Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Wo Zug für einmal ärmer dran ist als Luzern
  • Wirtschaft
  • Gesundheit
Welche Ärztinnen und Ärzte von ihnen Geld erhalten, legen Pharmafirmen seit einigen Jahren offen. (Symbolbild: Emanuel Ammon/AURA)

So viel zahlen Pharmafirmen an Spitäler Wo Zug für einmal ärmer dran ist als Luzern

5 min Lesezeit 1 Kommentar 16.12.2019, 05:00 Uhr

Pharmafirmen in der Schweiz zahlen jährlich mehrere Millionen Franken an Spitäler, Ärzte und medizinische Organisationen. Wie sich die Zahlen in Zug und Luzern in den letzten Jahren entwickelten und was die Spitäler für Transparenz und Unabhängigkeit tun.

Eine Mitarbeiterin des Zuger Kantonsspitals besucht einen Fortbildungskongress in Deutschland. Als Teilnahmegebühr muss sie 450 Franken zahlen, die Reise verschlingt 300 Franken, das Hotel nochmals 300 Franken. Den grössten Teil der Kosten berappt ein Pharmaunternehmen.

Zahlungen wie diese sind in der Schweiz keine Seltenheit. Jedes Jahr fliessen über 100 Millionen Franken von der Pharmaindustrie an Ärztinnen und Ärzte, medizinische Organisationen sowie Spitäler. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Ringier Axel Springer Research Network. Das internationale Mediennetzwerk hat auf der Datenbank pharmagelder.ch die veröffentlichten Zahlungen von 60 Pharmafirmen ausgewertet (siehe Box).

Zuger Kantonsspital erhält nur einige tausend Franken

Ob ein Beitrag an die Reise- und Hotelspesen für einen Kongress, das Honorar für einen Vortrag oder eine Beratung: Seit 2015 müssen die Pharmafirmen die Geldflüsse an medizinische Fachkräfte offenlegen (zentralplus berichtete).

Das Luzerner Kantonsspitals erhielt 2015 laut der Datenbank knapp 440’000 Franken, letztes Jahr waren es bereits rund 628’000 Franken. Dazwischen lag der Betrag 2017 gar bei 763’000 Franken.

«Dass die ausgewiesenen Zuwendungen grundsätzlich leicht ansteigen, dürfte auch daran liegen, dass eine bessere Transparenz herrscht.»

Lukas Hadorn, Klinik St. Anna

Bei der Klinik St. Anna in Luzern sind die Pharmaspenden von 21’000 Franken im Jahr 2015 auf zuletzt über 70’000 Franken angewachsen. Allerdings liegt laut der Klinik ein Fehler bei einem der beteiligten Pharmaunternehmen vor. «Wird dieser korrigiert, liegt im Vergleich zum Vorjahr kein Anstieg vor», sagt Mediensprecher Lukas Hadorn. 2017 erhielt die Hirslanden-Klinik rund 41’000 Franken.

Anders verhält es sich beim Zuger Kantonsspital, wo die Zahlungen 2016 knapp 9’000 Franken betrugen – im letzten Jahr auf rund 3’600 Franken sanken. Diese überschaubare Summe begründet das Zuger Kantonsspital damit, dass es ein mittelgrosses Spital sei und im Unterschied zu grossen Zentrums- und Universitätsspitälern über keine eigenständige Forschungsabteilung verfügt.

Transparenz wird begrüsst

Das Zuger Kantonsspital ist damit eher untypisch. Laut einem Bericht des «Beobachter» ist die Summe in den letzten drei Jahren um knapp ein Drittel angestiegen.

«Dass die ausgewiesenen Zuwendungen grundsätzlich leicht ansteigen, dürfte auch daran liegen, dass die Regulierungen und Vorschriften rund um die Offenlegung von Zuwendungen in den letzten Jahren sehr viel strikter geworden sind und eine bessere Transparenz herrscht», sagt Mediensprecher Lukas Hadorn.

«Alle Vereinbarungen mit Pharmafirmen betreffend Sponsoring, Spenden und Honoraren müssen von der Direktion genehmigt werden.»

Sonja Metzger, Zuger Kantonsspital

Alle drei Spitäler befürworten diese Transparenz und Offenlegung der Zuwendungen explizit. Sie hätten laut eigenen Angaben klare Regeln im Umgang mit Spenden von Pharmafirmen.

«Alle Vereinbarungen mit Pharmafirmen betreffend Sponsoring, Spenden und Honoraren müssen von der Direktion genehmigt werden», sagt Sonja Metzger vom Zuger Kantonsspital. In der Vereinbarung werde explizit festgehalten, dass durch den Beitrag der Pharmafirma keinerlei Verpflichtungen für das Zuger Kantonsspital und seine Ärzte verbunden sind, etwa hinsichtlich Verschreibungspraxis von Medikamenten.

Wer nicht will, bleibt geheim

Die Transparenz-Offensive geht zurück auf eine Aktion des Verbands der Pharmaunternehmen in Europa. Nachdem in den USA ein Gesetz die Firmen zur Offenlegung verpflichtete, zog man hierzulande nach. Allerdings gibt es einige Schlupflöcher. Wenn ein Arzt oder eine Ärztin nicht einwilligt, namentlich genannt zu werden, bleibt er oder sie anonym. Zudem weigern sich mehrere Pharmafirmen, den Kodex von Scienceindustries zu befolgen.

Kritiker sprechen daher von einer Pseudotransparenz. Sie fordern, dass die Daten zentral und einheitlich veröffentlicht werden. Zudem sollen Ärzte, die sich der Transparenz verschliessen, keine finanzielle Unterstützung mehr erhalten.

Auch beim LUKS wird der Zweck der Zahlungen schriftlich vereinbart – und jeweils festgehalten, dass ärztliches Handeln von Zuwendungen von Pharmafirmen unabhängig ist. «Zahlungen dürfen zudem keinen Zusammenhang mit der Verschreibung von Medikamenten haben», so Sprecher Beat Fischer. Eine unabhängige Arztneimittelkommission innerhalb des LUKS sei für die Wahl der Medikamente zuständig. Die Beschaffung der Medikamente erfolge ebenfalls unabhängig von den Kliniken über die Spitalapotheke. 

Die Hirslanden-Gruppe, zu welcher auch die Klinik St. Anna gehört, kennt neben der Meldepflicht auch ein explizites Register für die Beiträge und lässt schriftliche Vereinbarungen über finanzielle Zustüpfe von der Rechtsabteilung prüfen. «Bestechung wird bei Hirslanden nicht toleriert, das definieren die erwähnten Regelungen ausdrücklich», bekräftigt Sprecher Lukas Hadorn.

Das Zuger Kantonsspital achtet zudem darauf, dass in jedem Kalenderjahr jeweils Vereinbarungen mit mehreren verschiedenen Pharmafirmen getroffen werden. Denn sogenanntes Monosponsoring erhöht die Gefahr von Abhängigkeiten – und ist bei medizinischen Organisationen nach wie vor verbreitet, wie die «Handelszeitung» kürzlich berichtete. Besucht ein Mitarbeiter einen Kongress – wie im eingangs erwähnten Fall – übernimmt das Spital jeweils mindestens einen Drittel der Kosten selber.

Wieso sie nicht verzichten wollen

Die Spitäler betonen die Bedeutung der Pharmagelder für das aktuelle Know-how. Denn Lehre und Forschung dürften nicht über die Krankenversicherungstarife abgegolten werden. «Die Beiträge sind insofern wichtig, als damit ein Teil der Kosten gedeckt wird, welche das LUKS für die Aus-, Weiter- und Fortbildungen seiner Mitarbeitenden sowie für Forschung aufwendet», sagt Mediensprecher Beat Fischer. Diese Bereiche seien wichtig für die Entwicklung des medizinischen Fortschritts und der Qualität, «welche den Patienten zugute kommt».

Auch bei der Hirslanden-Klinik betont man, dass die meisten Zahlungen mit Fortbildungen und Informationsveranstaltungen zu tun haben. «Diese vertraglich klar geregelten Sponsoring-Kooperationen sind für uns als Klinik und für unsere Patientinnen und Patienten wichtig, weil sie dazu beitragen, dass unsere Ärztinnen und Ärzte auf dem neuesten Stand der medizinischen Entwicklung sind», so Lukas Hadorn.

Trotz aller Bemühungen um Unabhängigkeit: Auf die Zustüpfe der Pharmaindustrie verzichten wollen die Spitäler also nicht.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 620 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. mebinger, 16.12.2019, 08:58 Uhr

    Kein Wunder läuft es für die Pharmaindustrie wie geschmiert. Korruption auf höchstem Niveau