Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Wo Studenten bald Computer hacken und Roboter bauen
  • Gesellschaft
  • Architektur
  • Bildung
Departementsleiter René Hüsler sowie Zug-Estates-Chef Tobias Achermann staunen ob des neuen HSLU-Baus.

Ein Blick ins höchste Holzhochhaus der Schweiz Wo Studenten bald Computer hacken und Roboter bauen

5 min Lesezeit 1 Kommentar 20.08.2019, 21:07 Uhr

In einem Monat ist es so weit: Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wird der neue Hochschulstandort in der Rotkreuzer Suurstoffi eröffnet. So richtig spektakulär wird die Sache erst durch die aussergewöhnlichen neuen Gebäude, in denen künftig Studenten ein- und ausgehen. Ein Luxusbau? zentralplus hat die Tour gemacht.

Selbst Architekturlaien, die durch diese Türen treten, dürften merken, dass sie sich hier in keinem herkömmlichen Gebäude befinden. Das Haus oder besser gesagt die beiden Häuser, die hier während der letzten zwei Jahre in der Rotkreuzer Suurstoffi entstanden sind, machen nämlich zünftig Eindruck. Entwickelt wurde das architektonische Werk vom Luzerner Büro Konstrukt.

Der Eingangsbereich ist in sanftes Licht getaucht, Rohbeton trifft auf Holz und schafft eine angenehme Atmosphäre. Man trifft auf Rundungen, wo man Ecken vermutet hätte, auf Verweillust, wo man die Sterilität eines Neubaus befürchtet hat.

Unterstütze Zentralplus

Ab September kommen täglich 1’350 Studenten

Wir befinden uns in den neuen Gebäuden der Hochschule Luzern (HSLU), die am 14. September, just zum Semesterbeginn, eingeweiht werden. Hierher ziehen neu das Departement Informatik, das schon während der letzten zwei Jahre seinen vorübergehenden Standort auf dem Suurstoffi-Areal hatte, sowie das Institut für Finanzdienstleistungen, aktuell noch in Zug beheimatet. Es sind 1’350 Studierende, die hier ab September ein- und ausgehen werden.

Knapp einen Monat vor der Eröffnung lädt die HSLU die Medien zu einem Rundgang durch die Räume des neuen Hochschulstandorts, der für Rotkreuz so einiges verändern dürfte. Denn mit ihm wird die 11’000-Seelen-Gemeinde definitiv zur Hochschulstadt, inklusive Campus und repräsentativer Bauten.

Das höchste Holzhochhaus der Schweiz

Das von Zug Estates erbaute Hochhaus ist der höchste Holz-Beton-Hybrid der Schweiz, hochgezogen wurde der 60-Meter-Bau innert knapp zwei Jahren. Eine relativ kurze Zeit, beachtet man die Dimension des Hauses. «Dadurch dass wir mittels BIM-Technologie gebaut haben, konnten wir die Bauzeit um etwa ein Jahr verkürzen», erklärt Tobias Achermann, CEO von Zug Estates.

Was ausserdem half: Weil die tragenden Elemente aus Holz sind, konnten die Etagen sehr schnell hochgezogen werden. Etwa eine Woche nur benötigte der Bau einer einzelnen Etage.

Im Hochhaus belegt die HSLU neun Etagen, der anliegende Neubau wird allein von der Hochschule genutzt. Insgesamt sind es rund 16’000 Quadratmeter.

Von Robotik bis Virtual Reality

Die Hauptfläche von 12’700 Quadratmetern teilt sich auf in verschiedene Büro- und Unterrichtsräume. Der grösste von ihnen bildet das gestufte «Audiomax» mit 300 Plätzen. Dieses ist gänzlich in Holz gekleidet. Dazu kommt ein kleineres Auditorium. Bewusst hat man sich auf diese beiden gestuften Räume beschränkt. Dies, weil man bezüglich Infrastruktur möglichst flexibel bleiben will.

Ein Lichthof sorgt für sanftes Tageslicht.

Viele der ebenen Räume werden durch Trennwände verkleinert. Dazu kommen modernste Labors und Ateliers, in denen sich die Studenten Themen wie Blockchain, Robotik oder Virtual Reality widmen können und die deshalb bewusst karg ausgestattet sind. Denn je nach Thema bedarf es anderer Infrastruktur.

Ein Beispiel dafür ist ein sehr unkonventionell konzipierter Raum, der einem Kinosaal ohne Stühle gleicht. Man betritt ihn über einen Balkon. Von diesem hat man freie Sicht auf die untere Ebene. Es handelt sich um einen multimedialen Raum, in dem etwa auch 3D-Projektionen gemacht werden können.

Platz für kontrolliertes Hacking

Mehrere Räume wurden mit Computern ausgestattet. Ein Bild, das man so aus alten Schulzeiten kennt. «Das sind keine klassischen Computerräume», sagt René Hüsler, der Direktor des Departements Informatik, jedoch verschmitzt. «Vielmehr können die Studenten hier in kontrolliertem Rahmen Dinge ausprobieren, die sie zuhause nicht testen sollten.»

Konkret gehe es etwa um Sicherheits- und Netzwerkthemen. Dazu gehöre es beispielsweise auch, Hackerangriffe nachzustellen. «Die Tools dazu kann man ja relativ einfach im Darknet kaufen», so Hüsler weiter.

Kein Computerraum wie jeder andere. (Bild: wia)

Ein grosser Lichthof taucht den tieferen Bau in mildes Licht, eine Wendeltreppe führt von der ersten bis in die fünfte Etage. Durchaus wirkt das Ganze harmonisch und angenehm. Einziger Haken, und das wortwörtlich: Die oberste Stufe der Wendeltreppe ist noch etwas zu hoch geraten. Stolpernde Menschen sind vorprogrammiert. Das Problem werde jedoch noch behoben, versichern die Verantwortlichen der Hochschule.

Eines der Highlights des Baus: Das Foyer mit Wandelhalle, ein Ort, in dem es sich wohl sehr gut lernen und Kaffee trinken lässt.

Knapp 200 Millionen Franken stecken in diesem Baufeld

Fast 200 Millionen Franken hat Zug Estates in dieses Baufeld gesteckt, auf dem künftig drei Gebäude stehen werden. In den bereits bestehenden Gebäuden wurde mit Naturstein und Schweizer Holz gearbeitet. Dass hier offensichtlich qualitativ hochwertig gearbeitet wurde, ist zwar begrüssenswert, dürfte jedoch auch aufmerksame Steuerzahler auf den Plan rufen. Hat sich die HSLU hier etwas viel Luxus gegönnt?

Hier im EG lässt es sich verweilen. Von links: Tobias Achermann, Peter Hausherr, Markus Hodel, Christine Böckelmann, René Hüsler.

René Hüsler beteuert, dass die Flächeneffizienz bei den Bauten besser sei als bei anderen Fachhochschulen. Ausserdem seien zwar die hochwertigen Materialien an den repräsentativen Stellen bewusst sichtbar, andernorts, wie etwa in den Büroräumen, habe man hingegen etwas gespart, indem man beispielsweise die Leitungen an der Decke nicht verkleidet hat.

Ein Luxusbau?

Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern, erklärt zudem: «Man kann durchaus sagen, dass wir beim Bau gute Konditionen geniessen durften.» Und Christine Böckelmann, die Direktorin des Departements Wirtschaft, ergänzt: «Ausserdem war es uns wichtig, langlebige Materialien zu verwenden. Denn unser Ziel war es, für die nächsten fünfzig Jahre zu bauen.»

Es ist offensichtlich, die Vertreter der HSLU freuen sich über diesen Neubau. Und nicht nur diese. Auch dem Rischer Gemeindepräsidenten Peter Hausherr gefällt es. «Auch wenn es für die Gemeinde ein Stück weit ein Abenteuer wird, wenn sie zum Hochschulstandort wird.»

Im Positiven wie auch im Negativen. Die Gemeinde ist sich nämlich bewusst, dass durch die HSLU und die ganze Suurstoffi-Überbauung auch die Verkehrsproblematik grösser wird.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Christine Manetsch, 21.08.2019, 10:48 Uhr

    ‘Ein Blick ins höchste Holzhochhaus der Schweiz’

    Guten Tag Valeria Wieser
    übrigens da war doch noch was. Es ist nicht nur vom Büro Konstrukt sondern eine ARGE mit dem zürcher Architekturbüro Manetsch Meyer…
    Schade werden die Architekten oftmals nur als Dienstleister gesehen, ausser sie heissen Herzog de Meuron.

    Grüsse
    Christine

    https://www.manetschmeyer.ch/projekte/baufeld-1-suurstoffi-west