«Das Projekt des armen Mannes»

Altersheim im Gemeindehaus: Räto Camenisch ist enttäuscht

Räto Camenisch hätte sich gewünscht, dass das Gemeindehaus ein lebendiger Treffpunkt in Kriens wird. (Bild: zvg)

Das «Herz von Kriens» besteht schon bald aus Alterswohnungen. Diese Nutzung des ehemaligen Gemeindehauses ist weit weg von der Vision, die Einwohnerrat Räto Camenisch hatte. Dass der Antrag trotzdem durchkommen wird, hat einen leidigen Grund.

Kreative Denker, vielleicht sogar ein Co­working­-Space, ein Gastrobetrieb und Raum für Vereine. Was gab es nicht alles für Ideen, wie das leer stehende Gemeindehaus in Kriens genutzt werden könnte! Jetzt kommt es ganz anders: Der Stadtrat will das Gebäude die nächsten 92 Jahre einer Genossenschaft überlassen, die dort Alterswohnungen baut (zentralplus berichtete).

Zwei Millionen Franken bekommt die Stadt Kriens dafür – und zusätzlich rund 30'000 Franken Baurechtsszins pro Jahr. «Das ist doch mal etwas für die Kasse. Bravo!», kommentiert ein zentralplus-Leser das Angebot. Schliesslich investiert die Genossenschaft nach der Übernahme rund vier Millionen Franken in den Umbau – was sich die Stadt damit spart. «Zwei Millionen für Kriens und 90 Jahre nochmals 30‘000 Franken für Kriens. Somit wird 8,7 Millionen fix investiert. Schöne Bazze!», rechnet der Leser vor.

Kein Haus für die Krienser

Das sieht auch Einwohnerrat Räto Camenisch (SVP) so. Er hatte aber eine ganz andere Vision, wie das «Herz von Kriens» wieder belebt werden könnte. «Man hätte ein Haus für die Jugend und die Vereine daraus machen können. Ein Haus für die Krienser», sagt er im Gespräch mit zentralplus. «Das jetzt ist das Projekt des armen Mannes.»

«Aus dem Gemeindehaus wird nun ein nettes Gebäude, das von aussen bestaunt werden kann. Mehr wird es nicht mehr sein.»

Räto Camenisch

Das Gemeindehaus Kriens steht seit Anfang 2019 leer. Die Stadt hat nie einen Mieter gefunden. Dass jetzt etwas «gehen muss», kann Camenisch nachvollziehen. «Ich verstehe, dass der Stadtrat das machen will, aber ich bin nicht begeistert.»

Trauriges Ende einer einst stolzen Geschichte

Das Haus loszuwerden, verschaffe der Gemeinde finanziell etwas Luft. Das ist wichtig, denn die Finanzlage der Stadt ist desolat (zentralplus berichtete). Es ist daher damit zu rechnen, dass der Einwohnerrat am 30. Juni dem Vorhaben des Stadtrats zustimmt.

«Ein Haus für die Krienser zu schaffen, hätte nichts abgeworfen und viel Arbeit gegeben», räumt auch Räto Camenisch ein. «Diese Lösung ist bequemer. Aber: Wir geben das Gemeindehaus für 100 Jahre ab. Wenn man langfristig die Bedürfnisse der Gemeinde angeschaut hätte, hätte es vielleicht eine bessere Lösung gegeben», meint der SVP-Einwohnerrat.

«Aus dem Gemeindehaus wird nun ein nettes Gebäude, das von aussen bestaunt werden kann. Mehr wird es nicht mehr sein. Es wird den Kriensern nicht mehr dienen», so Camenisch. Das sei ein trauriges Ende der Geschichte des Hauses. «Es war damals ein enormer finanzieller Kraftakt, das Haus überhaupt zu bauen. Man hat es sich etwas kosten lassen, man war stolz drauf. Das ist jetzt vorbei.»

Gemeindehaus Kriens gehört zu den ältesten seiner Art

Das Gebäude gilt als das älteste noch erhaltene Gemeindehaus im Kanton Luzern. Es stammt aus dem Jahr 1912 und wurde vom Luzerner Architekten Emil Vogt gebaut. Die Dächer und Fenster wurden in Anlehnung an ein Bauernhaus gestaltet – eine Referenz an die landwirtschaftliche Szenerie.

Es ist im kantonalen Bauinventar als «denkmalgeschützes Objekt» eingestuft. Das Haus nehme eine «eine bedeutende Stellung im Ortsbild ein» heisst es darin und es sei ein «ausgezeichnetes Beispiel eines öffentlichen Bauwerks aus dem frühen 20. Jahrhundert».

Denkmalpflege ist mit an Bord

Der geplante Umbau ist mit der Denkmalpflege abgesprochen. Diese ist gemäss dem zuständigen Denkmalpfleger Mathias Steinmann mit den Plänen einverstanden. Voraussetzung ist, das am äusseren Erscheinungsbild keine Veränderungen vorgenommen und die Eingriffe im Innern möglichst gering gehalten werden.

Weiter muss der ehemalige Gemeinderatsaal in seiner Substanz erhalten bleiben. Auch soll er nicht vollständig «privatisiert» werden. «Eine halböffentliche oder offene Nutzung ist anzustreben», so Steinmann. Gemäss Stadtrat ist geplant, dass er als Stube für die Bewohnerinnen dient.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Räto Camenisch
  • Bericht und Antrag betreffend das Gemeindehaus
  • Medienmitteilung Stadt Kriens zur Finanzlage im Mai
  • Kantonales Denkmalverzeichnis und Bauinventar
  • Mailkontakt mit dem zuständigen Denkmalpfleger Mathias Steinmann
  • Antworten des Stadtrats auf den Vorstoss von Räto Camenisch
  • Vorstoss von Räto Camenisch
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2 Kommentare
  • Profilfoto von Hebi Gilli
    Hebi Gilli, 02.06.2022, 13:30 Uhr

    Das ist der ideale Treffpunkt! Alterswohnungen: alt trifft jung. Superidee. Kriens hat doch schon viele Zreffpunkte: nur: Mann muss halt hingehen…. z.B. Museum Bello! Park,

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    • Profilfoto von schaltjahr
      schaltjahr, 03.06.2022, 07:54 Uhr

      Das alte Gemeindehaus wird kein Treffpunkt, sondern es werden Alterswohnungen eingebaut. Dies von einem privaten Investor.
      Das Gebäude hätte ein ideale Treffpunkt werden können, wenn die Stadt Kriens ( Regierung und Einwohnerrat ) mit ihren Finanzen weniger teure und überhebliche Projekte angerissen hätten und so die Stadt in den Ruin geritten hat.

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