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Wo liegt das KMU-Paradies?
  • Wirtschaft
Luzern hat die tiefsten Firmenssteuern der Schweiz. Doch eine Minimalsteuer zahlen nun auch Kleinstunternehmen. So will es das Bundesgericht.

Steuer-Vergleich Zug und Luzern Wo liegt das KMU-Paradies?

3 min Lesezeit 1 Kommentar 13.08.2014, 09:44 Uhr

Welche Stadt hat bei den Steuern tatsächlich die Nase vorn? Was bezahlt ein KMU-Inhaber und zweifacher Familienvater jährlich in Luzern? Und was würde er mit demselben Geschäft und mit gleich hohem Einkommen in Zug bezahlen? zentral+ macht das Rechenbeispiel mit den aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik. 

Bezahlt ein Stadtzuger wirklich so wenig Einkommenssteuern, wie es immer heisst? Oder sind die Gewinnsteuern in Luzern tatsächlich so tief, dass sie alle Wirtschaftsstandorte der Schweiz in den Schatten stellen können? Das kommt auf die Ausgangslage an. Natürlich auch auf die Wohngemeinde und nicht zuletzt, wie man die einzelnen Beispiele Stück für Stück durchrechnet. Eine im Juli erschienene Erhebung der Eidgenössischen Steuerverwaltung gibt Aufschluss. Die Zahlen stammen aus der letzten Steuerperiode 2013.

Der Vergleich zeigt die unterschiedlichen Belastungen der Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern. Eine gute Quelle also, um ein konkretes Beispiel durchzurechnen. Wir denken an einen zweifachen Familienvater. Er führt ein eigenes Sanitärgeschäft und das Unternehmen läuft seit ein paar Jahren schon sehr gut – oder sagen wir dem Fiskus gegenüber zurückhaltend: zufriedenstellend. An Aufträgen fehlt es nicht.

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Nun, so nehmen wir an, sitzt der Sanitärunternehmer in seinem Büro in der Stadt Luzern vor seinen Steuerrechnungen und überlegt sich ernsthaft, in Anbetracht der hohen Summen, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, nach Zug zu ziehen. Der Steuern wegen. Eigentlich kein schlechter Gedanke.

Tiefere Gewinn- und Kapitalsteuern

Allein wegen der Unternehmenssteuern hätte er aber noch keinen Grund dazu, die Stadt zu wechseln. Für das Heizungs- und Lüftungsunternehmen hat der Familienvater die Rechtsform einer Aktiengesellschaft gewählt. Ein Kapital von 100’000 Franken ist in das Geschäftsvermögen investiert, da befindet sich entsprechend Brauchbares wie Lieferwagen, Werkzeuge oder IT-Infrastruktur. Der Gewinn aus dem vergangenen Geschäftsjahr beträgt 12’000 Franken.

Im Steuer-Vergleich der beiden Hauptorte Zug und Luzern macht der Unterschied lediglich 190 Franken aus. Sieger in Sachen Unternehmenssteuer: Die Stadt Zug. Zwar hat der Kanton Luzern bekanntlich die tiefsten Unternehmenssteuern überhaupt. Der höhere Steuerfuss der Stadt Luzern bei den Unternehmenssteuern macht aber diesen Vorteil wieder wett (siehe Tabelle unten).

Mit der beschriebenen Ausgangslage (12’000 Franken Gewinn und 100’000 Franken Kapital) hätte unser Sanitär in diesem Jahr 1’439 Franken in der Stadt Zug oder 1’625 Franken in der Stadt Luzern zu berappen. Vielleicht wäre es ferner für den Sanitärunternehmer noch eine Überlegung wert, nach Stans zu ziehen. Der Nidwaldener Hauptort liegt bei den Unternehmenssteuern auf Platz zwei nach Zug und noch vor Luzern auf Rang drei. 

Einkommenssteuern sind entscheidend

Was in unserem Beispiel einschenkt und die Sache für den Sanitärunternehmer entscheidet, sind die Einkommenssteuern. Für ihn gehen wir von einem Verdienst von jährlich 200’000 Franken aus, die er sich selber als Lohn aus dem Unternehmen auszahlt (hier würde ein Steuerberater eine höhere jährliche Gewinnausschüttung vorschlagen. An dem hätte wiederum die Ausgleichskasse aufgrund der Sozialversicherungs-Ausfälle keinen Gefallen. Aber wir wollen ja keine Steuerberatung leisten). Wie gesagt ist der Protagonist Familienvater, verheiratet und hat zwei Kinder. 

Bei den Steuern auf das Einkommen ist Zug der klare Favorit. Denn in Luzern würde der Sanitär insgesamt 21’605 Franken Steuern bezahlen, in Zug 8’281. Ein grosser Unterschied von 13’324 Franken. In der Stadt Luzern zahlt man dementsprechend 10.8 Prozent Steuern und in Zug nur 4.14 Prozent. 

Motorfahrzeug-Steuern

Für die Stadt Luzern ist es nun kein grosser Trumpf mehr, dass ein Unternehmer hier 50 Franken weniger an Motorfahrzeug-Steuern für seinen Lieferwagen bezahlt. Für einen kleinen Transporter mit 4’500 Kilogramm Gesamtgewicht liegt die kantonale Richtlinie bei 650 Franken. In Zug zahlt man 700 Franken. Unser Unternehmer zieht also Bilanz und schaut sich um, wie viele Sanitärinstallateure im Kanton Zug so tätig sind. Vielleicht lässt sich ja nicht nur der Steuersitz nach Zug verlegen, sondern auch der Kundenstamm. Wer weiss?

 

(*) Reingewinn- und Kapitalbelastung durch Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern sowie direkte Bundessteuer

(Handels-, Industrie- oder Bank-AG, ohne Beteiligungen, bei 100’000 Franken Kapital)

Rendite in Prozenten des Reingewinnes 4 8 12 16 20 30 40 50
Steuern in Prozenten des Reingewinnes                
Stadt Luzern 15.97 14.24 13.55 13.20 12.99 12.74 12.61 12.51
Stadt Zug 17.06 12.30 11.99 11.91 11.80 11.72 11.65 11.63

 

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1 Kommentare
  1. Tabea Zimmermann Gibson, 13.08.2014, 19:01 Uhr

    Wie wäre es mit vernetztem Denken? Ein Vergeich, der einschliesslich auf die Steuern fokussiert, hinkt so stark, dass er die Zeit, die man mit Lesen verbringt, eindeutig nicht wert ist. Hier ein paar Punkte, die auch einbezogen werden sollten:
    – Lebensunterhaltskosten inkl. Miete und Krankenkassen
    – Pendlerkosten (Geld und Zeit), falls sich der Kundenstamm nicht nach Zug verlegen lässt
    – Bildungsangebote, Kosten für Bildung
    – Freizeitsangebote, Kosten für Sport und Musik
    – Kulturangebot
    – etc.
    Ein ruinöser Steuerwettbewerb, wie er durch den ausschliesslichen Vergleich der Steuern gesteigert wird, hat für Familien und die Gesellschaft insgesamt eine so negative Langzeitwirkung, dass man sich nie auf so tendenziöse Steuervergleiche herunterlassen sollte.