Wohnen & Bauen

Seebad, digitales Museum und mehr
Altes Kantonsspital Zug: Das alles wäre möglich gewesen

  • Lesezeit: 7 min
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«Body & Mind» sollen hier zur Ruhe kommen. Im Hintergrund zu sehen ist das geplante Freibad. (Bild: zvg)

Das Areal des alten Kantonsspitals in wird bald in neuem Glanz erstrahlen. Gewinner des Ideenwettbewerbs war das Projekt «Süd-See Zug». Doch auch die weiteren drei Finalprojekte lockten mit spannenden Entwürfen. zentralplus hat sich die Konzepte genauer angeschaut.

Die letzten Spitalbetten wurden vor fast 15 Jahren aus dem ehemalige Zuger Kantonsspital an der Artherstrasse gerollt. Seither schwebt die grosse Frage über dem – für Stadtzuger Verhältnisse grossen – Areal: Was wird damit in Zukunft passieren?

Der Bebauungsplan steht bereits sechs Jahre, der städtebauliche Studienauftrag noch länger. Doch jetzt gibt es endlich sichtbare Resultate, wie das Gelände einst aussehen könnte.

Endlich gibt es konkrete Pläne für das Areal

Was bereits vorgegeben ist: Das Areal ist in sieben Baubereiche gegliedert, welche gemeinsam entwickelt werden sollen. Teil des Bauplans sind Wohnungen, ein Hotel und ein «identitätsstiftendes Herzstück», das in einem «publikumsattraktiven Nutzungsmix» liegt.

Auf dem Plan sind die Baubereiche zu sehen. Ausgeschlossen ist das bestehende Hochhaus in Bereich A, das weiterhin vom Kanton genutzt wird. In den Bereichen C1, C2, E sind Wohnungen und ein Hotel geplant. In den Baubereichen B, D1 und D soll das «identitätsstiftende Herzstück» des Areals liegen.

Die geplanten Baufelder des künftigen Quartiers.

Derzeit wurde der erste Teil des zweistufigen Wettbewerbsverfahrens abgeschlossen. Dieser erste Teil, der Ideenwettbewerb, war öffentlich ausgeschrieben. «Am Schluss sind vier Teams in der engeren Auswahl gestanden», sagt Baudirektor .

Mit dem Wettbewerb erhoffte sich die Zuger Regierung ein geeignetes Baurechtsangebot sowie ein gutes Entwicklungskonzept. Offenbar sind sie dabei jetzt fündig geworden.

1. «Süd-See Zug»: Cocktails auf der Dachterrasse

Das Konzept, das den Ideenwettbewerb gewonnen hat und nun umgesetzt wird, klingt sehr sommerlich: «Süd-See ». Etwas nach Caipirinha, fröhlichen Menschen, viel Sonne, Sand und guter Laune.

Die Baudirektion war von der Vielfältigkeit des Projekts begeistert: «Es schlägt ein durchgrüntes, lebendiges Stadtquartier am See vor und nimmt die einmalige Gelegenheit wahr, Stadtleben und Naherholung an einem Ort zu vereinen» (zentralplus berichtete).

Die Verbindung von Stadtleben und Naherholung zeigt sich im Kernstück, dem «Süd-See Hub». Dort sind Räumlichkeiten für Events, Wellness, Gastronomie und Kleingewerbe geplant. Im Bereich Wohnen soll ein Boutiquehotel mit 56 Zimmern entstehen. Ausserdem sollen je 50 Prozent der Wohnflächen zu Marktpreisen wie auch für preisgünstiges Wohnen angeboten werden.

Die Dachterrasse des geplanten Projekts «Süd-See Zug».

Investor ist die Credit-Suisse-Anlagestiftung aus Zürich, Betreiber ist unter anderem die Kannewischer Management AG in Zug, welche sich auf Bäderbau spezialisiert hat. Tatsächlich soll eine Bade- und Saunalandschaft mit Blick auf den Zugersee und die Berge entstehen. Die Dachterasse ist öffentlich zugänglich. Zudem ist eine Rooftop-Bar Teil der Gastronomie, womit wir wieder beim Caipirinha wären.

«Süd-See Zug» der Basler Architekten Christ & Gantenbein ist eines von vier Konzepten, welche beim Ideenwettbewerb in die engere Wahl gekommen sind. Damit die Bevölkerung einen Einblick in das Wettbewerbsverfahren gewinnen kann, sind die Konzepte der vier Favoriten derzeit in der Shed-Halle ausgestellt. zentralplus hat sie sich dort genauer angeschaut.

2. Bios: Das ökonomische Hotel

Dieses Konzept der Barrozzi Veiga Architekten aus Barcelona und Wiederkehr Antosch Architekten aus Zug legt den Fokus auf die Biodiversität in der Stadt. Die Volumina der neuen Gebäude wären dabei auf ein Minimum reduziert worden, «um sie einfühlsam in die Topografie und Landschaft einzubetten».

In die «neue grüne Oase» käme ein multifunktionaler Saal. Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und die Biosphäre hätte in verschiedenen partizipativen Bereichen einer grossen Projektionswelt stattgefunden.

Die Jury war allerdings nicht ganz überzeugt. Sie fand, dass das Projekt sich mit dem Fokus auf die Biosphäre und das Klima zu stark einschränke. Es sei fraglich, ob es auf zukünftige Situationen übertragbar sei. Zudem komme das Projekt mit den 74 geplanten Hotelzimmern etwas gar wirtschaftlich daher. Es sei zwar auf Business-Gäste ausgerichtet, doch fehle es an Einheiten für die wichtigen Freizeitgäste an den Wochenenden. Auch die Gastronomie scheint zu karg, um Feriengäste zu unterhalten zu können.

Sehr auffällig ist das Betondach beim Projekt BIOS.

Die Investorin hat das Vorhaben als «Weltneuheit» bezeichnet. Die Ausstellung, die darin stattfinde, kreiere nämlich weltweit die erste interaktive und dadurch einzigartige digitale Kunst- und Wissenschaftsausstellung mit Standort Zug, heisst es.

Ironischerweise kritisiert die Jury, dass die monumentale Konstruktion, welche auf Baubereich B geplant war, zu einer eher C02-aufwendigen Konstruktion führen würde.

Eine Ausstellung, die vor allem digital passiert, ist bei BIOS geplant.

3. Uferpark Zug: Wenn man vor lauter Park den Baum nicht sieht

Der «Uferpark Zug» bildet das dritte der vier ausgestellten Projekte. Dahinter steckt die Zürcher Pensionskasse BVK. Auch hier wird die landschaftliche Einbettung gross geschrieben. Auf drei Seiten des Areals soll gemäss diesem Projekt eine Parklandschaft entstehen. Der Park soll damit zu einer «eigenständigen Destination» werden.

«Um die Urbanität in der Mitte pulsieren zu lassen, sind die Platzanlagen zu grossflächig angelegt.»

Jurybericht

Der Jury war das etwas zu viel. «Um die Urbanität und das Leben in der Mitte pulsieren zu lassen, sind die Platzanlagen zu grossflächig angelegt.» Die umliegenden Nutzungen gingen darin unter.

Das Projekt «Uferpark Zug» legt insbesondere auf die Grünflächen Wert.

Im sogenannten Digitalpark soll dann digitale Kunst im Zentrum stehen: Media Art, Hybrid Art, Digital Music, bis hin zur Blockchain-Art soll hier gezeigt werden. Der Jury ist auch das wieder zu spezifisch: «Das Konzept des Digitalparks besitzt zu wenig Kraft, um die angestrebte publikumsattraktive, öffentliche Nutzung mit Ausstrahlung auszufüllen.» Gelobt wird jedoch das durchdachte Mobilitätskonzept.

4. «Body & Mind»: Das komplette Wellnesspaket

Auch die Zug Estates AG hat beim Wettbewerb mitgemischt. Dies mit dem Projekt «Body & Mind», hinter dem die E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten stehen. Gemäss diesem Projekt soll auf dem Areal ein Zentrum für Lebensqualität entstehen. Und das in vielerlei Hinsicht.

Neben einem Boutiquehotel und einem Gesundheitszentrum wurde auch das Alterswohnen grossgeschrieben. Ausserdem war ein Coworking-Bereich mit Lounge und Café-Bar eingeplant, wie auch verschiedene Einkaufsgeschäfte, Kitas und Cafés. Im kulturellen Bereich war zudem eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen lokaler Künstlerinnen vorgesehen.

Spannend: Im Westen der Artherstrasse planten die Architekten ein saisonales Seebad, in dem abendliche Konzerte hätten stattfinden können. Dieses Freibad sollte das sogenannte Stadtbad ergänzen.

«Body & Mind» sollen hierher zur Erholung kommen. Im Hintergrund zu sehen ist das geplante Freibad.

Lobend schreibt die Jury: «Beim vorliegenden Projekt handelt es sich um einen auf verschiedenen Ebenen sehr sorgfältig ausgearbeiteten Beitrag.»

Kritisiert wurden aber die zu vagen Nutzungsvorschläge im Gesundheits- und Kulturbereich. Zudem war die Regierung auch hier um die Ausstrahlungskraft des Areals besorgt, und darüber, dass das ganze Bauvolumen allenfalls so gross sein könnte, so dass es zu tief ins Grundwasser reiche.

Wie geht es jetzt weiter?

Als Nächstes müssen der Kantonsrat und die Verantwortlichen des Konzepts «Süd-See Zug» den Baurechtsvertrag genehmigen. Auf den Ideenwettbewerb und Studienauftrag folgt nun das Bauvorhaben mit der Planung. Die Baudirektion sieht «die frühestmögliche Ausführung ab 2027».

Einen Kostenrahmen gebe es bis dato noch nicht, «da erst mit dem nun folgenden Architekturwettbewerb ein konkretes Projekt ermittelt wird», wie Baudirektor Florian Weber gegenüber zentralplus erklärt.

Politische Prozesse sind nicht zu unterschätzen

Wer die Geschichte um das alte Kantonsspital schon länger mitverfolgt, der dürfte sich leise daran erinnern, dass dies nicht der erste Wettbewerb ist, der zum Areal des alten Kantonsspitals durchgeführt wurde.

Weber bestätigt: «Bereits 2005 wurde ein Investorenwettbewerb durchgeführt, wobei der daraus resultierende Bebauungsplan 2008 von der Bevölkerung abgelehnt wurde.»

Er erklärt weiter: «Nach einem Marschhalt und einer Situationsanalyse wurde die neue Arealentwicklung mit dem Studienauftrag von 2012 abgeschlossen, der die Grundlage für den rechtskräftigen Bebauungsplan von 2016 bildete.»

Wer die vier aktuellen Konzepte in Ruhe etwas genauer betrachten möchte, hat noch bis am 24. Juni die Möglichkeit dazu. Die Pläne der engeren Wahl sind bis dann in der Shedhalle an der Hofstrasse ausgestellt. Dies jeweils von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr.

Verwendete Quellen
  • Jurybericht der Baudirektion
  • Besuch der Ausstellung in der Shedhalle
  • Schriftlicher Austausch mit Baudirektor Florian Weber
  • Artikel der «Zuger Zeitung»
Weitere Quellen
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