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Wo täglich ein kulturelles Lichtlein brennt
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Die Z-Galerie wird im Dezember zum «Adventshaus». (Bild: pbu / Montage Thorsten Kreuger)

Kulturadventskalender in Baar Wo täglich ein kulturelles Lichtlein brennt

4 min Lesezeit 29.11.2015, 05:00 Uhr

Es ist wieder so weit: Weihnachtszeit. Was halten Sie von Adventskalendern? Gute Sache, oder? In Baar gibts jetzt einen ganz besonderen, ohne Schoggi oder sonstigen Firlefanz. Dafür mit Tanz, Theater, Musik und Literatur! Besinnlichkeit der anderen Art. Das erste Türchen geht auf.

Adventus Domini: Die Ankunft des Herrn steht vor der Tür – so lautet zumindest die deutsche Übersetzung des Advents. Dieser läutet bekanntlich jene Jahreszeit ein, in welcher sich die Christenheit auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu Christi, vorbereitet. Dekorateure laufen zur Höchstform auf, Besinnlichkeit quillt aus jeder Ecke, und die Lichtverschmutzung nimmt ungeahnte Ausmasse an. Böse Zungen sprechen von vorweihnachtlichem Kaufwahn, von Weihnachtsstress und Alibigeschenk-Käufen.

Täglich 30 Minuten Kultur

Was sich hinter jedem Kulturtürchen verbirgt, lässt sich direkt vor Ort erfahren. Von Montag bis Freitag hat die Z-Galerie jeweils von 18 bis 18.30 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 14.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte. Ungeduldige können ihre Neugier jeweils bereits am Morgen auf der Homepage stillen.

Mit dabei sind: Fabienne Ambühl, Baarquitas, Valérie Cuénod, De Rösch und de Roche, Diane Gemsch und Linda Vogel, Delia Haag und Adrienne Soòs, Improphil, Jaqueline Pasanisi – saw, luki*ju theater, Lucy & Lucky Loop, Mirjam Lüthi, Michael van Orsouw, Selma Roth, Judith Stadlin, Sonar, Statttheater, Theaterimpuls, Thin and Crispy, Vocal Monday, Vroni Stähli und Chantal Théraulaz, Barb Wagner, Doris Weiller sowie Marisa Zürrer.

Gründe genug, um diesem besinnlichen Geplänkel ein Schnippchen zu schlagen und sich anderweitig bis zur Niederkunft des Gotteskindes zu vertun. In Baar zum Beispiel. Vom 1. bis zum 23. Dezember kann man sich dort täglich für 30 Minuten die volle Dosis Kultur geben. Kulturadventskalender nennt sich das Ganze. Das Konzept: 23 verschiedene Vereine und Künstler aller Sparten sorgen für eine kulturelle Auszeit (siehe Box).

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«Der Kulturadventskalender Baar bietet Kulturschaffenden aller Sparten die Möglichkeit, Ausschnitte ihrer Produktionen zu zeigen», so erläutern die Veranstalterinnen Giannina Masüger und Madeleine Flury die Idee. «Zusätzlich ermöglicht es Vereinen in Baar, sich zu präsentieren und neue Mitglieder zu finden.» Was sich in Luzern und Olten bereits etabliert hat, kommt nun also auch erstmalig in den Kanton Zug.

Keine lange Suche

Die Inspiration für das kulturelle Türchen-Öffnen kam vom Berufsverband der Freien Theaterschaffenden ACT, bei welchem die Baarerin Giannina Masüger Mitglied ist. «Mir gefällt das Konzept», sagt Masüger, «und ich dachte mir, das wäre doch eine tolle Idee für Baar». Zusammen mit Madeleine Flury machte sie sich auf die Suche nach einer passenden Räumlichkeit für den Kultur-Adventskalender. Die Suche hat nicht lange gedauert.

«Wir hatten hier noch nie ein solch dichtes Programm.»

Maria Ziegler, Inhaberin Z-Galerie Baar

«Es sollte möglichst zentral gelegen sein, was die Möglichkeiten zwar eingeschränkt hat», konstatiert Masüger. «Trotzdem hat es beinahe auf Anhieb mit der Lokalität geklappt.» In der Z-Galerie wurden die beiden fündig. Maria Ziegler, zusammen mit ihrem Mann Willy Zieger Inhaberin der Z-Galerie, erzählt: «Ich fand die Idee der beiden sehr mutig, zumal ihr Projekt mitten in der Weihnachtszeit durchgeführt werden sollte. Ausserdem hatten wir hier noch nie ein solch dichtes Programm.»

Ziegler begrüsse es aber, dass sich junge Leute kulturell engagieren, und er bot ihnen ihre volle Unterstützung. Es freue sie, dass sie ihre Galerie als Plattform zur Verfügung stellen kann. «Wer weiss, wenn das Ganze gelingt, könnte es zu einer alljährlichen Tradition werden», sagt sie.

Die Z-Galerie in Baar bietet im Dezember täglich 30 Minuten Kultur.

Die Z-Galerie in Baar bietet im Dezember täglich 30 Minuten Kultur.

(Bild: pbu)

Vielseitig, regional und niederschwellig

Wieso aber gibts nur 23 Türchen? «Das hat rein organisatorische Gründe», sagt Masüger. Am 24. Dezember laufe ohnehin bereits viel, und am Abend könne man nicht mit vielen Leuten rechnen. «Ansonsten werden die Schwellen bewusst niedrig gehalten, damit vielleicht auch jene Leute, welche normalerweise nicht ins Theater gehen, zu uns kommen.» Die Samstage und Sonntage seien übrigens speziell für Familien ausgerichtet, betont sie.

«Für die Performer kann es wertvoll sein, Feedback von Menschen zu bekommen, die mit Theater nicht viel am Hut haben.»

Giannina Masüger, Organisatorin Kulturadventskalender Baar

Das Konzept biete indessen auch für Kulturschaffende Vorteile, führt Masüger aus. Zunächst sei es natürlich eine Plattform. Hinzu komme aber, dass das Ganze in einem unüblichen Rahmen passiere – nicht nur örtlich, sondern auch zeitlich. Entsprechend sei auch das Publikum ein anderes. «Für die Performer kann es durchaus wertvoll sein, direktes Feedback von Menschen zu bekommen, die mit Theater oder Tanz ansonsten nicht viel am Hut haben», sagt Masüger.

An Anfragen habe es jedenfalls nicht gemangelt. Masüger und Flury mussten vielen absagen. Nicht nur, weil das Konzept genau 23 Akte vorsieht, sondern auch, weil ihnen eine gute Durchmischung ein wichtiger Punkt ist. «Wir wollen den Kultur-Adventskalender möglichst vielseitig, abwechslungsreich und möglichst regional gestalten», sagt Masüger. Das Resultat: Musik, Tanz, Theater, Objektkunst, Lesung und gar eine Zirkusnummer. Das alles durchgeführt von Künstlern aus Zug, Luzern, Zürich, dem Aargau und einer Künstlerin aus Basel.

Giannina Masüger (links) und Maria Ziegler in der Z-Galerie in Baar.

Giannina Masüger (links) und Maria Ziegler in der Z-Galerie in Baar.

(Bild: pbu)

Religion vs. Kultur?

«In Baar beziehungsweise in Zug ist man in der Mitte zwischen Zürich und Luzern», sagt Masüger. «Das merkt man. Nicht nur geographisch, sondern auch was den künstlerischen Fokus betrifft.» Viele Kulturschaffende richteten ihr Augenmerk auf die Nachbarkantone. Mit dem Kulturadventskalender wolle man auch diesbezüglich etwas Gegensteuer geben.

Nun denn, für Kultur ist gesorgt. Weihnachten hat aber bekanntermassen etwas mit Religion zu tun. Gold, Weihrauch, Myrrhe, das Christkind und so. Weihnachten und Kultur, geht das zusammen? «Ja», findet Masüger, «Kultur hat viel mit Geschichte und auch mit Glauben zu tun. Von daher ist Weihnachten auch Kultur.» All jene, denen das zu wenig an Religiosität mitbringt, seien beruhigt: Am 23. Dezember werden auch sie mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen.

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