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Wo Mörder sich treffen: Gruselig-schräges Musical
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David Chrisman hat im Stück einen starken Part als Lincoln-Mörder John Wilkes Booth. Er brach sich beim Attentat ein Bein. (Bild: mbe.)

«Assassins» in der Chollerhalle Wo Mörder sich treffen: Gruselig-schräges Musical

5 min Lesezeit 04.09.2015, 17:30 Uhr

In der Chollerhalle geben sich momentan psychisch labile Präsidenten-Attentäter ein Stelldichein. Dargestellt werden sie von Schauspielern, alles Mitglieder des Vereins «English Theatre Group of Zug». zentral+ hat an der Hauptprobe für das Musical «Assassins» einige Vereinsmitglieder getroffen. Was sind das für schräge Vögel?

In der Chollerhalle wird Englisch gesprochen. Die Stimmung ist aufgekratzt, Schauspieler in historischen Kostümen huschen vorbei, das Lampenfieber ist spürbar: Hauptprobe für das Musical «Assassins» von Stephen Sondheim.

Auf die Beine gestellt hat das Musical die «English Theatre Group of Zug». Peter Gilbert, der neue Vereinspräsident, spielt im Stück einen Rummelplatzbesitzer und ebenso den Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald. Gilbert ist Engländer, der diplomierte Theaterpädagoge stiess vor sieben Jahren zur Gruppe (siehe Kasten). «Wenn man als Ausländer in die Schweiz kommt und noch Scheisse Deutsch spricht», sagt er mit einem Augenzwinkern, «ist dieser Verein natürlich super.»
Ein positiver Nebeneffekt: Gilbert lernte seine Frau beim Theaterspielen kennen. «Sie ist in Südafrika aufgewachsen, aber Schweizerin.» Bunte Welt. «Manche Schweizer freuen sich sogar, wenn man nicht so gut Deutsch spricht», sagt Peter Gilbert. Sie schalteten dann im Gespräch auf Englisch um und seien froh, ihre Sprachkenntnisse auf diese Weise perfektionieren zu können. Inzwischen spricht Gilbert leidlich gut unsere Sprache und unterrichtet an einer internationalen Schule in Zürich als Sprachlehrer seine Muttersprache.

Viele Freunde kennen gelernt

Shakespeares Sprache eint sie

Die «English Theatre Group of Zug» feiert im nächsten Jahr ihren 30. Geburtstag. Hauptzweck des Vereins, der aktuell 115 Aktiv- und Passivmitglieder zählt: Im Raum Zug Musicals, Theaterstücke und sonstige Unterhaltungsformen in englischer Sprache aufführen. Die ETGZ ist eine bunt gemischte Truppe: Anglophile Schweizer aus Zug und anderen Kantonen, viele davon mit englischsprachigen Partnern, bilden die Mehrheit. Dazu kommen weitere Expats. Im Verein wirken Profis und Laien mit.

Yasmine Meguid ist sogar schon 19 Jahre in der English Theatre Group of Zug. Die Profisängerin spielt in «Assassins» eine Balladeer (Liedermacherin). Sie wirkte beim Theater Basel in «Jesus Christ Super Star» und «Hair» mit. Mit ihrem Outfit im Theaterstück wirkt Meguid sehr amerikanisch (siehe auch unser Video). Bis 15 lebte sie in den USA, der Vater ist aber Ägypter, die Mutter Schweizerin. «Ich habe viele liebe Freunde im Verein gewonnen», sagt sie, «es sind alles Leute, die gerne Englisch sprechen und sich für angelsächsisches Theater und Musik interessieren.» Vor 20 Jahren, fügt Yasmine Meguid hinzu, sei Englisch noch weniger verbreitet gewesen in der Schweiz. «Doch mittlerweile sind Firmen wie Google hier, und viele Schweizer haben Berufserfahrung im englischsprachigen Ausland.»

Meiste Vereinsmitglieder sind Schweizer

Die englische Theatergruppe ist jedoch kein Expats-Verein, wo man unter sich bleibt. Im Gegenteil. Die Mehrheit der 115 Vereinsmitglieder sind «anglophile» Schweizer aus Zug und anderen Kantonen. Viele davon mit ausländischen Partnern. Die Unterägerin Myrtha Schuler zum Beispiel ist für die Medienarbeit zuständig. «Angesichts des internationalen Charakters des Wirtschaftsraums Zug leistet die Englisch Theatre Group of Zug einen einmaligen und wichtigen Beitrag an das kulturelle Leben des Kantons und zieht ein loyales und begeistertes Publikum an», sagt sie. Die Theatergruppe bestehe aus engagierten Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, welche die Begeisterung für die Sprache von Shakespeare vereint.

English Theatre Group of Zug from zentralplus on Vimeo.

Internationale Community freut sich

Die Buntheit schätzt auch Hanns Zöllner, der österreichische Wurzeln hat. Er ist seit den Anfängen vor bald 30 Jahren dabei und war lange Vereinspräsident. Am Anfang begleitete er Musicals am Klavier. Später spielte er bei Stücken mit und bildete sich schliesslich weiter als Regisseur. Für das Stück «Assassins» leitet er zusammen mit seiner Frau Cari die Regie. Zöllner: «Die internationale Community von Zug freut sich natürlich, dass sie Theaterstücke oder Musicals in ihrer Sprache hier erleben kann.»
Zöllner ist stolz, dass der Verein immer professioneller wird, die Mitglieder sich weiterbilden und auch immer mehr Profis mittun. Im Verein arbeiteten alle ehrenamtlich. Für das neuste Stück erhalten nur die eingeflogenen Musiker aus London eine Gage.

Politisch unkorrektes Stück

«Assassins» ist ein schräges Stück und in höchstem Masse «politisch unkorrekt». Das mehrfach ausgezeichnete Stück des US-Komponisten und Lyrikers Stephen Sondheim wurde 1990 uraufgeführt. Die Handlung in Kürze: Auf einem heruntergekommenen Rummelplatz treffen sich skurille Typen aus verschiedenen Epochen, die alle eines gemeinsam haben, der «american dream» hat sich für sie nicht erfüllt. Sie philosophieren darüber, tauschen ihre Ideen aus und begehen auf ihrer verzweifelten Suche nach dem idealen Leben mörderische Taten. Konkret: Sie wollen den mächtigsten Mann der Welt beseitigen und erhoffen sich dadurch eine Veränderung.

Alle Präsidenten-Mörder versammelt

Man lernt die «erfolgreichen» Mörder kennen. Aber auch weniger bekannte wie den polnischen Arbeiter und Anarchisten Leon Czolgosz (stark und expressiv dargestellt von Bruce Mathers), der 1901 US-Präsident William McKinley erschoss. Auch einige Frauen versuchten sich als Attentäterinnen, scheiterten aber glücklicherweise. Darunter eine durchgeknallte Freundin von Serienmörder Charles Manson.
Es ist ein Gruselkabinett, das sich da auf der Bühne der Chollerhalle versammmelt. Doch für einmal ist man als Zuschauer auf der Seite der Mörder, erfährt, was in ihnen vorging und warum sie das taten. Die Musik passt sich den jeweiligen dargestellten Epochen an.

Musicalform gewählt

Es knallt gehörig auf der Bühne, es wird gestöhnt, gejammert, geschrien und geweint. Ein Joint macht einmal die Runde. Das klingt alles dramatisch. Die Aufführungsform des Musicals nimmt der skurrilen Geschichte aber die Boshaftigkeit. Unterhaltsam dargebrachte amerikanische Gesellschaftskritik. Ein Ausflug in die amerikanische Geschichte, ihre Ideale, und ihre Abgründe. Begleitet wird das Stück von einer achtköpfigen Band. Der musikalische Leiter des Stücks, David Smith, konnte sie dank persönlichen Beziehungen direkt vom Londonder West End engagieren.

Die Premiere des Stücks findet am Freitag um 20 Uhr in der Chollerhalle statt. Weitere Aufführungen: 5. September um 20 Uhr, 6. September um 18 Uhr, 11. September um 20 Uhr, 12. September um 20 Uhr und 13. September um 18 Uhr. Weitere Infos findet man auf der Webseite des Vereins.

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