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Wo Zug schon im Oktober Weihnachten feiert
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Schneeflocken, Lametta, Baumkugeln und Co.: Im Zugerland hat die Weihnachtszeit schon begonnen. (Bild: lob)

Auswüchse des Detailhandels im «Indian Summer» Wo Zug schon im Oktober Weihnachten feiert

4 min Lesezeit 25.10.2017, 15:52 Uhr

Der Herbst gibt in diesen Tagen nochmals sein Bestes, aber Detailhandel sei Dank schaut Weihnachten schon um die Ecke. In gewissen Abteilungen der Zuger Geschäfte kann man sich schon wie an Heiligabend fühlen – oder genervt die Flucht ergreifen.

Noch 59 Tage bis Weihnachten. Darauf könnte man sich schon unbändig freuen, oder – im Fall der Autorin des Textes – noch gar nicht dran denken. Und lieber noch die warme Herbstsonne geniessen, Marroni futtern und hoffen, dass es so bald nicht bitterkalt wird.

Gegen Weihnachten ist grundsätzlich nichts zu sagen. Nur dagegen, dass schon gut zwei Monate vor dem Fest (oder oft noch früher) schon Schoko-Weihnachtsmänner, Kerzen, Lametta, Baumkugeln und Tannen in rauen Mengen anzutreffen sind. Unvermittelt, während wir noch den «Indian Summer» geniessen. Im Ernst, will wirklich jemand zwei Monate vor dem Fest den ganzen Plunder sehen?

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Viel zu plötzlich grüsst der Nikolaus

Ziemlich brüsk sind wir letztens in der Weihnachtswelt gelandet. Tatort: der Coop City in der Stadt Zug. Sind in den obersten Stock gefahren, haben bei den Haushaltsmaschinen vorbeigeschaut und ja, die paar Sternchen und Lichter in der Spielzeugabteilung bereits wahrgenommen. Keine grosse Sache, fanden wir. Auf dem Weg mit der Rolltreppe nach unten sind wir dann allerdings mir nichts, dir nichts, in die Weihnachtswelt katapuliert worden. Riesige Stapel Kitsch-Geschenkpapier, Baumkugeln, Rentiere und der Samichlaus. Und draussen gut 20 Grad. Hilfe!

Obacht, es geht schon los: Weihnachten kommt um die Ecke.

Obacht, es geht schon los: Weihnachten kommt um die Ecke.

(Bild: imgflip)

 

Vorsicht vor dem Heimbedarf

Nach diesem Erlebnis war anzunehmen, dass auch andere Warenhäuser sich bereits mit dem grossen Weihnachtssortiment bewaffnet haben. Also haben wir uns dem Alptraum gestellt und uns gleich weiter umgesehen. Die gute Nachricht: Die grossen Schaufenster sind bisher von rot-weissem Plunder, Lichtermeeren und Tannenästen a gogo verschont worden. Auch beim Coop City dominieren noch Winterkleider und Halloween-Deko.

Wer allerdings beim Anblick von so viel Lichtern, Plüsch und Kerzen im Oktober schreiend Reissaus nehmen möchte, dem empfehlen wir, die Abteilungen für Heimtextilien und Innendekoration sowie Baumärkte zu meiden. Vorsichtshalber. Denn egal ob Coop City, Manor, Migros Do-It im Zugerland oder der Coop-Baumarkt in Cham: Wer sich dem Anblick von Festtags-Gadgets aller Couleur lieber noch nicht aussetzen möchte, sitzt hier in der Falle. Von A wie Apfel-Zimt-Kerzli bis Z wie Zündhölzli kann einem schon alles begegnen und kurzerhand zum Grinch mutieren lassen.

Die Trouvaillen aus unserer Suche nach den Shops, die Weihnachten bereits eingeläutet haben.

Die Trouvaillen aus unserer Suche nach den Shops, die Weihnachten bereits eingeläutet haben.

(Bild: lob)

Verschieben für die Zufriedenheit

«Wieso jetzt schon?», fragt man sich dann wieder verzweifelt. Natürlich können wir uns gut vorstellen, dass die Geschäfte mit dem Weihnachtsgeschäft wohl die meisten Einnahmen im ganzen Jahr generieren. Aber Hand aufs Herz, liebe Detailhändler: Ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung rennt doch 1 bis 2 Wochen (oder eher 1 bis 2 Tage) vor dem Fest in die Läden, um die Besorgungen zu machen. Vielleicht gerade als Trotzreaktion, weil man schon seit zwei Monaten permanent Tannenbäume und Lichterketten vor den Latz geknallt bekommt?

Mitte November würde auch reichen, um die Vor-Festtagszeit einzuläuten. Dann ist es schon kühler, dunkler und Geschenkideen zu suchen kann langsam in Betracht gezogen werden. Das käme allen zugute – auch den armen Mitarbeitern, die sonst in den letzten zwei Wochen vor dem Geschenke-D-Day von panischen Kunden überrannt werden, die auch noch unfreundlich sind. Hinter der Kasse würden wir in dieser Zeit nicht gern stehen wollen. Und a propos Kasse: Auf die Waren gestürzt hat sich in den besuchten Geschäften noch niemand. Im Gegenteil.

Hier kommen Weihnachtsliebhaber auf ihre Kosten

Alles Mist, meinen Sie jetzt, und Sie können nicht früh genug in Weihnachtsstimmung kommen? Dann am besten ab nach Steinhausen, in die Migros-Do-It-Filiale des Zugerlands. In einer (gütigerweise) vom Rest abgeschlossenen, eigenen Abteilung gibt es jetzt schon alles, was das Festtags-Dekoherz begehrt. Vielleicht bleibt sogar Zeit, sich hinzusetzen und den riesigen Deko-Hirsch zu bewundern. Oder einen neuen Schmucktrend zu erspähen: Einhörner!

Weihnachtsschmuck in seiner wohl pinksten, flauschigsten und glitzernsten Form.

Weihnachtsschmuck in seiner wohl pinksten, flauschigsten und glitzerndsten Form.

(Bild: lob)

Möglicherweise war er auch schon da, und wir haben ihn schlicht verpasst. Jedenfalls haben es die sonst sehr präsenten, flauschigen, regenbogen-pupsenden Tierchen nun auch auf Christbaumkugeln geschafft. Nicht zu vergessen auf Tassen, Tischdeko, Kerzen und Servietten. So kitschig, dass es irgendwie schon wieder lustig ist. Und uns nach der T(ort)our durch die Fahrt aufnehmende Zuger Weihnachtswelt trotzdem fast zum Lachen gebracht hat.

«Zufluchtsort» mitten in der Stadt

Am wenigsten nach Weihnachten sieht es noch im Metalli-Einkaufszenter aus. Dort hängen von der Decke zwar bunte Kuglen, die aber eher an sommerliche Lampionschirme oder farbigen Herbst erinnern. Und auch bei fast allen Geschäften dominieren noch Herbstdekoration und Blumen, auch auf den Verkaufsflächen sieht es zwar schon nach Winter, aber noch wenig nach Advent aus.

Kugeln, aber keine für den Christbaum: im Metalli ist Weihnachten noch nicht wirklich in Sicht.

Kugeln, aber keine für den Christbaum: im Metalli ist Weihnachten noch nicht wirklich in Sicht.

(Bild: lob)

Sogar im Starbucks will man lieber noch die ganzen Getränke mit Kürbis-Aroma an die Kunden bringen, bevor die noch deftigeren Weihnachtskreationen die Zahnärzte jubeln lassen.

Ansonsten bleibt nur darauf zu warten, bis aus dem Radio oder einem Lautsprecher bald das erste Mal «Last Christmas» trällert. Um das Grauen zu komplettieren. Falls Sie nun den fiesen Ohrwurm im Kopf haben, möchte sich die Autorin an dieser Stelle entschuldigen. Ein bisschen zumindest.

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