Denn es deckt sich mit seiner eigenen Vision, was aus den Gleisen in Zukunft werden kann.

Stadt Luzern plant bei Steghof und Fruttstrasse Grosses

Im aktuellen Richtplan sei der Bereich Steghof vis-à-vis der Fruttstrasse als Standort für eine S-Bahn-Haltestelle vorgesehen. Ebenfalls beim Steghof befinde sich ein Gebiet, auf dem Hochhäuser gebaut werden können. Ausserdem will die Stadt den Velo- und Fussgängerweg Freigleis in Richtung Fruttstrasse verlängern, also quer über die heutigen Gleise.

Diese Gebiete will die Stadt näher untersuchen. (Bild: B und A des Stadtrats Luzern)

Um diese Ideen weiterzuentwickeln, hat die Stadt im Jahr 2022 eine Testplanung für das Gebiet Steghof beschlossen. Welches Gebiet genau ins Auge gefasst werde, sei noch nicht entschieden, schreibt der Stadtrat. Er schlägt aber vor, dabei die Fruttstrasse zu berücksichtigen.

Bereits im Jahr 2020 hat die Stadt eine Testplanung für die gesamten frei werdenden Gleisflächen durchgeführt (zentralplus berichtete). Das Ergebnis: Westlich und östlich des Bahnhofs könnten zwei neue Bahnhofsplätze entstehen und eine Brücke als Verbindung. Drei Planerteams hatten Vorschläge präsentiert.

So könnte der neue Bahnhofplatz bei der Zentralstrasse aussehen. Dazu wäre ein Rückbau der Gleise 1 und 2 nötig. (Bild: Visualisierung: Team Güller Güller, Atelier Brunecky, Zürich)

Was die Wohnnutzung bei den Gleisen an der Fruttstrasse angeht, ist der Stadtrat allerdings zwiegespalten. Wegen des nahen Lärms und der Erschütterungen könnte der Bau von Wohnungen aufwendig werden. Eine Mischnutzung wäre hingegen denkbar. Die Fläche jetzt umzuzonen, mache keinen Sinn. Frühstens Ende der 2030er-Jahre sei dieser Schritt denkbar.

SBB benötigen diese Bahngleise zum Abstellen

Heute werden die Gleise westlich der Fruttstrasse als Abstellgleise für den Baudienst der SBB genutzt. Die dortigen Gebäude sind Büro-, Gewerbe- und Lagerflächen. Bis zur voraussichtlichen Inbetriebnahme des DBL in den 2040er-Jahren werden die SBB diese Flächen benötigen.

Auf den Gleisen stellen die SBB Personen-, Güter- und Baudienstzüge ab. Und während des Baus des Neustadttunnels – ein geplanter Tunnel, der zum DBL führen wird – sei auf den Gleisen ein Installationsplatz geplant, so der Stadtrat. Beim Brünig-Depot am Geissensteinring 3 sei ausserdem ein Notausgang vorgesehen.

Was nach der Eröffnung des DBL mit den Flächen passiert, stehe in einem Rahmenplan der SBB aus dem Jahr 2010. Er soll bald aktualisiert werden, wie der Stadtrat ankündigt. Auch Kanton und Stadt erarbeiten derzeit einen Masterplan, wie der Stadtraum Bahnhof künftig aussehen könne.

Verwendete Quellen
  • Bericht und Antrag des Stadtrats von Luzern zum Postulat der SP-Fraktion
  • Medienarchiv zentralplus
  • Website der Stadt Luzern zur Testplanung aus den Jahren 2020 und 2021
  • Medienarchiv zentralplus zu Gleisen Luzern
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