Wohnen & Bauen
Öl, Benzin und andere Altlasten

Alte Luzerner Deponien halten Überraschungen bereit

Ehemalige Deponien werden zum Teil aufwändig umgestaltet. Ein prominentes Beispiel sind die Familiengärten im Friedental. Dort war früher eine Deponie, die den Boden mit Schwermetallen belastet hat. (Bild: ber)

Altlasten haben im Langensand-Quartier nicht zur Verunreinigung des Trinkwassers geführt. So viel ist klar. In der Stadt Luzern gibt es aber nach wie vor ehemalige Deponien, die mit Abfällen oder Schadstoffen belastet sind. Der Kanton steht unter Druck, diese zu sanieren.

Unter dem Boden der Stadt Luzern schlummern vielerorts Altlasten. Das können Abfälle oder Schadstoffe sein, die früher dort deponiert wurden oder von Fabrikbetrieben oder Unfällen stammen. Die Belastung des Bodens ist dabei unterschiedlich. So findet sich im Kataster der belasteten Standorte eine Übersicht, welche Standorte in der Stadt Luzern wodurch und wie stark belastet sind.

Wie gross die Auswirkungen von ehemaligen Deponien auf Gewässer, Böden und das Grundwasser sind, wird derzeit intensiver untersucht. Dazu hat der Kanton das Team «Boden und Altlasten» der Dienststelle Umwelt und Energie (uwe) in den letzten Jahren vergrössert.

Trinkwasser-Verunreinigung: Kein Zusammenhang mit Altlasten

Auch das Quartier Langensand Matthof liegt in einem Gebiet ehemaliger Deponien. «Dieser Zusammenhang ist ausgeschlossen», antwortet ewl-Sprecherin Esther Schmid auf die Frage, ob die kürzliche Verunreinigung des Trinkwassers in diesem Quartier mit der Bodenbelastung zu tun haben könnte (zentralplus berichtete).

«Im betroffenen Langensand-Quartier wird kein Trinkwasser gefördert. Das Trinkwasser in der Stadt Luzern fliesst durch ein geschlossenes Leitungsnetz», sagt Schmid. Versorgt werde das Netz je nach Quartier mit kontrolliertem Quell-, Grund- oder Seewasser. Schmid betont, dass die belasteten Gebiete im Langensand-Quartier keinen Einfluss auf die Trinkwasserqualität im Leitungsnetz hätten.

Muss der Kanton weitere Deponien sanieren?

Derzeit ist der Kanton daran, den Kataster zu aktualisieren. An vielen Standorten, unter anderem im Langensand-Quartier, muss zum Beispiel zuerst untersucht werden, ob der Boden überhaupt untersucht werden soll. Ist das der Fall, ist es möglich, dass das uwe weitere Böden sanieren muss.

«Stellenweise wurden Siedlungs-, Gewerbe- und Industrieabfälle eingelagert.»

Andreas Wüest, Teamleiter Boden und Altlasten beim uwe

Das kann bedeuten, dass ein Grundstück aufwändig umgestaltet oder umgenutzt wird. Das aktuellste Beispiel dafür sind die ehemaligen Familiengärten im Friedental. Dort stand früher eine Deponie, die den Boden mit Schwermetallen belastet hat.

Das Gelände wurde in der Folge grossräumig umgestaltet, der Untergrund gedeckelt und die Anlage saniert. Heute steht auf dem Areal der sogenannte Landschaftspark Friedental mit Einrichtungen der Stadtgärtnerei und 100 verpachteten Familiengärten (zentralplus berichtete).

Riedland mit Aushubmaterial aufgeschüttet

Ehemalige Deponien gab es auch im gesamten seeseitigen Gebiet zwischen Tribschen und Langensand. Hier wurde bis in die 1930er-Jahre der Boden zur Nutzung des Riedlandes bis zu zwei Meter mit Aushubmaterial wie Bauschutt und Ähnlichem aufgeschüttet.

Der Kataster der belasteten Standorte zeigt an, welche Orte in Luzern potenziell mit Schadstoffen verunreinigt sind. (Bild: Geoportal Kanton Luzern)

«Stellenweise wurden Siedlungs-, Gewerbe- und Industrieabfälle eingelagert», erzählt Andreas Wüest, Teamleiter Boden und Altlasten beim uwe. «Zeitgleich und auch in der Folge siedelten sich zahlreiche Gewerbebetriebe aus unterschiedlichsten Branchen wie Fuhrhaltereien, Baugeschäfte oder Mineralölhändler sowie der Werkhof der Stadt Luzern an.»

Einige offene Fragen werden auch neben dem Kataster noch zu klären sein, obwohl es sich dabei teilweise auch um verdrehte Faktenlagen handelt. Erzählungen beispielsweise, wonach früher beim Verkehrshaus Öle eingesetzt wurden, um die Mückenplage zu bekämpfen, kann Andreas Wüest nicht bestätigen. «Jedoch ist aktenkundig, dass unter anderem ölverschmutztes Material aus Ölabscheidern abgelagert wurde.»

Nur noch eine Entgasungsanlage in der Stadt Luzern

Im Gebiet Tribschen-Langensand befindet sich sowohl Öl wie Benzin im Boden. Viel belastetes Aushubmaterial wurde inzwischen wegen der regen Bautätigkeit in den letzten Jahren fachgerecht entsorgt. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob zusätzliche Standorte in diesem Quartier saniert werden müssen.

Am Littauer Standort Gasshof, wo bis Anfang der 1970er-Jahre ein Grossteil des Luzerner Siedlungsmülls auf einer Deponie landete, laufen ebenfalls Voruntersuchungen. «Bis Mitte nächsten Jahres sollte der Befund feststehen, ob die Deponie sanierungsbedürftig ist oder nicht», sagt Wüest.

Bereits vor der Einführung des Altlastenrechts 1998 wurde auf der Deponie eine aktive Entgasungsanlage eingebaut. Sie dient dazu, schädliche Gase wie Methan, die aus der überwachsenen Deponie entweichen, rauszufiltern. Eine solche Anlage gab es auch im Matthof-Quartier in Littau. Sie wird mittlerweile aber nicht mehr benötigt. Im Littauer Gasshof steht die einzige noch betriebene und regelmässig kontrollierte Entgasungsanlage in der Stadt Luzern.

Luzern hat Nachholbedarf

Im Vergleich mit anderen Kantonen hat der Luzerner Altlastenvollzug viel Nachholbedarf. Auch seitens des Bundes gibt es Druck. Mit der Revision des Umweltschutzgesetzes will der Bundesrat die Sanierung belasteter Standorte vorantreiben. Der Vernehmlassungsentwurf sieht vor, dass die Voruntersuchung von belasteten Standorten bis Ende 2028 abgeschlossen ist, die Sanierungen bis Ende 2040.

Sowohl die Untersuchungen als auch die Sanierungen können aufwändig und kompliziert werden. Luzerns alte Deponien könnten also noch die eine oder andere Überraschung zutage bringen.

Verwendete Quellen
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