Wohnen & Bauen
Kündigungsgrund dubios

18 Parteien müssen aus Haus in Zugerstrasse 51 ausziehen

Die Bewohner dieses Hauses müssen bis Ende Juni ihre Sachen packen. (Bild: Screenshot: Google Maps)

Die Verwaltung des Hauses in der Zugerstrasse kündigt 18 Parteien. Angeblich seien die Wasserleitungen potenziell gesundheitsgefährdend. Doch dies stimmt nicht.

Anfang Dezember des vergangenen Jahres erhielten 18 Parteien in der Zugerstrasse 51 eine Kündigung. Sie müssen die Wohnungen binnen sieben Monaten verlassen, heisst es darin. Im Kündigungsschreiben begründet die Verwalterin Immozug GmbH die Kündigung mit dem schlechten Zustand des Gebäudes. Dach und Wasserleitungen seien in einem «sehr schlechten Zustand» und entsprächen nicht «den aktuellen Minimalanforderungen». So war es heute Morgen in der «Zuger Zeitung» zu lesen.

Das mit der Planung beauftragte Architekturbüro habe mit dem zuständigen Bauamt – der Gemeinde Baar – gesprochen. Und dieses habe «ergänzend bemerkt, dass die Wasserleitungssanierung auch aus gesundheitlichen Gründen dringendst zu empfehlen ist».

Marode Wasserleitungen? Gemeinde Baar weiss von nichts

Doch das stimmt nicht. Die Gemeinde Baar bestätigt zwar, dass im Herbst 2022 ein Gespräch mit dem verantwortlichen Architekten stattgefunden hat. «Dabei und auch danach hat die Abteilung Planung/Bau nie eine dringende Sanierung der Wasserleitungen empfohlen. Die Aussage, dass eine Wasserleitungssanierung vom Bauamt aus gesundheitlichen Gründen dringendst empfohlen wurde, ist falsch», wird die Gemeinde Baar in der «Zuger Zeitung» zitiert.

Konfrontiert mit dieser Fehlinformation schreibt die Verwalterin Immozug GmbH lediglich, dass man den betroffenen Parteien helfen würde, eine «gleichwertige» Ersatzwohnung zu finden. Verschiedenen Betroffenen habe man schon eine Ersatzwohnung vorgeschlagen. Zu weiteren Fragen der Zeitung nahm die Verwalterin keine Stellung.

Wie die Zeitung weiter berichtet, sind aus dem Haus an der Zugerstrasse bereits sechs Schlichtungsgesuche bei der Schlichtungsbehörde eingegangen.

Entstehen bald möblierte Wohnungen mit «Annehmlichkeiten»?

Laut der Zeitung würden an der Zugerstrasse 51 mit «an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» sogenannte «Serviced Apartments» angeboten. Denn die für das Haus zuständige Verwaltung verwaltet auch das Haus an der Zugerstrasse 49. In jenem Gebäude hat die Zuger Verwaltung ebenfalls sämtlichen Parteien gekündigt. Das Haus an der Zugerstrasse 49 steht nun seit einigen Monaten leer.

Nebst derselben Verwaltung haben die beiden Liegenschaften auch dieselbe Besitzerin, die Vision Zug AG, eine Ableger-Gesellschaft der Firma Visionapartments. Das Geschäftsmodell dieser Firma ist die Vermietung von möblierten Zimmern oder Wohnungen mit Reinigungsdienst und «weiteren Annehmlichkeiten».

Verwendete Quellen
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